Diesen Artikel teilen:

4. Mär 2022

|

Business

„Campus-Netze sind eine technische Überholspur für 5G“

Journalist: Thomas Soltau

|

Foto: firmbee.com/unsplash

Bei der digitalen Transformation gilt Deutschland sicherlich nicht als internationaler Taktgeber. Das Fraunhofer-Institut FOKUS versucht, den digitalen Wandel zu beschleunigen. Wissenschaftler wie Professor Dr. Thomas Magedanz arbeiten an der Optimierung von 5G für sogenannte Campus-Netze, also lokale, nicht-öffentliche Netze. Das Ziel: Das passende Netz je nach Anwendung. Denn die Anforderungen hinsichtlich Sicherheit, Latenz und Datendurchsatz variieren. Mit einem Campusnetz auf dem Fabrikgelände sollen sich etwa Maschinen miteinander ausfallsicher vernetzen sowie Produktionsprozesse in Echtzeit getaktet werden. Diese Optimierun-gen treiben die 5G-Evolution bis hin zu 6G.

ngni-thomas-magedanz-plum-02-quadrat.jpg

Prof. Dr. Thomas Magedanz, Leiter des Geschäftsbereichs Software-based Networks (NGNI) bei Fraunhofer FOKUS; Foto: Presse

Herr Professor Magedanz, laut Ericsson Mobility Report 2021 ist in den kommenden fünf Jahren vor allem in Nordamerika mit einem rasanten 5GWachstum zur rechnen. Was bedeutet diese Entwicklung – und wie sieht es bei uns aus?

Das ist kein rein nordamerikanisches Phänomen. Vielmehr erfolgt diese Entwicklung analog zu unserer in Westeuropa. 5G startete sehr spät mangels verfügbarer Endgeräte und Produkte. Auf der anderen Seite gab es aber auch ein falsches Erwartungsmanagement seitens der Betreiber und Hersteller. Als Markttreiber der Entwicklung gilt vor allem in den USA FWA, also „Fixed Wireless Accesses“, die als Glasfaser ersatz dienen. In Städten ist „Enhanced Mobile Broadband“, kurz eMBB, für Anwendungen mit hoher Datenübertragung gefragt, wie das Streaming von hochaufgelösten Videos und Virtual Reality. Bis 2027 wird 5G viele Alttechnologien, wie 2G/3G größtenteils substituieren und die Frequenzbereiche dieser Technologien nutzen. Gleichzeitig wird der 5GNetzaufbau weit fortgeschritten und fast alle Endgeräte werden 5Gfähig sein.

5G ist für die digitale Transformation der lang erwartete Heilsbringer. Kann der Mobilfunkstandard diesem Anspruch überhaupt gerecht werden?

Wir befinden uns am Anfang der 5G-Evolution. Für MultimediaAnwendungen werden hohe Übertragungskapazitäten benötigt. Das gelingt mit 5G schon sehr gut. Dennoch muss man differenzieren. Wenn es um das Internet für alle geht, wird kein Hochleistungsnetz rund um die Uhr an jedem Ort gebraucht. Aber gerade die Produktion oder Medizin profitiert von einem leistungsfähigen 5G-Netz. In der Fabrik wird z. B. für die Steuerung von Maschinen ein hochzuverlässiges, sicheres und niedrig latentes Netz benötigt. Dazu gehört der Aufbau einer entsprechenden lokalen Infrastruktur, die die Datenverarbeitung vor Ort ermöglicht, denn für eine EchtzeitKommunikation darf das Rechenzentrum maximal 50 km von der Fabrik entfernt liegen. Außerdem stellt 5G das erste Netz dar, das Softwarebasiert ist. Das ermöglicht anpassbare Netzinfrastrukturen, wie aus einem Legobausteinkasten der Kommunikation. Letztlich ist ein bedarfsgerechter Netzausbau wichtig.

Im FraunhoferInstitut FOKUS forschen Sie an sogenannten 5G-Campus-Netzen zusammen mit der Industrie. Was ist das Besondere daran?

