30. Jun 2026
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Gesellschaft
Journalist: Julia Butz
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Foto: Presse, Toa Heftiba/unsplash+
Seit 1995 eine Institution der Barkultur: Die Green Door Bar in Berlin kombiniert nostalgischen Charme mit moderner Mixologie.

Maria Gorbatschova, Barmanagerin der Green Door Bar und Bartenderin des Jahres 2025
Der Einstieg ins Berufsleben sei „recht smooth“ gewesen, erzählt Maria Gorbatschova, Barmanagerin der Green Door Bar und Bartenderin des Jahres 2025. Schon zu Studienzeiten managte sie parallel eine Bar, ihre Abschlussarbeit im Bereich Design widmete sie Cocktailgläsern. Danach arbeitete sie projektweise in der Branche, betreute Bar-Pop-ups, konzipierte Mixologie-Workshops oder begleitete Werbedrehs für Spirituosenmarken. Ein Einstieg in die Arbeitswelt, der ihr früh zeigte, wie viel Freiheit, Selbstwirksamkeit und Kreativität in diesem Beruf stecken können. Maria Gorbatschova beschreibt sich als jemand mit feiner Sensorik, der gern Gastgeber ist und Aromen intuitiv kombiniere. Vieles habe sie sich selbst beigebracht, durch Fachliteratur, durch Ausprobieren, durch Neugier.
Wir arbeiten gern mit Spirituosen, die etwas in Vergessenheit geraten sind.
Der meistverkaufte Drink in der Green Door Bar ist ein Sour mit Irish Whiskey, Vogelbeerbrand und Mandarinengeist. Ein Beispiel dafür, wie leicht angestaubte Kategorien wieder zum Leben erweckt werden. „Wir arbeiten gern mit traditionsreichen Spirituosen, die völlig unbegründet etwas in Vergessenheit geraten sind. Sherry, Madeira, Brände, auch mal Armagnac oder Genever,“ sagt Maria Gorbatschova. Das Publikum komme gezielt, um Neues zu probieren, während der Gesamtmarkt eher andere Vorlieben habe: „Gin und Agavenspirituosen laufen im Allgemeinen sehr gut, gerade bei Tequila und Mezcal konnte man über Jahre hinweg eine wachsende Nachfrage verzeichnen.“ Die Karte der Green Door aber setzt klar auf Eigenkreationen: Rund 90 Prozent der Bestellungen entfallen auf Signature Drinks. Klassiker wie Negroni, Dry Martini oder Margarita würden vor allem von den Stammgästen der über 30 Jahre alten Bar bestellt, erklärt die Barchefin. Der Großteil des Publikums interessiere sich für neue Ideen. Fast jeder Drink auf der Karte enthält dabei eine ungewöhnliche Zutat, gearbeitet wird mit verschiedenen Fermentationstechniken, Hydrosolen oder selbst karbonisierten Drinks. Wildgesammeltes und Frisches vom Markt liefern die Inspiration: „Zutaten wie Morcheln, Bergamotten, Kardamom-Pflanzen oder Kumquat-Blätter catchen mich sehr viel mehr, als einen Whiskey Sour mit Himbeersirup zu machen,“ so Gorbatschova.
Das Publikum kommt gezielt, um Neues zu probieren, der Gesamtmarkt aber hat andere Vorlieben.
Bei der Frage nach Auszeichnungen bleibt sie entspannt. Durch den Titel „Bartender des Jahres“, den sie als erste Frau gewann, habe sie sich nicht anders gefühlt als zuvor, aber „was einen natürlich wahnsinnig freut, ist die Anerkennung durch Fachkollegen, die über diese Preise abstimmen.“ Und es sei nicht von der Hand zu weisen, dass Awards wirtschaftlich einen Unterschied machen. Das Green Door ist zweimal in Folge „Bar des Jahres“, das Team zum „Barteam des Jahres“ gewählt worden. Entsprechend voll ist es und die Kooperations- und Presseanfragen häufen sich. „Eine schöne Wertschätzung“, so die Barmanagerin, „auch wenn es mich überrascht, dass meine Arbeit so viel Resonanz hervorruft.“
Wenn man sie nicht hinter der Theke trifft, arbeitet Maria Gorbatschova im Educational Board des Bar Convents Berlin, hält Fachvorträge, hostet den Podcast „Behind Bars“ oder schreibt im Fachmagazin Mixology eine Kolumne, in der sie mit Fachkollegen blind Spirituosen verkostet.
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