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22. Apr 2026

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Gesundheit

Mehr als Freizeitbeschäftigung – Ein Beitrag von Dr. Michael Ermrich, Präsident des Deutschen Wanderverbandes

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Foto: Presse

Abenteuer und Outdoor sind längst mehr als Freizeitbeschäftigungen für wenige. Sie spiegeln ein gesellschaftliches Bedürfnis nach Bewegung, Naturerfahrung und Selbstwirksamkeit in einer zunehmend verdichteten Gegenwart. Wer heute wandert, klettert, bouldert, zeltet oder mit dem Caravan unterwegs ist, sucht nicht die Flucht aus dem Alltag, sondern eine bewusste Auseinandersetzung mit Umwelt, Körper und Gemeinschaft.

Beispiel Wandern. Es ist mehr als eine Freizeitbeschäftigung, es ist Sporttreiben in der Natur und vieles mehr. 69 Prozent der deutschsprachigen Bevölkerung gelten als aktive Wanderer. Für drei Viertel steht die Natur im Vordergrund, für 57 Prozent Bewegung, für 56 Prozent Gesundheit. Wandern ist Sport, ohne Extremismus, aber mit nachweisbarem Effekt. Es steigert die Ausschüttung von Endorphinen, Serotonin und Dopamin und ist bei Herz Kreislauf Problemen sowie bei mittelschweren Depressionen ähnlich wirksam wie eine Therapie. 82,7 Prozent der Wandernden fühlen sich nach einer Tour glücklicher und zufriedener als zuvor. Auch präventiv stärkt regelmäßige Bewegung das Wohlbefinden nachhaltig.

Abenteuer im Freien verlangt Struktur. Sicherheit, Orientierung und Schutz sensibler Naturräume sind Voraussetzungen dafür, dass Outdoor Aktivitäten für viele möglich bleiben. Hier erinnere ich an all diejenigen, die oftmals mit viel ehrenamtlichem Engagement für die entsprechenden Infrastrukturen sorgen. Wussten Sie, dass sich in Deutschland rund 20.000 ehrenamtliche Wegezeichnerinnen und Wegezeichner um etwa 200.000 Kilometer Wanderwege kümmern und dafür Jahr für Jahr über 350.000 Stunden unterwegs sind? Diese Menschen leisten Besucherlenkung, Naturschutz und Orientierung. Diesem Ziel verpflichtet sind auch Initiativen, die sich der Qualität im Outdoor-Sport verpflichtet haben wie „Wanderbares Deutschland“. Wer auf den „Qualitätswegen Wanderbares Deutschland“ unterwegs ist, kann sich auf abwechslungsreiche, verlässlich markierte Routen auf naturbelassenen Untergrund freuen.

Gemeinsames Unterwegssein schafft Begegnung, baut Einsamkeit ab und fördert Engagement. Wer Wege markiert, Gruppen führt oder Verantwortung übernimmt, handelt demokratisch im besten Sinne. Wandern, Klettern und andere Outdoor Aktivitäten sind sozialer Klebstoff, der Menschen unterschiedlicher Generationen und Lebenswelten verbindet.

Outdoor-Aktivitäten sind ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Allein Wandernde geben jährlich 7,8 Milliarden Euro aus, vor allem für Gastronomie, Lebensmittel und Übernachtungen. Weitere 3,7 Milliarden Euro fließen in ihre Ausrüstung. 13 Prozent der ausländischen Gäste wandern während ihres Urlaubs – häufiger als Rad fahren oder schwimmen. Camping und Caravaning verstärken den wirtschaftlichen Effekt. Sie verbinden Bewegung, Klettern und Trekking mit selbstbestimmtem Aufenthalt und flexibler Mobilität. Im Jahr 2024 erzielten die Ausgaben dieser Reisenden einen Umsatz von 20,8 Milliarden Euro. Davon profitieren Camping- und Stellplatzbetreiber aber auch lokale Geschäfte und Restaurants.

