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28. Jan 2026

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Gesellschaft

Wie Hochschulen in Zukunft funktionieren – mit Professor Dr. Dr. h.c. Lambert T. Koch, Präsident des Deutschen Hochschulverbands

Journalist: Karin Kudla

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Foto: Bergische Universität, Dom Fu/unsplash

Künstliche Intelligenz, Sparmaßnahmen und die schwierige weltpolitische Lage stellen die Hochschulen vor Herausforderungen. Doch es gibt auch Chancen.

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Professor Dr. Dr. h.c. Lambert T. Koch, Präsident des Deutschen Hochschulverbands

Professor Dr. Dr. h.c. Lambert T. Koch, Präsident des Deutschen Hochschulverbands, der Berufsvertretung der Wissenschaftler, erklärt im Interview, vor welchen Herausforderungen die deutschen Hochschulen stehen und wie sie mit neuer Stärke aus diesen hervorgehen können.

Warum sind die Hochschulen für den Standort Deutschland so wichtig? Unsere Hochschulen sichern mittels Forschung, Lehre und Transfer die Innovationskraft und damit Zukunftsfähigkeit Deutschland. Sie bilden die Fach- und Führungskräfte aus, die morgen Verantwortung in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft übernehmen. Grundlage dafür ist die Wissenschaftsfreiheit: Sie erlaubt unabhängiges Denken und begünstig damit mutige neue Lösungen.

Was sind die künftigen Erfolgsfaktoren für Hochschulen? Hochschulen bleiben erfolgreich, wenn sie Orte intellektueller Neugier und offener Auseinandersetzung sind. Sie müssen sich flexibel auf neue wissenschaftliche Fragen, Lernformen und Technologien einstellen. Dazu gehören gute Betreuung, internationale Vernetzung und der kluge Einsatz von KI-Werkzeugen – immer als Hilfe, nie als Ersatz für eigenes Denken.

Hochschulen bleiben erfolgreich, wenn sie Orte intellektueller Neugier und offener Auseinandersetzung sind.

Wie verändert KI die Lehre – und die Prüfungen? KI-Werkzeuge bereichern Lehre und Lernen, stellen das Prüfungswesen aber vor neue Herausforderungen. Prüfungen müssen weiterhin Chancengleichheit sichern und Täuschungsversuche erschweren. Die klassische Hausarbeit etwa wird nicht verschwinden, aber stärker zu ergänzen sein durch mündliche, praxisnahe und lernbegleitende Formate.

Ist eine Zivilklausel in Zeiten wachsender Bedrohungen noch opportun? Zivilklauseln sind gut gemeint, aber kein geeignetes Instrument. Sie beschränken Forschung und verhindern, dass sicherheitsrelevante Technologien entwickelt und zivil genutzt werden. Gerade in der sicherheitspolitischen Zeitenwende erschweren sie zudem den verfassungsrechtlich gebotenen Verteidigungsauftrag.

Wie können Hochschulen sich finanzieren, wenn staatliche Mittel knapper werden? Die Hoffnung, dass Politik in Zeiten knapper Kassen Prioritäten zugunsten von Bildung und Forschung setzt, haben sich bislang nicht erfüllt. Insofern müssen Hochschulen verstärkt alternative Finanzquellen einbeziehen. Dazu gehören vor allem auch Kooperationen mit der Wirtschaft, sofern sie die Freiheit und Unabhängigkeit von Forschung und Lehre respektieren.

Welche Karrierewege gibt es künftig für den wissenschaftlichen Nachwuchs? Um sich exzellenten Nachwuchs für die Wissenschaft zu sichern, müssen wissenschaftliche Karrieren planbarer und attraktiver werden. Der Weg über Tenure-Track-Professuren, die in der Regel in eine Lebenszeitstelle münden, ist richtig und sollte ausgebaut werden. Außerdem brauchen wir lukrative Dauerstellen mit Entwicklungsoptionen auch unterhalb der Professur.

Um sich exzellenten Nachwuchs für die Wissenschaft zu sichern, müssen wissenschaftliche Karrieren planbarer und attraktiver werden.

Factbox:

Der Deutsche Hochschulverband feiert sein 75. Jubiläum. In der in Bonn ansässigen Organisation sind mehr als 33.900 Wissenschaftler vom Postdoc an aufwärts Mitglied. Der Verband bietet Informationen, Beratung und Fortbildungen und eine aktive Interessenvertretung gegenüber Staat und Gesellschaft.

