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16. Sep 2026

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Wirtschaft

Der Mittelstand zwischen Bürokratieaufwuchs in Brüssel und Gold-Plating in Berlin – mit Dr. Christoph Wiedenroth, Referent für Europäische Angelegenheiten bei Der Mittelstand. BVMW

Journalist: Jakob Bratsch, BVMW

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Foto: Presse, Kamran Abdullayev/unsplash+

Ein besseres Zusammenspiel zwischen Brüssel und Berlin ist entscheidend für mehr Bürokratieabbau im Mittelstand.

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Dr. Christoph Wiedenroth, Referent für Europäische Angelegenheiten bei Der Mittelstand. BVMW

Kaum ein Thema treibt den Mittelstand so um wie der Bürokratieabbau. Spricht man mit Mittelständlern, wird die hohe bürokratische Belastung häufig noch vor den Energiepreisen oder Personalkosten als derzeit größte Herausforderung beschrieben. Laut dem Normenkontrollrat (NKR) belaufen sich die Bürokratiekosten für die deutsche Wirtschaft auf rund 64 Milliarden Euro jährlich. Allein im Zeitraum 2022 bis 2025 wurden nach Schätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 325.000 Arbeitsplätze in der Wirtschaft neu geschaffen, um bürokratische Anforderungen zu bewältigen. Der Bürokratieaufwuchs trifft dabei besonders kleine Unternehmen und verhindert genau das, was die Wirtschaft aktuell dringend braucht: Weniger Belastung für mehr Wettbewerb.

Der notwendige Bürokratieabbau kann nur erfolgreich sein, wenn alle Akteure das gleiche Ziel verfolgen. Eine entscheidende Stellschraube hierfür ist das Zusammenspiel zwischen europäischer und bundesdeutscher Gesetzgebung. Leider entsteht aktuell der Eindruck, dass gerade hier in gegensätzliche Richtungen gearbeitet wird. So wurden allein im Berichtsjahr 2025 durch die EU-Kommission 1.456 Rechtsakte auf den Weg gebracht, ein Höchstwert der letzten Jahre. Zwar versucht auch Brüssel hier gegenzusteuern, doch der Nutzen dieser Reformbemühungen wird zunehmend kritisch hinterfragt. Auf Bundesebene scheinen hingegen erste Reformbemühungen zu greifen. So ist der Erfüllungsaufwand im Berichtszeitraum Juli 2024 bis Juni 2025 laut NKR leicht um 1 Milliarde Euro gesunken, auch wenn das für viele Unternehmen vor Ort kaum spürbar ist. Soll der Bürokratieabbau in Deutschland jedoch weiter an Fahrt aufnehmen, wird es ohne Brüssel nicht gehen, denn ein hoher Anteil der bürokratischen Mehrbelastung findet dort seinen Ursprung.

Weniger Bürokratie muss zum Wettbewerbsvorteil für den Mittelstand werden.

Gleichzeitig muss auch die Bundesregierung bei der Umsetzung europäischer Gesetze dringend nachsteuern. Zu häufig werden europäische Gesetze in Deutschland besonders streng ausgelegt. Dieses sogenannte Gold-Plating bedeutet für Unternehmen nicht nur einen höheren Erfüllungsaufwand, sondern auch einen Wettbewerbsverlust gegenüber europäischen Konkurrenten und eine weitere Fragmentierung des europäischen Binnenmarkts. Untersuchungen des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft zeigen, dass Gold-Plating häufig nicht zu höheren Schutzstandards führt, sondern die dazugehörigen Umsetzungsverfahren lediglich komplexer macht. Ein Beispiel hierfür ist das „Elektrogesetz“, welches die Inverkehrbringung, Rücknahme und Entsorgung von Elektro- und Elektronikgeräten in Unternehmen regelt. Obwohl die EU-Richtlinie nur eine regelmäßige, weit gefasste Berichtspflicht vorsieht, greifen in Deutschland strenge monatliche Berichtsvorgaben.

Eine effiziente Verwaltung war früher ein Garant für Wirtschaftswachstum in Deutschland. Damit dies wieder gelingt, muss der Bürokratieabbau für die Unternehmen endlich spürbar werden und besonders kleine Unternehmen stärker entlasten. Es reicht nicht, sich auf den Abbau einzelner bürokratischer Wildwüchse zu konzentrieren, sondern die darunterliegenden Prozesse sind systematisch neu auszurichten. Im Zusammenspiel zwischen Brüssel und Berlin braucht es Reformen, die ineinandergreifen, konsequent auf Digitalisierung setzen und Bürokratie als Dienstleistung für Unternehmen verstehen.

