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23. Jun 2026

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Gesellschaft

Lebwohl, liebe Fellnase

Journalist: Julia Butz

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Foto: Rafaëlla Waasdorp/unsplash

Gefühle verstehen, zulassen und gemeinsam durch die Trauer gehen.

Wenn ein Haustier stirbt, fühlt sich das Leben oft plötzlich ganz anders an. Egal ob Hund, Katze, oder Meerschweinchen: Die Fellnase war ein vertrauter Begleiter im Alltag, der einfach dazugehörte. Gerade für Kinder kann es schwer sein, diesen Verlust zu begreifen. Für sie kann er das erste Mal sein, dass sie dem Tod begegnen und der erste Moment, in dem große Fragen auftauchen: Was passiert nach dem Tod? Gibt es ein Tierparadies? Viele Eltern handeln dann aus einem Schutzinstinkt heraus und greifen zu Halbwahrheiten: Das Tier sei auf die Wiese jenseits der Regenbogenbrücke gezogen, eingeschlafen oder weggelaufen. Aber Kinder, die die Wahrheit nicht erfahren, können Verlust nicht verarbeiten, sie warten auf eine Rückkehr, die nie kommt.

Was Kinder in diesen Momenten brauchen, ist nicht die sanfte Lüge, sie brauchen die sanfte Wahrheit: „Ich weiß es nicht genau. Manche Menschen glauben, dass sich alle Seelen irgendwann wiedersehen.“ Kinder halten solche Offenheit gut aus, brauchen keine Gewissheit, aber das Gefühl, dass ihre Fragen ernst genommen werden. Der Tod des Haustieres ist, so paradox es klingt, auch eine Chance. Eine Chance, dem Kind zu zeigen, dass Gefühle und Trauer erlaubt sind und dass der Tod zum Leben gehört.

Kinder, die die Wahrheit nicht erfahren, können Verlust nicht verarbeiten.

Wie sieht ein guter Abschied aus? Konkret, hilft es, über das Tier zu reden, über seine Eigenheiten, lustige Momente, den ersten Tag zu Hause. Erinnerungen zuzulassen ist dabei kein Schmerzverstärker, sondern Teil der Verarbeitung. Kinder sollten außerdem wissen, was mit dem Körper des Tieres passiert. Früher war der Garten die naheliegende Lösung, heute spezialisieren sich Tierkrematorien auf eine würdevolle Einäscherung. Sie verstehen sich als Begleiter eines gesamten Trauerprozesses, bei dem die Bestattung des geliebten Haustieres als sehr persönlicher Abschied verstanden und entsprechend einfühlsam begleitet wird. Mit Räumen für individuelle Abschiedszeremonien, in ruhiger Atmosphäre bei Kerzenlicht und Musik. Kinder können und sollten in diesen Prozess einbezogen werden. Es hilft den Tod bewusst zu begreifen, dem kindlichen Trauerprozessen Raum zu geben und einen klaren emotionalen Abschluss zu finden. Ein persönlicher Brief an das Tier, der es auf seiner letzten Reise begleitet, kann Trost spenden. Auch ein gemeinsames Lieblingslied schafft eine Verbindung über den Abschied hinaus. Erinnerungen lassen sich in einem gestalteten Album mit Fotos bewahren oder durch einen Pfotenabdruck sichtbar machen. Diese Rituale vermitteln, dass Verlust gesehen werden darf und welche große Bedeutung das Leben des Tieres für die Familie hatte.

Erinnerungen zuzulassen ist kein Schmerzverstärker, sondern Teil der Verarbeitung.

Neben den individuellen Erinnerungsritualen gehören auch Entscheidungen zur Bestattung des Tieres. Bei der Einzel- oder Privatkremierung wird das eigene Tier eingeäschert und die Asche in einer Urne zurückgegeben, bei der Sammelkremierung mit mehreren gemeinsam eingeäschert. Welche Form gewählt wird, hängt davon ab, was sich für die Familie stimmig anfühlt. Wenn die Asche schließlich verstreut oder beigesetzt wird, entsteht ein Ort des Gedenkens. Ein persönlicher Erinnerungsraum, der Trost spendet und an den man zurückkehren kann, um dem Tier nahe zu sein.