2. Jul 2026

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Gesellschaft

Deutschland in einer neuen sicherheitspolitischen Realität – Ein Beitrag von Dr. Hans Christoph Atzpodien, Hauptgeschäftsführer, BDSV

Liebe Leserinnen und Leser, „Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind auch nicht mehr im Frieden“. Diesen Satz des Generalinspekteurs Carsten Breuer haben sich inzwischen auch Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius zu eigen gemacht. Er beschreibt eine neue sicherheitspolitische Realität, mit der wir uns auch im fünften Kriegsjahr der russischen Vollinvasion auf die Ukraine konfrontiert sehen und die Grundlage für unser sicherheitspolitisches Handeln sein muss. Der Zwischenzustand, der unserem Land damit attestiert wird, ist in dieser Form im Grundgesetz jedenfalls nicht vorgesehen. Unsere Verfassung unterscheidet zwischen Friedenszustand, dem Spannungsfall als Vorstufe des Verteidigungsfalls, die bereits die Anwendung bestimmter Notstandsrechtsvorschriften ermöglicht und dem eigentlichen Verteidigungsfall. Letzterer tritt nach Artikel 115a Grundgesetz dann ein, wenn das Staatsgebiet mit Waffengewalt angegriffen wird oder ein solcher Angriff unmittelbar droht. Nach Analysen der NATO besteht das Ziel, unsere Streitkräfte spätestens bis zum Jahr 2029 rundherum abschreckungs- und verteidigungsfähig auszustatten. Dieses Ziel muss darüber hinaus mit einer umfassenden Befähigung zur Gesamtverteidigung im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Resilienz einhergehen. Schon heute erleben wir ständige hybride Angriffe in der Form von Drohnenüberflügen, Cyber-Attacken oder Desinformationskampagnen, die bestimmten staatlichen Akteuren zugeordnet werden. >Nach Analysen der NATO besteht das Ziel, unsere Streitkräfte spätestens bis zum Jahr 2029 rundherum abschreckungs- und verteidigungsfähig auszustatten. Hieraus ergeben sich zweierlei Schlussfolgerungen: Erstens: Um unserem Beitrag in diesem Prozess – wie der NATO versprochen – zu erfüllen, wollen wir schon im Jahr 2029 ca. 3,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Verteidigung sowie perspektivisch weitere 1,5 % des BIP für militärisch-relevante Infrastrukturmaßnahmen ausgeben. Rechnet man diese Ausgaben zusammen, so machen diese im Jahr 2029 40 % unseres Bundeshaushaltes aus. Allein in den Verteidigungsbudgets der Jahre 2025 bis 2029 sind kumuliert ca. 200 Milliarden Euro nur für Rüstungsausgaben geplant. Kurz: Es geht also um gewaltige Summen, die unsere Volkswirtschaft als Ganzes fordern. Zweitens benötigen wir ein umfassendes Verständnis der Sicherheits- und Resilienz-Notwendigkeiten in unserer Gesellschaft. Die Gewährleistung von Sicherheit ist die zentrale Querschnittsaufgabe unserer Zeit, die jeden und jede von uns betrifft: im Bevölkerungsschutz, beim Schutz kritischer Infrastrukturen, über Bedrohungen zu Lande, zu Wasser, in der Luft sowie im Cyberraum. Jeder Sektor ist gefragt, hier einen Beitrag leisten. In der Politik schließlich müssen diese Anstrengungen koordiniert und verzahnt werden. Dokumente wie die Nationale Sicherheitsstrategie oder die unlängst vorgestellte Militärstrategie sind der notwendige Ausfluss dieser Anstrengungen. Im BDSV wird dieser umfassende Sicherheitsbegriff seit unserer Gründung im Jahr 2009 konsequent gelebt. In unserem Verband sind alle Ausrüster staatlicher Sicherheitsbehörden willkommen und vereint. Über die Plattform SVI-Connect, die wir gemeinsam mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik ins Leben gerufen haben, leisten wir seit Jahresbeginn zudem einen Beitrag zur Verzahnung klassischer Rüstungsunternehmen mit neuen, bislang überwiegend zivilen Zulieferern – zum Vorteil beider Seiten. Nicht zuletzt deshalb ist Deutschland auf gutem Weg, seine selbstgesteckten Ziele in der Zeitenwende zu erreichen. Die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie tut alles in ihrer Macht Stehende, um hier ihren Beitrag zu leisten.