Factbox:

  • Spürbarer Bürokratieabbau ist besonders für kleine Unternehmen dringend notwendig.
  • Während in Brüssel eine weitere Überregulierung droht, greifen in Deutschland erste Reformbemühungen.
  • Das Gold-Plating von europäischen Gesetzen muss in Deutschland konsequent auf ein Minimum zurückgefahren werden.

29. Sep 2026

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Wirtschaft

Energiekurs Deutschland – Ein Beitrag von Tim Meyer, Energieexperte, Speaker und Berater

Wer heute erfolgreich durch die Energiewelt navigieren will, kommt mit alten Landkarten nicht weit. Zum einen hat sich die geopolitische Tektonik verschoben: Spätestens seit 2021 wissen wir, dass Versorgungssicherheit über Erdgas nur noch mit hohen Kosten und Preisrisiken zu haben ist – seit dem Konflikt an der Straße von Hormus gilt das auch für Kraftstoffe. Wichtiger noch: Die Welt steckt in einer elektrotechnologischen Revolution, die weit über die Energieversorgung hinausreicht. Mobilität, Wärme, industrielle Prozesse und die Fertigung von morgen werden weitgehend elektrisch. Die Märkte haben sich bereits massiv verschoben – nicht nur die deutsche Autoindustrie leidet unter Absatzverlusten einst erfolgreicher Produkte. Treiber ist der globale Boom bei erneuerbaren Energien: Mit ihnen ist Strom so günstig und verfügbar wie nie, und der Preisverfall bei Batteriespeichern gleicht Schwankungen von Wind, Sonne und Verbrauch immer besser aus. Ergebnis: Allein in diese Technologien und den Ausbau der Stromnetze fließen weltweit Investitionen von über 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr – etwa fünfmal so viel wie in neue Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke. Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. So anstrengend diese Gleichzeitigkeit wirkt: Für Menschen und Unternehmen in Deutschland liegen darin große Chancen. Zwei Dinge sind gewiss: Erstens gibt es kein Zurück – geopolitische Spannungen verschwinden nicht, und der technologische Fortschritt bei Clean Tech lässt sich nicht zurückdrehen. Zweitens sind diese Entwicklungen global: Technologien, die wir ohnehin für den Heimatmarkt entwickeln müssen, sind weltweit gefragt und können zur zentralen Säule des dringend nötigen wirtschaftlichen Aufschwungs werden. >Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. Umgekehrt gilt: Wer an alten Plänen und alter Technologie festhält – und sei es neu verpackt als „hocheffiziente Verbrenner“ oder „Grüngas“ –, landet auf dem wirtschaftlichen Abstellgleis. Industrielle Revolutionen kann man nicht aufhalten. Man kann sich nur entscheiden, auf der Gewinner- oder Verliererseite stehen zu wollen. China macht das seit Jahren zur Industriepolitik: vom Abnehmer deutscher Maschinen zum aggressiven Wettbewerber, inklusive Sicherung von Rohstoffen und Lieferketten. Heute ist China globaler Marktführer bei Wind- und Solarenergie, Batterietechnik und E-Mobilität – weitere Angriffe auf deutsche Märkte sind angekündigt, auch bei Wärmepumpen. Es gilt also, aus der Not eine Tugend zu machen: Absicherung gegen fossile Preisrisiken, Investition in Zukunftsmärkte, europäische Resilienz und Klimaschutz sind dabei ein und dasselbe. Die Politik muss diese neue Realität in eine verständliche Energielandkarte übersetzen: Elektrifizierung unserer Volkswirtschaft als verankertes Ziel, politisch gemanagt und mit Investitionen hinterlegt – vor allem durch schnellere Modernisierung der Energieinfrastruktur, also Digitalisierung, effizientere Organisation und Ausbau der Stromnetze. Doch auch ohne den großen politischen Wurf gibt es Lösungen, die sich schon heute lohnen und in die unternehmerische Zukunft weisen. „Energiekurs Deutschland“ zeigt diese Richtungen auf. Je mehr Unternehmen sie jetzt nutzen, desto mehr profitiert die Allgemeinheit – denn Deutschland hat alle Voraussetzungen, sich neu zu erfinden. Wir müssen es nur wollen und anpacken.