Das FraunhoferInstitut FOKUS baut seit zehn Jahren erfolgreich offene – also herstellerunabhängige, interoperable – Netze. CampusNetze sind eine technische Überholspur für 5G. Isolierte CampusNetze, die vom öffentlichen Mobilfunknetz getrennt operieren, bieten den Inhabern neben der Unterstützung von Echtzeitanwendungen einen wichtigen Vorteil – sie sind frei konfigurierbar – etwa für die speziellen Anforderungen einer Anwendungsdomäne wie Fabrik, Krankenhaus oder Logistikzentrum.

Warum gelten lokale 5G-Frequenzen für private 5G-Campus-Netze als Treiber für Innovationen und vernetzte Produkte?

Erst lokale Frequenzen ermöglichen den „einfachen“ Aufbau von privaten Campusnetzen. 5G soll neben Multimediaanwendungen insbesondere das Industrielle Internet der Dinge unterstützen. Das ist nichts anderes als die digitale Transformation der Wirtschaft. Die Industrie kann so sehr früh neueste Technologien einsetzen, lange bevor der nationale Rollout umgesetzt ist. Die Anforderungen und Erkenntnisse werden in die weltweite 5GStandardisierung einfließen.

Wir sind zwar noch weit davon entfernt, in Deutschland über ein flächende ckendes 5G-Netz zu verfügen. Aber am Nachfolger 6G wird bereits gearbeitet. Was können wir erwarten?

Etwa alle acht bis zehn Jahre entsteht eine neue MobilfunkGeneration. Forschung, Standardisierung und Entwicklung benötigen diesen Zeitraum aufgrund der enormen Komplexität. Erste 5G-Netze entstanden in Asien 2018, der weltweite Rollout erfolgte 2020. Ich schätze, wir können mit ersten 6G-Standards und prototypischen 6G-Netzen in 2028 rechnen, 2030 folgt dann der weltweite Rollout. 6G sehe ich als Evolution von 5G, da der Vorgänger schon ein virtualisiertes modulares Netz für diverse Anwendungen darstellt. Das 5G-Netz wird sich in den kommenden fünf bis sieben Jahren stark weiterentwickeln – da stehen wir erst am Anfang der Revolution. Neu an 6G wird die TerahertzKommunikation sein, die in Innenräumen enorme Bandbreiten, Sensorik und Positionierung kombinieren wird. Zusätzlich wird die verstärkte Integration von nichtterrestrischen Netzen eine Netzabdeckung selbst in entlegensten Orten bieten. Durch die tiefgehende Integration von KI wird ein organisches Netz entstehen, das sich flexibel je nach Anforderung selbständig optimiert.

Fakten
Für Prof. Magedanz verschwimmen Beruf und Hobby. Der Berliner versteht sich als Kosmopolit. Seit 20 Jahren ist Kapstadt seine zweite Heimat. Er hat einen erwachsenen Sohn, fährt eine Harley-Davidson Road King und besitzt den 2. Dan im Karate.

2. Apr 2026

|

Business

Daten als Fundament moderner Wertschöpfung – mit Andreas J. Wagner, Geschäftsführer von SAP Österreich

![Andreas Wagner Atelier Schulte 4 Kopie Onlinejpg.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/Andreas_Wagner_Atelier_Schulte_4_Kopie_Onlinejpg_ba179e5e36.jpg) ``` Andreas J. Wagner, Geschäftsführer von SAP Österreich ``` Moderne Wertschöpfungsnetzwerke bestehen aus eng verknüpften Prozessen in Planung, Beschaffung, Produktion und Logistik. Um diese komplexen Systeme besser steuern zu können, setzen Unternehmen zunehmend auf Plattformen, die Anwendungen, Daten und Prozesse über Organisationsgrenzen hinweg miteinander verbinden. So entstehen gemeinsame Datenräume, in denen Informationen aus unterschiedlichen Bereichen zusammengeführt und analysiert werden können. Zunehmend werden dafür standardisierte Datenprodukte aufgebaut, die Informationen strukturiert bereitstellen und für Analysen nutzbar machen. „Erst, wenn Daten aus verschiedenen Teilen der Wertschöpfung miteinander verknüpft sind, entsteht ein belastbares Gesamtbild“, sagt Andreas J. Wagner, Geschäftsführer von SAP Österreich. Datenmodelle und analytische Systeme helfen dabei, Zusammenhänge sichtbar zu machen und mögliche Handlungsoptionen abzuleiten. „Die Herausforderung liegt heute weniger im Sammeln von Daten als darin, aus ihnen fundierte Entscheidungen zu entwickeln“, so Wagner. >Erst, wenn Daten aus verschiedenen Teilen der Wertschöpfung miteinander verknüpft sind, entsteht ein belastbares Gesamtbild.

