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28. Apr 2026

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Gesundheit

Das Abenteuer als Lebensprinzip – Im Interview mit Jonas Deichmann, Extremsportler

Journalist: Andreas Schack

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Foto: Andrej Bavchenkov

Extremsportler Jonas Deichmann verrät, wie guter Schlaf, Ernährung und Routinen helfen können, große Herausforderungen zu bewältigen.

Wenn der Extremsportler und Abenteurer Jonas Deichmann über Regeneration spricht, verschieben sich die Maßstäbe. Nach seinem Rekord mit 120 Triathlon Langdistanzen an 120 Tagen im Jahr 2023 brauchte sein Körper zwar ein ganzes Jahr, um sich vollständig zu erholen. Doch in dieser Zeit absolvierte er zwölf weitere Ironman Distanzen und nennt das Abtrainieren. Dabei dürfte für die meisten Menschen schon ein einziger Ironman-Wettbewerb ein Lebensziel sein.

Bekannt wurde Deichmann mit seiner Weltumrundung im Triathlon. Er schwamm durch offene Gewässer, radelte über Kontinente und lief durch Hitze, Wind und Regen einmal rund um den Globus. Mit der Challenge 120 setzte er einen außergewöhnlichen sportlichen Maßstab. Doch es sind nicht die Pokale, die ihn antreiben.

Wir sprechen am Flughafen in Nürnberg mit ihm, kurz nach einer seiner Vortragsveranstaltungen. Er wartet auf den Rückflug nach Mallorca, wo er den Winter verbringt, trainiert und sich auf seine nächsten Projekte vorbereitet. „Der Rekord ist ein Bonus“, sagt er. Worum es wirklich gehe, sei der Weg. „Die Begegnungen, die Tiefpunkte, die Hochpunkte während meiner Reisen. Das macht das Leben so intensiv und schön.“

Diese Haltung ist bei ihm kein Kalenderspruch, sondern gewachsen aus Extremsituationen. Nächtliches Schwimmen im dunklen und offenen Meer, Schneestürme in Sibirien, Tage, an denen der Körper eigentlich stehen bleiben wollte. „Grenzen kann man verschieben“, sagt er. Überschreiten sei jedoch dauerhaft keine gute Idee. „Es geht nicht darum, sich zu zerstören, sondern sich weiterzuentwickeln.“ Aktuelle medizinische Untersuchungen zeigen bei ihm keine Verschleißerscheinungen.

Es geht nicht darum, sich zu zerstören, sondern sich weiterzuentwickeln.

Schlaf und Routinen Fragt man ihn nach seinem Geheimnis für Regeneration und Vorbereitung, spricht er zuerst über Schlaf. Die Qualität sei entscheidend, nicht nur die Stundenanzahl. Jeden Tag ungefähr zur gleichen Zeit ins Bett, ungefähr zur gleichen Zeit aufstehen, rät er. „Wir haben eine innere Uhr.“ Morgens geht er direkt nach draußen, am besten zum Sonnenaufgang. Abends noch einmal ein kurzer Spaziergang. Tageslicht und frische Luft als Taktgeber. Das Handy legt er bewusst weg. Nicht nur wegen des Lichts, sondern wegen der Reize. Wer kann, sollte es ab 20 Uhr in die Schublade legen. „Dann ist es weg. Da hat man schon viel gewonnen.“

Ernährung mit Wirkung Auch beim Essen klingt er pragmatisch. Proteine, Ballaststoffe, ausgewogen. Ein Thema ist ihm wichtig, der Blutzucker und die Reihenfolge der Nahrungsaufnahme. Zucker und schnelle Kohlenhydrate lieber zum Schluss. Ein Glas Orangensaft sei an sich gesund, sagt er, aber nicht als erstes am Morgen. „Erst frühstücken, dann trinken.“

Er macht aufmerksam auf einfache Wechselwirkungen. Koffein kann die Eisenaufnahme blockieren, Vitamin C sie fördern. Omega-3 wirkt besser zusammen mit Fett. Kleine Stellschrauben mit großer Wirkung. Gleichzeitig bleibt Ernährung individuell. Als Ausdauersportler braucht er etwa viele Kohlenhydrate. Entscheidend sei das Zusammenspiel aus Energiezufuhr, Regeneration und mentaler Frische.

Ein Abenteuer ist eine Reise ins Ungewisse.

Neue Abenteuer Seine Definition ist klar. „Ein Abenteuer ist eine Reise ins Ungewisse.“ Wenn man schon genau wisse, was passiert, sei es keins. Das gelte auch vor der Haustür. Eine Nacht draußen schlafen. Mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zu den Großeltern fahren. Ein Wochenende mit Zelt losziehen. Viele scheitern schon vor der Startlinie, weil sie planen, aber nicht ins Tun kommen. „Wachstum beginnt mit dem ersten Schritt.“

Sein nächstes Abenteuer startet Jonas Deichmann am 25. April in München. Mit dem Gravel Bike will er entlang der Außengrenzen einmal rund um Europa fahren. 24.000 Kilometer, 250.000 Höhenmeter, 27 Länder, oft auf Nebenwegen statt auf der schnellsten Route. Vier Monate unterwegs, im Schnitt fast 200 Kilometer pro Tag. Im Herbst folgt ein Lauf rund um Baden-Württemberg, 30 Marathons in 30 Tagen, als Community Event. Wer möchte, kann einzelne Etappen mitlaufen.

Wer ihm zuhört, versteht, dass große Projekte mit einfachen Gewohnheiten beginnen. Mit gutem Schlaf. Mit klaren Routinen. Und mit dem ersten Schritt vor die Haustür.

Kurz gefragt: Jonas Deichmann

Morgenritual: Ein Wasser und den Sonnenaufgang genießen Wenn es hart wird: Fokus auf den nächsten Meilenstein Lieblingsorte: Alpenpass und Berggipfel Regeneration: Gut essen und schlafen Training: Jeden Tag, viele kurze Einheiten Ohne Natur fehlt ihm: Freiheit und innere Ruhe Nach großen Projekten: Zeit mit der Familie