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27. Apr 2020

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Wirtschaft

Wer die Technologie liefert, setzt Standards

Der deutsche Mittelstand ist stark bei der Integration von KI-Techniken in die Produktion. Aber Vorsicht: die internationale Konkurrenz schläft nicht.

Die digitale Revolution hat längst unser aller Leben erfasst, Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch und Roboter setzen sich mehr und mehr durch. Wer in Zukunft noch etwas zu sagen haben und gehört werden will, muss bei dieser rasanten Entwicklung ganz vorne mit dabei sein. In Deutschland ist oft die Meinung zu hören, wir fielen im internationalen Konkurrenzkampf gegen die USA oder China hoffnungslos zurück, die Zukunft sähe also düster aus. Blickt man auf den Bereich der sozialen Netzwerke ebenso wie auf den B2C-Bereich, in dem die digitalen Endgeräte ausschlaggebend sind, dann ist der Eindruck zurzeit leider richtig. Facebook, Google und Apple sind amerikanisch, Huawei und TikTok chinesisch.

Schaut man dagegen auf den B2B-Bereich kommt man zu einem ganz anderen Ergebnis. Deutschland ist hier nicht abgehängt und nicht einmal in der Position des Verfolgers – Deutschland ist absolute Spitze. Bei der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz, Robotic und Automatisierung sind wir sehr stark. Das liegt an unserem starken und erfolgreichen industriellen Mittelstand, der eine große Innovationskraft an den Tag legt, die auf der Welt ihresgleichen sucht. Im deutschen Maschinenbau und in der industriellen Produktion fallen Unmengen des Rohstoffs an, der im digitalen Zeitalter eine überragende Rolle spielt: Daten. Anders als bei den Endgeräten oder den sozialen Netzwerken laufen wir in der Industrie daher nicht den Standards hinterher, sondern haben diese bisher geprägt. Denn die Erfahrung zeigt, wer Technologie entwickelt und liefert, der setzt eben auch die entsprechenden Standards. Nicht umsonst wird der deutsche Begriff „Industrie 4.0“ für die digitale vernetzte Industrie inzwischen weltweit verwendet.

Deutschland hat beste Chancen, seine Stellung auch im KI-Zeitalter zu halten und in Zukunft ganz vorne mit dabei zu sein. Wir müssen diese Chance aber auch nutzen und dürfen bei der Integration von KI-Techniken in unsere Fertigungsprozesse nicht nachlassen, denn die Konkurrenz in den USA, China oder Südkorea schläft nicht. Wir müssen erstens weiter in die KI-Grundlagenforschung – zweifellos eine deutsche Stärke – investieren und zweitens die Innovationskraft des Mittelstands durch den Transfer der Forschungsergebnisse in die erfolgreichen deutschen Industrieprodukte nachhaltig stärken. Dafür dringend notwendig ist der zügige und zielgerichtete Ausbau der Infrastruktur, allen voran des 5G-Netzes. Die Wirtschaft hat das längst begriffen, die Politik ist jedoch an manchen Stellen noch zu zögerlich. So können die heutigen deutschen Stärken, die sehr gute KI-Grundlagenforschung und KI-Ausbildung, ein starker Mittelstand und die Industrie, zum Beispiel in der kollaborativen Robotik, auch in Zukunft dabei helfen, den Wohlstand in Deutschland zu sichern.

Von Antonio Krüger, CEO des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI)

23. Dez 2025

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Gesellschaft

Warum es so wichtig ist, konsequent nachhaltig zu bauen – Ein Beitrag von Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand DGNB e.V.

Nachhaltiges Bauen bedeutet weit mehr als energieeffiziente Gebäude oder den Einsatz ökologischer Materialien. Es beschreibt einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Gebäude über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg betrachtet werden: von der Planung über den Bau und die Nutzung bis hin zu Umbaumaßnahmen oder den Rückbau. Ziel ist es, Umweltbelastungen zu minimieren, Ressourcen zu schonen, Menschen gesunde und lebenswerte Räume zu bieten und gleichzeitig wirtschaftlich sinnvolle Lösungen zu schaffen. Stand heute ist der Bausektor nach wie vor für einen erheblichen Teil der globalen CO2-Emissionen, den Verbrauch natürlicher Ressourcen und den zunehmenden Verlust der Biodiversität verantwortlich. Gleichzeitig verbringen wir den Großteil unseres Lebens in geschlossenen Räumen, die unser Wohlbefinden stärken sollen, ohne dabei die Zukunft unseres Planeten zu gefährden. Zudem leben immer mehr Menschen in der Stadt. Der Bedarf an attraktiven und dazu noch klimaresilient gestalteten Freiräumen wächst. Nachhaltige Architektur bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um die Klimakrise zu bekämpfen, soziale Gerechtigkeit zu fördern und langfristige wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Wie ein Perspektivwechsel in diese Richtung gelingen kann, zeigen wir noch bis zum 28. Januar 2026 mit der ersten DGNB Ausstellung „What If: A Change of Perspective“ in der Berliner Architekturgalerie Aedes. Die Ausstellung fordert Besucherinnen und Besucher dazu auf, gewohnte Denkmuster zu hinterfragen und die Themenvielfalt des nachhaltigen Bauens neu und unvoreingenommen auf sich wirken zu lassen. >Nachhaltige Architektur bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um die Klimakrise zu bekämpfen, soziale Gerechtigkeit zu fördern und langfristige wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Anhand gebauter Beispiele wird deutlich, dass viele Lösungen bereits existieren. So erfährt der Besuchende anschaulich, wie Gebäude klima- und ressourcenschonend geplant werden können, indem Materialien im Kreislauf geführt, Energie effizient genutzt oder sogar erzeugt wird und der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes berücksichtigt bleibt. Ebenso thematisiert werden Klimaanpassung und Resilienz: durch kluge Gestaltung, Begrünung und Freiräume können Gebäude und Städte besser mit Hitze, Starkregen oder Trockenperioden umgehen. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Menschen. Nachhaltiges Bauen stellt das Wohlbefinden, die Gesundheit und das soziale Miteinander in den Mittelpunkt. Architektur kann Begegnung fördern, Identität stiften und bezahlbaren Wohnraum schaffen, ohne dabei die Umwelt aus dem Blick zu verlieren. Auch der verantwortungsvolle Umgang mit bestehenden Gebäuden spielt eine zentrale Rolle. Sanieren, Umnutzen und Weiterbauen im Bestand werden als Strategien gezeigt, um Flächen zu schützen und Ressourcen zu sparen. Nicht zuletzt wird klar, dass Nachhaltigkeit keine Kostenspirale sein muss. Ganzheitlich geplante Gebäude sind oft wirtschaftlicher, weil sie langfristig Betriebskosten senken, Risiken minimieren und ihren Wert erhalten oder steigern. Nachhaltiges Bauen ist kein abstraktes Expertenthema und schon gar keine Zukunftsvision, sondern eine konkrete Chance. Für lebenswerte Städte, für gesunde Räume und für eine gebaute Umwelt, die den Herausforderungen unserer Zeit gewachsen ist. Als inhaltlich getriebener Non-Profit-Verein begreifen wir das nachhaltige Bauen seit unserer Gründung vor 18 Jahren als gesellschaftliche Aufgabe, nach der wir unser Handeln ausrichten. Mit der Ausstellung laden wir jeden einzelnen ein, genauer hinzusehen, weiterzudenken und selbst Teil des Wandels zu werden. Weitere Informationen gibt es unter www.dgnb.de/aedes