2. Apr 2026

|

Business

„Nachhaltigkeit wird zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor“ – mit Michael Rauhofer, Managing Director European Logistics bei DACHSER Austria

![Michael Rauhofer_Büro Online.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/Michael_Rauhofer_Buero_Online_6096b75223.jpg) ``` Michael Rauhofer, Managing Director European Logistics bei DACHSER Austria ``` In der Logistik zahlt sich Nachhaltigkeit für die Unternehmen immer dann aus, wenn sie Kosten stabilisiert, Risiken reduziert und die Effizienz erhöht. Wer Emissionen senkt, reduziert oft auch Energie und Mautkosten und macht seine Lieferketten robuster. Entscheidend ist, Nachhaltigkeit als Business Case zu denken: etwa durch intermodale Konzepte und kombinierte Verkehre, die wirtschaftlich sind und gleichzeitig CO₂ sparen. Nachhaltigkeit ist also kein Klotz am Bein, sondern im Gegenteil: Sie wird zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor. >Nachhaltigkeit ist also kein Klotz am Bein, sondern im Gegenteil: Sie wird zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor. Für Unternehmen sind auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit drei Schritte entscheidend. Erstens Transparenz bei den Daten – etwa über Sendungen, Laufzeiten oder Emissionen. Zweitens eine klare Dekarbonisierungs Roadmap. Das umfasst Flotte, Modal Shift, aber auch die Einbindung von Partnern. Und drittens der verantwortungsvolle Einsatz von Digitalisierung und KI. Das heißt: saubere Daten, klar definierte Anwendungsfälle, geschulte Mitarbeitende und von Anfang an mitgedachte Compliance.

2. Apr 2026

|

Business

Kein Roboter zum Gelddrucken, aber ein starker Wächter: KI bei Banken

Künstliche Intelligenz kann im Bankwesen schon ziemlich viel – aber eigenständig Geld drucken oder wundersam vermehren, das kann sie (noch) nicht. Banken setzen KI heute flächendeckend in mehreren Bereichen ein, allen voran in der Betrugsprävention, wo Fraud Detection mittlerweile Branchenstandard ist. KI-gestützte Systeme analysieren Transaktionen von Kundinnen und Kunden in Echtzeit, erkennen und stoppen auffällige Transaktionen und Zahlungsanweisungen in der Regel sofort, und reagieren innerhalb von Sekunden auf neue Angriffsszenarien. Gerade, weil sich Betrugsmaschen ständig weiterentwickeln, ist die Adaptionsgeschwindigkeit in diesem Bereich besonders hoch. Solche Systeme werden in Zukunft weiter optimiert werden, wodurch Banken Routineaufgaben mehr und mehr automatisieren können. Das eröffnet neue Möglichkeiten für personalisierte Kundenberatung, schnellere Analysen – etwa bei Kreditentscheidungen – und insgesamt bessere Kundenerlebnisse. Banken nutzen KI auch immer öfter, um internes Wissen für ihre Mitarbeitenden zu strukturieren, aufzubereiten und schneller zugänglich zu machen. Ziel ist es, Informationen effizienter zu nutzen und Entscheidungsprozesse zu beschleunigen. Im Vergleich zur Betrugsprävention befindet sich dieser Bereich jedoch noch in einer stärkeren Wachstumsphase, auch wenn die Entwicklung hier aktuell sehr dynamisch verläuft. >Der Mensch muss weiterhin die Kontrolle über kritische Prozesse behalten und klare Grenzen setzen. Es gibt unzählige Anbieter von bankenspezifischer KI. Viele davon decken nur bestimmte Anwendungsfelder ab, weshalb Banken häufig mehrere KI-Systeme parallel einsetzen. Auch, wenn Banken langjährige Erfahrung im Umgang mit sensiblen Daten haben, kann die Auswahl passender KI-Tools herausfordernd sein, denn die Lösungen müssen regelkonform sein, Change Compliance- und Datenschutzrichtlinien beachten, außerdem sollten die Daten innerhalb Europas bleiben und nicht unkontrolliert in andere Rechtsräume fließen. Erhöht KI im Bankwesen nun die Sicherheit – oder eher das Risiko für Betrug und Verlust? Grundsätzlich beides. Denn einerseits verbessert KI die Fähigkeit, Betrug frühzeitig zu erkennen und zu verhindern, andererseits entstehen neue Gefahren, insbesondere durch autonome KI-Agenten. Je mehr Entscheidungsfreiheit diese Systeme erhalten, desto größer ist das Risiko, dass sie Sicherheitsvorgaben umgehen oder manipuliert werden. Deshalb gewinnt das Prinzip „Human in the Loop“ beziehungsweise „Human in the Lead“ an Bedeutung: Der Mensch muss weiterhin die Kontrolle über kritische Prozesse behalten und klare Grenzen setzen. Auch im Finanzmarkt insgesamt sind automatisierte Prozesse kein neues Phänomen. Mechanismen wie algorithmischer Handel oder Stop-Loss-Orders können bereits heute Kettenreaktionen auslösen. KI könnte solche Effekte künftig verstärken, stellt aber nicht die ursprüngliche Ursache dar. Wohin wird sich KI im Bankwesen entwickeln? Eigenständig Geld drucken wird sie hoffentlich niemals – doch sie wird als umfassendes System im Hintergrund immer besser in den Bankenalltag integriert werden. Der Mensch wird im Bankwesen jedoch in zentralen Bereichen immer die Oberhand behalten, besonders bei der letzten Kontrolle und beim direkten Kundenkontakt – denn hier können aufmerksame Bankangestellte besser als jede KI als Sicherheitsschranke wirken, die ihre betagten Kundinnen davor schützen, auffällige Transaktionen hoher Summen vorzunehmen. >Banken nutzen KI auch immer öfter, um internes Wissen für ihre Mitarbeitenden zu strukturieren, aufzubereiten und schneller zugänglich zu machen.

