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28. Apr 2026

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Gesundheit

Gamechanger E-Rezept

Journalist: Kirsten Schwieger

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Foto: Getty Images/unsplash

Den rosa- oder hellblauen Papierrezepten weint niemand mehr eine Träne nach – zu vielfältig sind die Vorteile des E-Rezepts. Vor allem, wenn man sie online einlöst.

Seit das elektronische Rezept 2024 verbindlich in Deutschland eingeführt wurde, hat sich die Versorgungslandschaft grundsätzlich geändert: Das E-Rezept vereinfacht die Abläufe in Arztpraxen und Apotheken, vermeidet Zettelwirtschaft und erspart unnötige Wege – beispielsweise, wenn Folgerezepte ausgestellt werden müssen. War die Versichertenkarte bereits in der Arztpraxis eingelesen, können Folgerezepte für das laufende Quartal unkompliziert digital auf den Weg geschickt werden, ohne dass der Patient sich noch einmal auf den Weg zum Arzt machen muss. Hiervon profitieren insbesondere chronisch Kranke. Werden die benötigten Medikamente in einer Online-Apotheke bestellt, muss das Haus gar nicht verlassen werden. Das Medikament kommt sicher verpackt per Post – aufgrund der hohen Medikamentenverfügbarkeit der Online-Versender oft bereits am nächsten oder übernächsten Tag.

Doch nicht nur chronisch Kranke, sondern auch ältere Menschen oder Bewohner ländlicher Gebiete wissen den Service von Online-Apotheken zu schätzen. Gerade, wenn die Mobilität nachlässt oder kein Auto zur Verfügung steht, ist die Einlösung des E-Rezepts bei einer Versandapotheke ideal. Zwar lässt sich das auf der Gesundheitskarte gespeicherte Rezept auch direkt nach dem Arztbesuch gesetzlich Versicherter in der Vor-Ort Apotheke einlösen. Doch nicht selten ist das benötigte Medikament in der niedergelassenen Apotheke nicht vorrätig, was einen zweiten Gang notwendig macht. So wundert es nicht, dass es nach der Einführung des E-Rezepts zu einem regelrechten Boom von Online-Apotheken kam. Ein weiterer Vorteil für die Kunden: Wenn neben den verschriebenen Arzneien noch rezeptfreie Medikamente in den Warenkorb gelegt werden, profitieren Onlinebesteller oft von Preisvorteilen.

Sowohl die gematik-App als auch die Apps großer Online-Apotheken bieten spezielle Funktionen an, um Rezepte für Familienmitglieder oder pflegebedürftige Personen zu organisieren.

Das E-Rezept kann per Smartphone über eine E-Rezept-App verwaltet und direkt an die gewünschte Apotheke gesendet werden. Voraussetzung dafür ist ein NFC-fähiges Smartphone, die App der Online-Apotheke oder die „E-Rezept-App“ der Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (gematik). Als zentrale Stelle für die Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen hat die gematik unter anderem das E-Rezept entwickelt.

Dabei wurde auch an die Bedürfnisse älterer Menschen gedacht. So kann das E-Rezept problemlos durch Angehörige verwaltet und eingelöst werden. Sowohl die gematik-App als auch die Apps großer Online-Apotheken bieten spezielle Funktionen an, um Rezepte für Familienmitglieder oder pflegebedürftige Personen zu organisieren. Die Befürchtungen vieler Senioren, dass „digital“ auch „kompliziert“ bedeutet, können also zerstreut werden. Und auch in einem weiteren wichtigen Punkt kann Entwarnung gegeben werden. So prüfen Online-Apotheken jede Bestellung hinsichtlich möglicher Wechselwirkungen – entweder automatisiert im Bestellprozess oder manuell nach der Bestellung. In diese Prüfung mit einbezogen sind auch rezeptfreie Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel aus dem Warenkorb. Bei offenen Fragen ist außerdem eine kostenfreie pharmazeutische Beratung über die Online-Apotheke möglich.

Gerade, wenn die Mobilität nachlässt oder kein Auto zur Verfügung steht, ist die Einlösung des E-Rezepts bei einer Versandapotheke ideal.

Fakten

Viele Online-Apotheken bietet ein interaktives Tool auf ihrer Webseite, um Wechselwirkungen von Medikamenten über die aktuelle Bestellung hinaus eigenständig manuell zu ermitteln. Durch die Einrichtung eines Kundenkontos wird bei den meisten Anbietern eine Medikamentenhistorie erstellt, auf deren Basis dann sämtliche individuell benötigte Arzneien automatisiert einem Wechselwirkungs-Check unterzogen werden.

25. Jun 2026

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Gesundheit

Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung –Ein Beitrag von Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie

Denn moderne Medizintechnik liefert genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. Unser Problem in Deutschland ist: sektorale Strukturen, tradierte Vergütungssysteme und uneinheitliche Vorgaben bremsen die digitale Transformation bislang aus. Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate und -sicherheit verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Die Nutzung von Daten ist das Kernelement, das digitale Versorgung in allen Sektoren und Situationen kennzeichnet. Dabei kann die Nutzung der Daten sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind: - die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten und Informationen aus der Patientenhistorie, - das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes anhand von kontinuierlich erhobenen Daten aus Sensoren oder anderen Messgeräten, - das situationsbezogene Management anhand von Alarmen bzw. Meldungen, - die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services sowie für Training, Validierung und Einsatz von KI, - die Nutzung von Daten für Digital Twin-Ansätze oder - die Nutzung von Daten für Training, Schulung, Weiterbildung. Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind. **Aus Sicht der MedTech-Branche fordern wir:** - In einem neuen Primärversorgungssystem sollte die digitale Ersteinschätzung so entwickelt werden, dass künftig auch Echtzeitdaten für eine valide Ersteinschätzung genutzt werden können. - Für „Digital Twin-Technologien“ sollten pseudonymisierte Behandlungsdaten nutzbar gemacht werden. Denn Simulationen anhand von vorhandenem Bildmaterial können invasive Diagnostik verhindern oder Therapieschritte vorbereiten. - Das Einwilligungsmanagement zur Datennutzung im Behandlungsablauf sollte bundesweit vereinheitlicht werden und auf einer einheitlichen Interpretation der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) basieren. - Für die Verbesserung von Produkten und Services braucht die Industrie Zugang zu Gesundheitsdaten und teilt selbst auch ihre Daten. Dabei sind allerdings IP-Rechte zu beachten, gerade bei Medizinprodukten. - Unser Appell: Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen. ## Zum Autor: Dr. Marc-Pierre Möll ist seit April 2019 Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie e. V. in Berlin sowie Geschäftsführer der BVMed-Akademie. Er ist zudem Mitglied des BVMed-Vorstands.