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29. Sep 2026

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Wirtschaft

„Wir müssen die Kettensäge ansetzen“ – mit Dr. Alexander Gosten

Journalist: Armin Fuhrer

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Foto: Elbert Lora/unsplash, Presse

Kreislaufwirtschaft ist ein wichtiger Bestandteil beim Ausbau der wirtschaftlichen Unabhängigkeit – aber es gibt zu viele bürokratische Hürden.

Herr Dr. Gosten, Deutschland ist bei vielen kritischen Rohstoffen, etwa Seltenen Erden, fast vollständig von Importen abhängig. Wie krisenfest ist unsere aktuelle Rohstoffstrategie angesichts der weltpolitischen Lage? Wir hatten in Deutschland früher, politisch gewollt, einen sogenannten „Drittelmix“ für die Energieversorgung und die klare Vorgabe, aus keinem Land mehr als einen bestimmten Prozentsatz zu importieren. Deutschland hielt zahlreiche Beteiligungen an Bergwerken im Ausland. Dieser Pfad wurde in den Neunzigerjahren verlassen, obwohl die BGR (Bundesanstalt für Geowissenschaften) auf die Risiken hingewiesen hat. Als Folge des „Shareholder Value“ wurde vermeintlich nicht betriebsnotwendiges Vermögen an ausländischen Bergwerken verkauft. Während wir unsere Bilanzen schlanker machten, beschloss China bereits unter Deng Xiaoping, weltweit Einfluss auf jede wichtige Lieferkette zu nehmen. Heute wissen wir, dass diese Entwicklung hochgradig gefährlich ist und uns erpressbar macht.

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Dr. Alexander Gosten, Vorstandssprecher der DGAW (Deutsche Gesellschaft für Abfall- und Kreislaufwirtschaft e. V.)

Könnte die Kreislaufwirtschaft hier die Wende bringen? Nach Auffassung der DGAW ist sie ist ein wichtiger Baustein, aber keine alleinige Lösung. Wir produzieren in Deutschland seit Jahrzehnten konstant über 400 Millionen Tonnen Abfall pro Jahr. Dem steht ein Rohstoffeinsatz von 2,5 Milliarden Tonnen gegenüber. Selbst wenn wir alles perfekt recyceln und wieder in den Wirtschaftskreislauf integrieren würden, was physikalisch und chemisch unmöglich ist, könnten wir unseren Bedarf nicht annähernd decken.

Woran scheitert eine konsequentere Umsetzung der Kreislaufwirtschaft in der Industrie? Es gibt massive Hürden im Umweltrecht. An Sekundärrohstoffe und den Umgang mit ihnen werden deutlich höhere Anforderungen als bei Primärrohstoffen gestellt. Die DGAW hat bereits 2009 darauf hingewiesen, dass der Recyclingbegriff keinen Bezug dazu hat, ob die statistisch recycelten Abfälle wieder dem Wirtschaftskreislauf zugeführt werden. Zudem fehlt es uns für viele kritische Rohstoffe inzwischen an einer industriellen Infrastruktur. Während wir z. B. im E-Schrott-Sammeln gut sind, gibt es in ganz Europa nur noch wenige Betriebe, die kritische Metalle tatsächlich in hoher Qualität zurückgewinnen können.

Vor allem müssen wir die Kreislaufwirtschaft aus dem Umweltrecht ins Wirtschaftsrecht überführen.

Ist China auch an dieser Stelle dominanter? China bietet Stoffe zu Preisen an, bei denen deutsche Betriebe nicht wettbewerbsfähig sind. Wir erleben gerade z. B. beim Kunststoffrecycling ein Desaster: Es kommen günstige und saubere Kunststoffe aus China, die als Recyclingware deklariert sind. In der Folge schließen hierzulande Recyclinganlagen.

Was muss sich politisch ändern? Wir brauchen ein radikales Umdenken bei den Prioritäten. Kreislaufwirtschaft muss als nationale Aufgabe zum Erhalt des Industriestandortes begriffen werden. Die Kosten müssen als eine „Versicherungsprämie“ wie seinerzeit der Kohlepfennig begriffen werden. Vor allem müssen wir die Kreislaufwirtschaft aus dem Umweltrecht ins Wirtschaftsrecht überführen. Wenn wir die Fesseln nicht mit der „Kettensäge“ durchtrennen und Projekte der Kreislaufwirtschaft schneller umsetzen, werden wir im Wettbewerb dauerhaft zurückfallen.

