23. Sep 2026
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Lifestyle
Journalist: Karin Kudla
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Foto: Dhana Sabira
Immer schnellere Trends und perfekte Bilder prägen unser Schönheitsideal. Doch wie viel Authentizität bleibt dabei? Céline Bethmann (28) kennt die Beauty- und Fashionwelt aus eigener Erfahrung. 2017 gewann sie im Alter von 18 Jahren die zwölfte Staffel von Germany’s Next Topmodel und startete damit ihre Karriere als Model.
Wie würden Sie das heutige Schönheitsideal in der Beauty- und Fashionbranche beschreiben? Ich glaube, das Schönheitsideal ist heute gleichzeitig vielfältiger und widersprüchlicher geworden. Auf der einen Seite sehen wir viel mehr unterschiedliche Typen, Körper und Persönlichkeiten als noch vor einigen Jahren. Auf der anderen Seite erzeugen Social Media, Filter und ständig neue Trends einen enormen Druck, immer „perfekt“ auszusehen. Für mich ist Schönheit deshalb weniger ein bestimmter Look als vielmehr Ausstrahlung und Individualität.
Was muss man heute mitbringen, um in der Modebranche erfolgreich zu sein? Natürlich spielen Aussehen und der eigene Typ eine Rolle, aber das allein reicht überhaupt nicht. Man braucht Disziplin, Professionalität, Verlässlichkeit und vor allem Durchhaltevermögen. Man wird sehr oft bewertet und hört auch mal ein Nein. Deshalb ist es wichtig, sich selbst nicht bei jedem Job infrage zu stellen. Und ich glaube, Persönlichkeit ist heute wichtiger denn je.
Was bedeutet Schönheit für Sie persönlich – und hat sich Ihre Definition im Laufe der Jahre verändert? Ja, definitiv. Mit 18 habe ich Schönheit viel stärker mit Äußerlichkeiten verbunden. Heute bedeutet sie für mich vor allem, sich in der eigenen Haut wohlzufühlen. Ich finde Menschen schön, die etwas Eigenes haben und nicht versuchen, einem Ideal zu entsprechen. Je älter ich werde, desto mehr merke ich, dass Selbstbewusstsein und Ausstrahlung viel stärker wirken als Perfektion.
Schönheit ist für mich viel mehr Ausstrahlung als Perfektion.
Wie authentisch ist die Beauty- und Fashionbranche Ihrer Meinung nach wirklich? Das ist sehr unterschiedlich. Natürlich ist die Branche stark visuell geprägt und vieles wird inszeniert – das gehört ein Stück weit dazu. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass Authentizität wichtiger geworden ist. Menschen möchten heute nicht nur perfekte Bilder sehen, sondern auch Persönlichkeit. Trotzdem sollte man sich immer bewusst machen, dass ein Foto oder ein Social-Media-Post nur einen kleinen Ausschnitt der Realität zeigt.
Glauben Sie, dass Social Media heute mehr das Selbstbewusstsein stärkt oder eher Unsicherheiten schafft? Beides. Social Media kann inspirieren und einem zeigen, wie unterschiedlich Schönheit sein kann. Gleichzeitig vergleicht man sich dort unglaublich schnell mit anderen – oft mit Bildern, die bearbeitet, gefiltert oder einfach perfekt inszeniert sind. Ich versuche deshalb, mir immer wieder bewusst zu machen, dass Social Media nicht die komplette Realität ist. Das eigene Selbstwertgefühl sollte nicht davon abhängen, wie ein Bild ankommt.
Wie hängen Schönheit, Gesundheit und Wohlbefinden für Sie zusammen? Für mich sehr stark. Wenn ich ausgeschlafen bin, mich bewege, gut esse und mich insgesamt wohlfühle, strahle ich das auch aus. Schönheit ist für mich deshalb nichts, was nur von außen kommt. Man kann perfekt geschminkt und gestylt sein – wenn man sich nicht wohlfühlt, merkt man das. Umgekehrt kann jemand völlig ungeschminkt unglaublich schön wirken, einfach weil er sich gut fühlt.
Versucht nicht, die schönste Version von jemand anderem zu werden.
Was hat Ihnen dabei geholfen, ein gesundes Verhältnis zu Ihrem eigenen Aussehen und Körper zu entwickeln? Vor allem Zeit und Erfahrung. Wenn man so jung in die Modelbranche kommt, wird das eigene Aussehen automatisch sehr stark bewertet. Ich musste lernen, Kritik oder eine Absage nicht persönlich zu nehmen. Nicht für jeden Job der richtige Typ zu sein, bedeutet nicht, dass mit einem etwas nicht stimmt. Heute kenne ich mich selbst besser und weiß viel mehr zu schätzen, was mich ausmacht, statt ständig nach vermeintlichen Fehlern zu suchen.
Wenn Sie unseren Leserinnen und Lesern einen Gedanken zum Thema Selbstbewusstsein und Schönheit mitgeben könnten: Welcher wäre das? Versucht nicht, die schönste Version von jemand anderem zu werden. Die Dinge, die man an sich selbst vielleicht lange als Makel gesehen hat, sind oft genau das, was einen besonders macht. Schönheit verändert sich, Trends verändern sich – aber sich selbst zu mögen und sich nicht permanent mit anderen zu vergleichen, ist wahrscheinlich das Schönste, was man für sich tun kann.
Ihre Freizeit verbringt Céline Bethmann am liebsten mit Familie und Freunden. Bei frischem Obst kann sie jederzeit zugreifen – genauso wie bei einer Brezel mit Frischkäse. Für ihr Wohlbefinden liebt sie Reformer-Pilates und ihr Laufband. Beim Laufen kann sie am besten nachdenken und den Kopf frei bekommen.