24. Sep 2026
|
Gesundheit
Journalist: Hauke Brost
|
Foto: Curated Lifestyle/unsplash
Gerade im Ausdauersport ist Regeneration mindestens so wichtig wie das Training selbst. Aber was hilft wirklich? Immer mehr Sportler setzen auf Kompressionsmassage.
Nach dem Sport schnell umziehen und sofort wieder ins Büro? Das tut dem Körper natürlich nicht gut. Die Basics der Regeneration kennt jeder Fitnesstrainer auswendig: Auf jeden Fall viel trinken, dabei auf Mineralstoffe bzw. Elektrolyte achten. Genug Flüssigkeit hat man erst, wenn der Urin hellgelb ist. Eine Mahlzeit innerhalb der nächsten zwei Stunden wäre gut (Eiweiß, Kohlenhydrate). Leichte Dehnübungen können späteren Muskelkater reduzieren. Wer die Möglichkeit hat, gönnt sich nach dem Training auch noch eine Massage, um die Muskeln zu entspannen.
Aber: "Regeneration hat bei vielen Sportlern noch nicht den Stellenwert, den sie eigentlich haben sollte", sagt der Sportwissenschaftler Ben Mansour, "dabei ist es entscheidend, nicht nur an den Stellschrauben des Trainings, sondern auch an der Regeneration in Verbindung mit einem gesunden Lebensstil zu arbeiten." In vielen Fitnessstudios wird deshalb Regeneration mit "Recovery Boots" angeboten – ein relativ neuer Trend, der wissenschaftlich noch nicht abschließend bewertet worden ist. Sicher scheint aber zu sein, dass regelmäßige Anwendung der "Kompressionsmassage" einen positiven Effekt auf die Muskelfunktion hat.
Wie kann man sich das vorstellen? Die Massagegeräte sehen aus wie eine Mischung aus Luftmatratze und Thermohose. Man schlüpft mit den Beinen hinein und steuert sie mit einer App. Die Boots bestehen aus mehreren Luftkammern, die sich aufpumpen und in fester Abfolge Druck auf die Beine ausüben, und zwar von den Füßen nach oben, in pumpender Bewegung. Der Druck wirkt wie eine manuelle Lymphdrainage und unterstützt den Rückfluss von Blut und Lymphflüssigkeit. Abfallstoffe wie Laktat werden dadurch schneller abtransportiert und frisches Blut kann nachfließen. "Recovery Boots stellen eine effektive Unterstützung dar, um Regeneration und Leistungsfähigkeit nachhaltig zu verbessern", sagt der Sportwissenschaftler. Aber für wen sind sie geeignet? Natürlich zunächst einmal für alle, die regelmäßig Ausdauersport treiben, also z. B. Läufer, Fußballer, Rennradfahrer usw. Genutzt werden sie aber auch in Berufen, die vorwiegend im Sitzen ausgeübt werden oder mit langem Stehen verbunden sind – weil sich die Beine nach einer Kompressionsmassage leichter anfühlen. "Sie ergänzt physiotherapeutische Maßnahmen optimal", hat Dr. Philip Lübke, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie festgestellt, "denn sie trägt entscheidend zur Erholung bei. Die Behandlung endet aber nicht in der Praxis, sondern viele Sportler nutzen Recovery Boots auch zu Hause, um in trainingsintensiven Phasen bestmöglich zu regenerieren." Ein weiterer Vorteil ist natürlich, dass man sich den Masseur spart. Denn die Massage-Hosen mit den Druckkammern bedient man selbst.
Wissenschaftler weisen jedoch darauf hin, dass Kompressionsmassage kein Wundermittel ist. Ausreichend Schlaf, genug Flüssigkeit und angemessene Ernährung bleiben die wesentlichen Bausteine einer guten Regeneration, die dann durch Recovery Boots sinnvoll ergänzt werden kann.
Fast jeder zweite Deutsche treibt regelmäßig Sport (mindestens 150 Minuten wöchentlich). Männer sind etwas aktiver als Frauen. Fast 30 Mio. haben eine oder mehrere Mitgliedschaften in den rund 86.000 Sportvereinen. 12,3 Millionen sind Mitglied in einem Fitnessstudio (zumindest auf dem Papier).