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3. Apr 2021

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Gesellschaft

Die Zukunft der Energie bedeutet…

Journalist: Katja Deutsch

Geothermie ist eine grundlastfähige Erneuerbare Energie, die weitestgehend CO2-frei rund um die Uhr ohne Beeinflussung von Klimaereignissen für die Erzeugung von Wärme, Kälte und Strom zur Verfügung steht. Eine klimaschonende Wärmewende ist ohne Geothermie nicht machbar.

Geothermie in Form von Oberflächennaher bis Tiefer Geothermie ist flächendeckend für die Energieversorgung von einzelnen Gebäuden bis zu Großstädten einsetzbar. Je nach Temperatur des genutzten Tiefenhorizonts ist zum Teil der Einsatz von Wärmepumpen für die Bereitstellung von Nutzwärme notwendig. Zusätzlich kann die Geothermie als Prozesswärme in der Industrie eingesetzt werden. 

Grundvoraussetzung für die Nutzung der Geothermie ist eine genaue Kenntnis des Reservoirs. Dies entscheidet über die praktische Nutzung eines entsprechenden Tiefenhorizonts. Für die Erschließung des Zielhorizonts sind Tiefenbohrungen von einigen Metern bis zu sechs Kilometern durchzuführen. Schließlich ist eine geeignete Pumpentechnik nötig, mit der der erschlossene Wärmeträger zur Weiterverarbeitung an die Erdoberfläche gebracht werden muss. 

Die Politik muss wesentlich dafür sorgen, dass der Bund die Versicherung des Fündigkeitsrisikos übernimmt und die Erkundung der geothermischen Lagerstätten hydrothermal wie petrothermal vorantreibt. Zudem müssen durch Abbau von Benachteiligungen im Vergleich zu fossilen Energien der Zugang der Geothermie zu bestehenden Wärmenetzen ermöglicht sowie die ungleiche Besteuerung von Betriebskosten bezüglich des Pumpenstroms abgeschafft werden.

28. Jan 2026

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Wirtschaft

Flexible Aus- und Weiterbildung als Schlüssel zum Erfolg – Ein Beitrag von Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB)

Zwischen 2025 und 2029 gehen rund 5,26 Mio. Erwerbstätige in den Ruhestand. Gleichzeitig erwarten wir, dass in diesem Zeitraum nur rund 4,37 Mio. Personen aus dem Bildungssystem oder aus dem Ausland neu auf den inländischen Arbeitsmarkt kommen. Der Ersatzbedarf lässt sich mengenmäßig nicht durch dieses Neuangebot stillen. Die Zahl der Erwerbstätigen wird somit zurückgehen. Zugleich braucht Deutschland dringend Erneuerungen. In unsere Sicherheit und Infrastruktur wird viel investiert werden müssen. In den Gesundheitsberufen wird die Nachfrage steigen, und auch in der IT-Entwicklung dürfen wir nicht zurückbleiben. Um unseren Wohlstand bei einer schwindenden Zahl an Erwerbstätigen auch in den kommenden Jahren zu erhalten, müssen wir technologische Entwicklungen intelligent nutzen. So können Tätigkeiten zum einen automatisiert werden, die bislang von Menschen ausgeübt werden. Zum anderen bieten sie aber auch Raum für neue Tätigkeiten und Geschäftsmodelle. Eine jüngst veröffentlichte Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung zeigt, dass allein die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz (KI) rund 1,6 Mio. Arbeitsplätze betreffen werden. Voraussichtlich werden rund 800.000 Arbeitsplätze in den kommenden 15 Jahren wegen der Nutzung von KI entfallen, während gleichzeitig rund 800.000 neu entstehen. Dieser Strukturwandel lässt sich nicht ohne berufliche Aus- und Weiterbildung bestreiten. >Um unseren Wohlstand bei einer schwindenden Zahl an Erwerbstätigen auch in den kommenden Jahren zu erhalten, müssen wir technologische Entwicklungen intelligent nutzen. Der Digitalisierung folgt der verstärkte Einsatz von KI, der abstrakte Klimawandel wird greifbar durch Flut- und Dürrekatastrophen, die demografische Entwicklung führt zu anderen Arbeitsmodellen und längeren Arbeitsphasen. Berufliche Qualifikationen bereiten uns im besten Fall darauf vor, auf Unvorhergesehenes zu reagieren. So eröffnen die 327 Ausbildungsberufe des dualen Systems die Möglichkeit, flexibel in einer Fülle von Erwerbsberufen tätig zu werden. Voraussetzung hierfür ist, dass exemplarisch in ausreichender fachlich-methodischer Breite und Tiefe gelernt wird und die für die Transformation notwendigen Schlüsselkompetenzen vermittelt werden. Zentral sind hier Transfer- und Problemlösefähigkeit, Kreativität sowie soziale und personale Kompetenzen. Wichtig ist aber auch, Menschen ohne Ausbildung durch die Nutzung abschlussorientierter Konzepte – wie zum Beispiel Teilqualifikationen oder Validierungsverfahren – für die Herausforderungen des Arbeitsmarkts der Zukunft zu befähigen. Vor dem Hintergrund des beschleunigten Strukturwandels leistet vor allem auch die berufliche Weiterbildung einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung. Sie schafft individuelle Entwicklungsmöglichkeiten für die Beschäftigten. Deshalb müssen wir die formale Weiterbildung durch gezielte Flexibilisierung, Modularisierung und „Dualisierung“ – also die Verknüpfung von systematischem Lernen mit praktischer Anwendung am Arbeitsplatz – attraktiver gestalten und stärker mit non-formalen Angeboten verknüpfen. So kann es gelingen, möglichst viele Menschen für Weiterbildung zu gewinnen. Denn es ist arbeitsmarkt- und gesellschaftspolitisch nicht akzeptabel, große Bevölkerungsgruppen vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen zu lassen. Die Attraktivität und Individualisierung der Weiterbildungsformate sind hier entscheidend.