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2. Jul 2026

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Wirtschaft

„Bei physischen Angriffen große Defizite“–mit Prof. Dennis-Kenji Kipker, Cyberintelligence Institute

Journalist: Armin Fuhrer

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Foto: Cyberintelligence Institute, Curated Lifestyle/unsplash

Während Deutschland gegen Cyber-Attacken inzwischen gut aufgestellt ist, gibt es beim Schutz der analogen Infrastruktur noch großen Nachholbedarf.

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Prof. Dennis-Kenji Kipker, Cyberintelligence Institute

Die Bedrohung durch hybride Angriffe hat unzweifelhaft zugenommen, wie Studien verschiedener Sicherheitsbehörden belegen. Zudem hat sich in den vergangenen Jahren, seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine, die Qualität solcher Angriffe verändert. Inzwischen handelt es sich nicht mehr ausschließlich um isolierte Hackerangriffe – heute werden oftmals koordinierte Kampagnen, die aus Cyber-Attacken und physischen Angriffen bestehen, gestartet. Beispiele dafür sind der Anschlag auf das Berliner Stromnetz vom Januar diesen Jahres oder Anschläge auf die Bahn. „Diese Beispiele zeigen, dass es sich bei den Angreifern nicht ausschließlich um staatliche Akteure handelt, sondern auch um Kriminelle“, sagt Professor Dennis-Kenji Kipker vom Cyberintelligence Institute.

Herr Kipker, aber bestimmte Staaten spielen gleichwohl eine große Rolle bei den hybriden Angriffen auf deutsche Einrichtungen, oder? Ganz ohne Zweifel. Es gibt insbesondere vier staatliche Hauptakteure. Mit großem Abstand führend ist Russland. Den Russen kommt es dabei vor allem auf die mediale Wirkkraft an – man will den Menschen in Deutschland und anderen EU-Staaten zeigen, wie verwundbar ihre Infrastruktur ist. Das soll Unsicherheit und Angst erzeugen. China dagegen geht es vor allem um Wirtschaftsspionage. Das Land verfolgt daher eine sehr aggressive Cyberstrategie. Es geht um das illegale Abgreifen von Wissen, Technologie und auch politischen Geheimnissen. Daneben fallen vor allem der Iran und Nordkorea auf. In den meisten Fällen werden Verschleierungstaktiken angewendet, das bedeutet, dass staatliche Stellen bewusst nichtstaatliche Stellvertreter einsetzen.

Wer ist denn von solchen Angriffen besonders betroffen? Im Fokus stehen vor allem alle Einrichtungen der kritischen Infrastruktur, also zum Beispiel die Gas-, Strom-, Wärme- und Abwassernetze, die Trinkwasserversorgung. Daneben auch das Gesundheitswesen, die Bereiche Verkehr und Logistik, Behörden. Auch Unternehmen gehören dazu.

Inwieweit ist Deutschland gegen diese hybride Bedrohung gewappnet? Was die Cyberattacken betrifft, sind wir inzwischen mittlerweile besser aufgestellt. Anders sieht bei den physischen Angriffen aus – hier gibt es große Defizite. Wir sind hier in den vergangenen Jahren ziemlich von der Entwicklung überrollt worden – Stichwort Drohnen. An dieser Stelle muss also noch sehr viel getan werden.

Zum Beispiel? Unter anderem müssen wir eine effiziente nationale Koordination der Gegenmaßnahmen durch den Bund und die Länder auf- und Doppelstrukturen abbauen. Ein sehr wichtiges Stichwort lautet Redundanz. Wir müssen uns also genau anschauen, welches die kritischen Assets sind, mit denen wir täglich arbeiten und was passiert, wenn sie nicht mehr funktionieren. Vieles muss automatisiert werden und auch KI wird eine zunehmend größere Rolle bei der Abwehr spielen.

Wie schätzen Sie die nähere Zukunft ein? Noch wären wir in einer richtigen Notfalllage nicht wirklich einsatzbereit. Der Handlungsdruck ist sehr groß. Die nächsten zwölf bis 24 Monate werden entscheidend sein.

Zitat: Der Handlungsdruck ist sehr groß. Die nächsten zwölf bis 24 Monate werden entscheidend sein.