Fakten

Beim Recycling von Papier, Glas, Schrott und Bauschutt ist Deutschland inzwischen erfolgreich. Dagegen gibt es bei Kunststoffen und Technologiemetallen noch einen hohen Nachholbedarf. Die Bundesregierung strebt im Rahmen der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) an, die Zirkularitätsrate in den nächsten Jahrzehnten auf über 30 % zu steigern.

29. Sep 2026

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Wirtschaft

Energiekurs Deutschland – Ein Beitrag von Tim Meyer, Energieexperte, Speaker und Berater

Wer heute erfolgreich durch die Energiewelt navigieren will, kommt mit alten Landkarten nicht weit. Zum einen hat sich die geopolitische Tektonik verschoben: Spätestens seit 2021 wissen wir, dass Versorgungssicherheit über Erdgas nur noch mit hohen Kosten und Preisrisiken zu haben ist – seit dem Konflikt an der Straße von Hormus gilt das auch für Kraftstoffe. Wichtiger noch: Die Welt steckt in einer elektrotechnologischen Revolution, die weit über die Energieversorgung hinausreicht. Mobilität, Wärme, industrielle Prozesse und die Fertigung von morgen werden weitgehend elektrisch. Die Märkte haben sich bereits massiv verschoben – nicht nur die deutsche Autoindustrie leidet unter Absatzverlusten einst erfolgreicher Produkte. Treiber ist der globale Boom bei erneuerbaren Energien: Mit ihnen ist Strom so günstig und verfügbar wie nie, und der Preisverfall bei Batteriespeichern gleicht Schwankungen von Wind, Sonne und Verbrauch immer besser aus. Ergebnis: Allein in diese Technologien und den Ausbau der Stromnetze fließen weltweit Investitionen von über 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr – etwa fünfmal so viel wie in neue Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke. Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. So anstrengend diese Gleichzeitigkeit wirkt: Für Menschen und Unternehmen in Deutschland liegen darin große Chancen. Zwei Dinge sind gewiss: Erstens gibt es kein Zurück – geopolitische Spannungen verschwinden nicht, und der technologische Fortschritt bei Clean Tech lässt sich nicht zurückdrehen. Zweitens sind diese Entwicklungen global: Technologien, die wir ohnehin für den Heimatmarkt entwickeln müssen, sind weltweit gefragt und können zur zentralen Säule des dringend nötigen wirtschaftlichen Aufschwungs werden. >Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. Umgekehrt gilt: Wer an alten Plänen und alter Technologie festhält – und sei es neu verpackt als „hocheffiziente Verbrenner“ oder „Grüngas“ –, landet auf dem wirtschaftlichen Abstellgleis. Industrielle Revolutionen kann man nicht aufhalten. Man kann sich nur entscheiden, auf der Gewinner- oder Verliererseite stehen zu wollen. China macht das seit Jahren zur Industriepolitik: vom Abnehmer deutscher Maschinen zum aggressiven Wettbewerber, inklusive Sicherung von Rohstoffen und Lieferketten. Heute ist China globaler Marktführer bei Wind- und Solarenergie, Batterietechnik und E-Mobilität – weitere Angriffe auf deutsche Märkte sind angekündigt, auch bei Wärmepumpen. Es gilt also, aus der Not eine Tugend zu machen: Absicherung gegen fossile Preisrisiken, Investition in Zukunftsmärkte, europäische Resilienz und Klimaschutz sind dabei ein und dasselbe. Die Politik muss diese neue Realität in eine verständliche Energielandkarte übersetzen: Elektrifizierung unserer Volkswirtschaft als verankertes Ziel, politisch gemanagt und mit Investitionen hinterlegt – vor allem durch schnellere Modernisierung der Energieinfrastruktur, also Digitalisierung, effizientere Organisation und Ausbau der Stromnetze. Doch auch ohne den großen politischen Wurf gibt es Lösungen, die sich schon heute lohnen und in die unternehmerische Zukunft weisen. „Energiekurs Deutschland“ zeigt diese Richtungen auf. Je mehr Unternehmen sie jetzt nutzen, desto mehr profitiert die Allgemeinheit – denn Deutschland hat alle Voraussetzungen, sich neu zu erfinden. Wir müssen es nur wollen und anpacken.