2. Apr 2026

|

Business

Arbeiten im Update-Modus

Die Spielregeln der Wirtschaft verändern sich rasant und mit ihnen die Frage, was Unternehmen heute wirklich erfolgreich macht: Neue Software wird eingeführt, Abläufe werden neu zugeschnitten, Entscheidungen stärker datenbasiert getroffen. Prioritäten verschieben sich spürbar im Tagesgeschäft, neue Produkt- und Serviceverständnisse entstehen und vertraute Routinen lösen sich auf. Hinzu kommen wachsende regulatorische Anforderungen: mehr Nachweise, klarere Regeln im Umgang mit Daten, Systemen und Verträgen. Was bislang informell funktionierte, muss nun sauber dokumentiert sein. Selbst scheinbar alltägliche Schritte im digitalen Raum können plötzlich Compliance-relevant sein. >Selbst scheinbar alltägliche Schritte im digitalen Raum können plötzlich Compliance-relevant sein. In dieser Verdichtung von Veränderungen wird deutlich, wie stark der Arbeitsalltag unter Druck steht. Nicht durch einen großen Umbruch, sondern vielmehr durch die vielen kleinen, kontinuierlichen Veränderungen, die parallel passieren. Und ja – ein großer Teil davon liegt auf den Schultern der Mitarbeitenden. Umso wichtiger ist es, dass klar wird, warum sich Dinge verändern und welche Rolle jede und jeder Einzelne dabei spielt. Erst dann entsteht aus vielen Maßnahmen ein stimmiges Gesamtbild. Wofür war noch gleich die nächste E-Learning-Schulung gut? Warum ist auch das nächste Compliance-Training wirklich wichtig? Die ehrliche Antwort: Weil Lernen heute einfach dazugehört. Nicht als Selbstzweck, sondern damit Orientierung entsteht, Sicherheit wächst und sich Arbeit eben nicht wie ein undurchdringlicher Regel-Dschungel anfühlt. Wenn Klarheit, Verantwortung und Wissen nicht bei Wenigen hängen bleiben, sondern von allen getragen werden, entsteht daraus etwas Positives: ein gemeinsames Verständnis und die Fähigkeit, Veränderungen nicht nur zu bewältigen, sondern aktiv mitzugestalten. >Wenn Klarheit, Verantwortung und Wissen nicht bei Wenigen hängen bleiben, sondern von allen getragen werden, entsteht daraus etwas Positives.