Factbox

Eine große Gefahr stellen sogenannte Distributed-Denial-of-Service-Angriffe (DDoS) dar, die den unmittelbaren Stillstand der IT-Infrastruktur zur Folge haben und damit zu existenziellen Risiken führen können. „Ich glaube, es hat noch nie so viele solcher Angriffe gegeben wie in der jüngsten Zeit“, sagt Dennis-Kenji Kipker.

29. Sep 2026

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Wirtschaft

Energiekurs Deutschland – Ein Beitrag von Tim Meyer, Energieexperte, Speaker und Berater

Wer heute erfolgreich durch die Energiewelt navigieren will, kommt mit alten Landkarten nicht weit. Zum einen hat sich die geopolitische Tektonik verschoben: Spätestens seit 2021 wissen wir, dass Versorgungssicherheit über Erdgas nur noch mit hohen Kosten und Preisrisiken zu haben ist – seit dem Konflikt an der Straße von Hormus gilt das auch für Kraftstoffe. Wichtiger noch: Die Welt steckt in einer elektrotechnologischen Revolution, die weit über die Energieversorgung hinausreicht. Mobilität, Wärme, industrielle Prozesse und die Fertigung von morgen werden weitgehend elektrisch. Die Märkte haben sich bereits massiv verschoben – nicht nur die deutsche Autoindustrie leidet unter Absatzverlusten einst erfolgreicher Produkte. Treiber ist der globale Boom bei erneuerbaren Energien: Mit ihnen ist Strom so günstig und verfügbar wie nie, und der Preisverfall bei Batteriespeichern gleicht Schwankungen von Wind, Sonne und Verbrauch immer besser aus. Ergebnis: Allein in diese Technologien und den Ausbau der Stromnetze fließen weltweit Investitionen von über 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr – etwa fünfmal so viel wie in neue Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke. Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. So anstrengend diese Gleichzeitigkeit wirkt: Für Menschen und Unternehmen in Deutschland liegen darin große Chancen. Zwei Dinge sind gewiss: Erstens gibt es kein Zurück – geopolitische Spannungen verschwinden nicht, und der technologische Fortschritt bei Clean Tech lässt sich nicht zurückdrehen. Zweitens sind diese Entwicklungen global: Technologien, die wir ohnehin für den Heimatmarkt entwickeln müssen, sind weltweit gefragt und können zur zentralen Säule des dringend nötigen wirtschaftlichen Aufschwungs werden. >Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. Umgekehrt gilt: Wer an alten Plänen und alter Technologie festhält – und sei es neu verpackt als „hocheffiziente Verbrenner“ oder „Grüngas“ –, landet auf dem wirtschaftlichen Abstellgleis. Industrielle Revolutionen kann man nicht aufhalten. Man kann sich nur entscheiden, auf der Gewinner- oder Verliererseite stehen zu wollen. China macht das seit Jahren zur Industriepolitik: vom Abnehmer deutscher Maschinen zum aggressiven Wettbewerber, inklusive Sicherung von Rohstoffen und Lieferketten. Heute ist China globaler Marktführer bei Wind- und Solarenergie, Batterietechnik und E-Mobilität – weitere Angriffe auf deutsche Märkte sind angekündigt, auch bei Wärmepumpen. Es gilt also, aus der Not eine Tugend zu machen: Absicherung gegen fossile Preisrisiken, Investition in Zukunftsmärkte, europäische Resilienz und Klimaschutz sind dabei ein und dasselbe. Die Politik muss diese neue Realität in eine verständliche Energielandkarte übersetzen: Elektrifizierung unserer Volkswirtschaft als verankertes Ziel, politisch gemanagt und mit Investitionen hinterlegt – vor allem durch schnellere Modernisierung der Energieinfrastruktur, also Digitalisierung, effizientere Organisation und Ausbau der Stromnetze. Doch auch ohne den großen politischen Wurf gibt es Lösungen, die sich schon heute lohnen und in die unternehmerische Zukunft weisen. „Energiekurs Deutschland“ zeigt diese Richtungen auf. Je mehr Unternehmen sie jetzt nutzen, desto mehr profitiert die Allgemeinheit – denn Deutschland hat alle Voraussetzungen, sich neu zu erfinden. Wir müssen es nur wollen und anpacken.