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29. Sep 2022

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Wirtschaft

Leere Meere

Journalist: Lotta Jachalke

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Foto: Lance Anderson/unsplash

Aquakulturen boomen; eine neue Ära der Fischerei ist angebrochen. Eine kurze Reise durch die Bedeutung der Fischzucht verrät uns warum.

Wir Menschen sind abhängig von Fisch. Was aber, wenn eines Tages keine fischbaren Meerestiere mehr in den Meeren schwimmen? Was zugegebenermaßen unvorstellbar klingt, hat sich in letzter Zeit zu einer berechtigten Sorge entwickelt, denn viele Wildfischpopulationen sind bereits am Schwinden. Laut dem WWF sind 31% der weltweiten Bestände überfischt und 58% schwimmen am seidenen Faden.

Schnell war klar: Um die Ressource Fisch vor dem Untergang zu bewahren, konnten wir uns nicht mehr ausschließlich auf die traditionelle Fischerei verlassen. So kam es, dass die Welt in den letzten Jahrzehnten mit zunehmendem Interesse auf die Aquakultur blickte. In der Möglichkeit Fische und Meeresfrüchten im Meer, im Süßwasser oder an Land aufzuziehen, lag die Hoffnung, den Hunger der Welt zu stillen – oder zumindest einen großen Teil dazu beizutragen. Das System florierte: Die Aquakultur ist heute einer der am schnellsten wachsenden Wirtschaftszweige in der Tierproduktion. Jeden zweiten Fisch, der auf unseren Tellern landet, verdanken wir der Zucht. Und dass, obwohl der Begriff „Aquakultur“ vor einiger Zeit vielerorts unbekannt war.

Dabei ist die Fischzucht mit Sicherheit keine Innovation der Neuzeit. Dank alter Aufzeichnungen und Schriften wissen wir heute, dass die ersten integrierten Ackerbau-Aquakultur-Systeme schon vor etwa 4.000 Jahren in China existierten. Die Fisch- und Muschelzucht entwickelte sich stets weiter und war in Deutschland bereits seit der Aufklärung bekannt. Die Industrialisierung gab der deutschen Fischzucht den entscheidenden Impuls: Die steigende Nachfrage konnte durch die Umweltverschmutzung und damit einhergehenden schrumpfenden Fischbeständen nur schwer bedient werden. Leichtere und günstigere Baustoffe ließen in den 70ern abermals viele neue Farmen aus dem Boden und Gewässern schießen. Auch die restliche Welt probierte sich an der Zucht, bis die Branche durch den Druck der Nachfrage im 21. Jahrhundert geradezu explodierte.

Das Resultat: Fische, Krebse und Algen werden heute im großen Stil mithilfe von verschiedensten Verfahren herangezogen – in Gewässern und auch an Land. Zu den klassischen Formen gehört die Zucht in natürlichen oder künstlichen Teichen oder in Durchflussanlagen, die durch eine fortwährende Strömung für einen hohen Wasseraustausch und Sauerstoffgehalt sorgen. In natürlichen Flüssen, Teichen und dem offenen Meer kommen im Gegensatz häufig verankerte Netzgehege- oder Käfiganlagen zum Einsatz. Bei der Muschelzucht hat sich die Bodenkultur im Meer durchgesetzt.

Mit ihrem großen Potenzial werden Aquakulturen seit Jahrzehnten aus gutem Grund mit kritischem Blick verfolgt. Als die Nachhaltigkeit noch nicht ganz oben auf sämtlichen To-Do-Listen stand, scherten sich viele Farmen wenig um das Ökosystem und einen hohen Standard der Tierhaltung. Der derzeitige Boom und die rasanten Innovationen in der Aquakultur lenken die Branche immerhin auf einen ökologischeren Pfad und ermöglicht große Schritte in Richtung einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Zucht.

Eins ist klar, noch nie war Aquakultur so gefragt wie heute. Die steigende Nachfrage wird die Fischzucht stärker ankurbeln denn je. Das Ziel: Die Zucht fit machen für die sozialen und ökologischen Anforderungen unserer Zeit.

Im Supermarkt fällt auf: Einige Zuchtfische tragen ein Qualitäts- oder Gütesiegel. Dieses wird vergeben, wenn die Farmen bestimmte Kriterien bei der Zucht erfüllen. Sie gibt der artgerechten Haltung enge Leitplanken. Bei vielen Organisationen fallen auch Umweltauswirkungen und soziale Aspekte ins Gewicht.