Nicht zuletzt wirken die Abenteuer draußen auch auf die Gesellschaft. Gemeinsames Unterwegssein schafft Begegnung, baut Einsamkeit ab und fördert Engagement. Wer Wege markiert, Gruppen führt oder Verantwortung übernimmt, handelt demokratisch im besten Sinne. Wandern, Klettern und andere Outdoor Aktivitäten sind sozialer Klebstoff, der Menschen unterschiedlicher Generationen und Lebenswelten verbindet. Sie zeigen, wie Gesundheit, Wirtschaft, Naturschutz und Gemeinschaft ineinandergreifen können. Abenteuer und Outdoor sind kein Eskapismus, sondern Teil einer zukunftsfähigen Gesellschaft. Sie beginnen vor der Haustür und reichen weit darüber hinaus.

18. Mär 2026

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Gesundheit

Ungewollt kinderlos

Für viele Paare gehört der Wunsch nach einem eigenen Kind fest zum Lebensplan. Doch bei rund 15 bis 20 Prozent der Paare in Deutschland bleibt dieser Wunsch unerfüllt¹. Damit beginnt für viele nicht nur ein körperlich, sondern auch emotional herausfordernder Weg. Untersuchungen, Behandlungszyklen, hormonelle Messwerte, Wartezeiten – der Gedanke an ein Baby bestimmt den Alltag. Das eigentliche Leben gerät dabei oft in eine Warteschleife. Urlaube lassen sich kaum planen; der nächste Karriereschritt? Scheint mit einer kommenden Schwangerschaft nur schwer vereinbar. Auch die finanzielle Seite ist belastend. Wiederholte Fruchtbarkeitsbehandlungen bedeuten erhebliche Kosten. Für viele Paare geht es irgendwann längst nicht mehr nur um die Frage, ob sie ein Kind bekommen, sondern auch darum, wie lange sie den physischen, psychischen und finanziellen Druck durchhalten können. In dieser schwierigen Situation spielt begleitende psychotherapeutische Unterstützung eine zentrale Rolle. Wenn man sich zwischen Hoffnung und Verzweiflung, Ratlosigkeit und tiefer Trauer nach der nächsten Fehlgeburt irgendwann fragt: Bin ich genug, auch ohne Kind? Was erfüllt mein Leben, auch wenn ich keine Mutter bin? >Für viele Paare geht es irgendwann längst nicht mehr nur um die Frage, ob sie ein Kind bekommen, sondern auch darum, wie lange sie den physischen, psychischen und finanziellen Druck durchhalten können. Die Ursachen dafür, warum eine Schwangerschaft auf natürlichem Wege ausbleibt, können komplex sein und sind nicht immer eindeutig zu bestimmen. Daher suchen viele Paare ergänzend zur schulmedizinischen Diagnostik nach Wegen, um die Voraussetzungen für eine Empfängnis ganzheitlich zu fördern, sowohl auf körperlicher als auch auf seelischer Ebene. Naturheilkundliche Ansätze können dabei wertvolle Impulse geben. So kann Akupunktur im Rahmen einer IVF (In-vitro-Fertilisation) den Behandlungserfolg positiv beeinflussen, in dem sie bei Männern die Spermienqualität verbessert und bei Frauen die Funktion der Eierstöcke unterstützt. Ganzheitliche Therapiekonzept verbinden unterschiedlichste Behandlungen um körpereigene Prozesse zu harmonisieren, von der Entgiftung und Entsäuerung des Körpers über Mikronährstoff- und Ordnungstherapien bis hin zu therapeutischen Massagen. Ebenso können Achtsamkeitstraining, Yoga oder Entspannungsverfahren helfen, Druck abzubauen und das hormonelle Gleichgewicht zu stabilisieren. Wenn IVF dann sprichwörtlich gefruchtet hat, wird das Wunder des entstehenden Lebens erst richtig bewusst. Ein unerfüllter Kinderwunsch bleibt eine vielschichtige Herausforderung, die medizinische, emotionale und soziale Aspekte gleichermaßen berührt. Unterstützungsangebote können Paare entlasten und ihnen helfen, den Weg durch Diagnostik und Behandlung selbstfürsorglicher zu gestalten. Letztlich geht es auch darum, die eigenen Grenzen zu erkennen – und liebevoll mit ihnen umzugehen. Dazu gehört die Offenheit für das, was möglich ist, aber auch die Akzeptanz für das, was nicht. ¹ Quelle: Deutsches IVF-Register (Jahresbericht 2024)