Factbox

Laut dem Bundesverband Deutscher Tierbestatter e. V. hat sich insbesondere seit den 1990er- und 2000er-Jahren ein klarer Wandel vollzogen: Haustiere werden zunehmend als Familienmitglieder betrachtet, wodurch auch der Wunsch nach einer würdevollen Bestattung stark gestiegen ist.

23. Jun 2026

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Gesellschaft

Tiergesundheit: Ein wichtiger Schritt für mehr Tierschutz – Ein Beitrag von Judith Schönenstein, Vizepräsidentin Deutscher Tierschutzbund e. V.

Ein Haustier aufzunehmen ist eine wunderbare Entscheidung: Tiere schenken uns Gesellschaft, Freude und oft auch Trost. Sie bereichern unser Leben auf vielfältige Weise und werden für viele Menschen zu echten Familienmitgliedern. Als treue Begleiter verdienen Tiere nicht nur Liebe, Fürsorge, Pflege und eine artgerechte Haltung, sondern auch unseren Schutz. Denn Tiere haben keine Stimme und können sich nicht selbst gegen Vernachlässigung oder nicht tiergerechte Haltungsbedingungen wehren. Trotz der Verankerung des Tierschutzes als Staatsziel im Grundgesetz leiden tagtäglich zahlreiche Tiere. Der illegale Tierhandel mit zu jungen und oft kranken Hundewelpen floriert, Straßenkatzen kämpfen ohne menschliche Hilfe ums Überleben und Millionen Tiere – darunter auch Katzen und Hunde und vor allem Nager – werden jährlich in Versuchslaboren „verbraucht“. Auch bestimmte Zuchtpraktiken verursachen unnötiges Tierleid: Um bei der Zucht optische Merkmale wie Kulleraugen, kurze Schnauzen, Faltohren oder Farbvariationen im Fell zu erreichen, werden Auswirkungen auf die Tiergesundheit in Kauf genommen. Dabei ist ein Verbot solcher Qualzuchten längst im Tierschutzgesetz verankert – doch die Umsetzung bleibt unzureichend. Um den Tierschutz wirksam zu stärken, braucht es klare gesetzliche Rahmenbedingungen. Dazu zählt ein Verbot des Onlinehandels mit Tieren – denn viele Haustiere werden unüberlegt über das Internet gekauft, wo Welpen aus unseriösen Zuchten zigfach zum Kauf angeboten werden. Eine bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen könnte die Anzahl der Straßenkatzen und damit ihr Leid verringern und – in Kombination mit einer Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzen und Hunde – auch überfüllte Tierheime entlasten. Das Qualzuchtverbot muss konkretisiert und erweitert werden. Und es braucht eine Strategie zum Ausstieg aus Tierversuchen. Nur, wenn wir Tiere als fühlende Lebewesen anerkennen und ihren Schutz konsequent verfolgen, können wir dem Staatsziel Tierschutz gerecht werden. Am Ende liegt es an uns allen, für das Wohl der Tiere einzutreten. >Nur, wenn wir Tiere als fühlende Lebewesen anerkennen und ihren Schutz konsequent verfolgen, können wir dem Staatsziel Tierschutz gerecht werden. Am Ende liegt es an uns allen, für das Wohl der Tiere einzutreten. Dazu gehört auch, sich umfassend zu informieren, wenn man ein Haustier aufnehmen möchte. Wer versteht, wie Tiere fühlen, was sie brauchen und wie sich Krankheiten frühzeitig erkennen lassen, leistet einen wertvollen Beitrag – für das einzelne Tier ebenso wie für das große Ziel: mehr Tierschutz, mehr Tiergesundheit, mehr Mitgefühl. Ein verpflichtender Sachkundenachweis vor der Tieranschaffung könnte helfen, Fehler aus Unwissenheit zu vermeiden. Auch die Kosten, die für Haustiere anfallen – etwa für tiermedizinische Behandlungen – sollten nicht unterschätzt werden. Routinemäßige als auch unvorhergesehene Tierarztbesuche können bisweilen tausende Euro für eine OP oder Behandlung verursachen. Es ist daher ratsam, sich rechtzeitig über eine Tierkrankenversicherung zu informieren. Wer nicht nur einem Tier in Not helfen möchte, sondern auch einen wichtigen Beitrag für den Tierschutz leisten will, sucht im Tierheim nach dem passenden tierischen Mitbewohner. Tausende Tiere warten hier auf ein neues Für-immer-Zuhause und eine zweite Chance. „Adoptieren statt kaufen“ lautet das Motto!