23. Dez 2025

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Gesellschaft

Warum es so wichtig ist, konsequent nachhaltig zu bauen – Ein Beitrag von Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand DGNB e.V.

Nachhaltiges Bauen bedeutet weit mehr als energieeffiziente Gebäude oder den Einsatz ökologischer Materialien. Es beschreibt einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Gebäude über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg betrachtet werden: von der Planung über den Bau und die Nutzung bis hin zu Umbaumaßnahmen oder den Rückbau. Ziel ist es, Umweltbelastungen zu minimieren, Ressourcen zu schonen, Menschen gesunde und lebenswerte Räume zu bieten und gleichzeitig wirtschaftlich sinnvolle Lösungen zu schaffen. Stand heute ist der Bausektor nach wie vor für einen erheblichen Teil der globalen CO2-Emissionen, den Verbrauch natürlicher Ressourcen und den zunehmenden Verlust der Biodiversität verantwortlich. Gleichzeitig verbringen wir den Großteil unseres Lebens in geschlossenen Räumen, die unser Wohlbefinden stärken sollen, ohne dabei die Zukunft unseres Planeten zu gefährden. Zudem leben immer mehr Menschen in der Stadt. Der Bedarf an attraktiven und dazu noch klimaresilient gestalteten Freiräumen wächst. Nachhaltige Architektur bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um die Klimakrise zu bekämpfen, soziale Gerechtigkeit zu fördern und langfristige wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Wie ein Perspektivwechsel in diese Richtung gelingen kann, zeigen wir noch bis zum 28. Januar 2026 mit der ersten DGNB Ausstellung „What If: A Change of Perspective“ in der Berliner Architekturgalerie Aedes. Die Ausstellung fordert Besucherinnen und Besucher dazu auf, gewohnte Denkmuster zu hinterfragen und die Themenvielfalt des nachhaltigen Bauens neu und unvoreingenommen auf sich wirken zu lassen. >Nachhaltige Architektur bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um die Klimakrise zu bekämpfen, soziale Gerechtigkeit zu fördern und langfristige wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Anhand gebauter Beispiele wird deutlich, dass viele Lösungen bereits existieren. So erfährt der Besuchende anschaulich, wie Gebäude klima- und ressourcenschonend geplant werden können, indem Materialien im Kreislauf geführt, Energie effizient genutzt oder sogar erzeugt wird und der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes berücksichtigt bleibt. Ebenso thematisiert werden Klimaanpassung und Resilienz: durch kluge Gestaltung, Begrünung und Freiräume können Gebäude und Städte besser mit Hitze, Starkregen oder Trockenperioden umgehen. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Menschen. Nachhaltiges Bauen stellt das Wohlbefinden, die Gesundheit und das soziale Miteinander in den Mittelpunkt. Architektur kann Begegnung fördern, Identität stiften und bezahlbaren Wohnraum schaffen, ohne dabei die Umwelt aus dem Blick zu verlieren. Auch der verantwortungsvolle Umgang mit bestehenden Gebäuden spielt eine zentrale Rolle. Sanieren, Umnutzen und Weiterbauen im Bestand werden als Strategien gezeigt, um Flächen zu schützen und Ressourcen zu sparen. Nicht zuletzt wird klar, dass Nachhaltigkeit keine Kostenspirale sein muss. Ganzheitlich geplante Gebäude sind oft wirtschaftlicher, weil sie langfristig Betriebskosten senken, Risiken minimieren und ihren Wert erhalten oder steigern. Nachhaltiges Bauen ist kein abstraktes Expertenthema und schon gar keine Zukunftsvision, sondern eine konkrete Chance. Für lebenswerte Städte, für gesunde Räume und für eine gebaute Umwelt, die den Herausforderungen unserer Zeit gewachsen ist. Als inhaltlich getriebener Non-Profit-Verein begreifen wir das nachhaltige Bauen seit unserer Gründung vor 18 Jahren als gesellschaftliche Aufgabe, nach der wir unser Handeln ausrichten. Mit der Ausstellung laden wir jeden einzelnen ein, genauer hinzusehen, weiterzudenken und selbst Teil des Wandels zu werden. Weitere Informationen gibt es unter www.dgnb.de/aedes