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25. Jun 2026

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Gesundheit

Im Krankenhaus kostet schlechte Vernetzung wertvolle Zeit – mit Dr. Anke Diehl, Chief Transformation Officer der Universitätsmedizin Essen

Journalist: Thomas Soltau

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Foto: Getty Images/unsplash, Presse

Während Kliniken noch mit digitalen Insellösungen kämpfen, gilt das Universitätsklinikum Essen mit seinem Smart Hospital als Vorreiter der vernetzten Medizin. Dort arbeiten Ärzte, IT und KI-Forschung längst gemeinsam an Versorgungsmodellen. Dr. Anke Diehl, Chief Transformation Officer der Universitätsmedizin Essen, weiß, warum moderne Medizin ohne intelligente Datenstrukturen nicht funktioniert.

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Dr. Anke Diehl, Chief Transformation Officer der Universitätsmedizin Essen

Warum wirken Krankenhäuser oft wie Dateninseln? Weil viele Systeme bis heute nicht miteinander kommunizieren können. In Krankenhäusern existieren hunderte spezialisierte Anwendungen. Die Daten liegen zwar vor, aber oft isoliert voneinander. Deutschland leistet sich hier noch immer zu viele digitale Insellösungen. In Essen haben wir deshalb früh eine zentrale Datenstruktur aufgebaut, die diese Informationen miteinander verbindet.

Das Universitätsklinikum Essen gilt mit seinem Smart Hospital als Vorreiter. Was verändert sich dadurch im Alltag? Vor allem verschwinden Reibungsverluste. Früher klickten sich Mitarbeitende durch unzählige Programme. Heute sehen Ärztinnen und Ärzte Laborwerte, Bildgebung, Arztbriefe oder Befunde gebündelt über ein gemeinsames Dashboard. Das spart Zeit, reduziert Fehler und schafft die Grundlage für KI-Anwendungen. Genau diese Vernetzung macht den Unterschied.

Wo hilft KI bereits konkret? Zum Beispiel bei der Planung von Blutkonserven. Gemeinsam mit unseren KI-Experten haben wir ein System entwickelt, das den Bedarf vorhersagen kann. Dabei fließen nicht nur medizinische Daten ein, sondern sogar Wetter oder Wochentage. Dadurch können wir Ressourcen deutlich präziser planen.

KI darf niemals unkontrolliert arbeiten. Im Gesundheitswesen geht es um hochsensible Daten.

Warum tun sich viele Krankenhäuser schwer mit Digitalisierung? Weil Digitalisierung lange falsch verstanden wurde. Viele haben versucht, analoge Prozesse einfach digital abzubilden. Das funktioniert nicht. Man muss Prozesse komplett neu denken. Deshalb arbeiten bei uns Medizin, IT und KI eng zusammen. Genau dieser Kulturwandel ist oft schwieriger als die Technik selbst. Viele Menschen haben gleichzeitig Sorge vor KI im Gesundheitswesen. Deshalb brauchen wir klare Regeln und Transparenz. KI darf niemals unkontrolliert arbeiten. Im Gesundheitswesen geht es um hochsensible Daten. In Essen haben wir dafür klare Governance-Strukturen aufgebaut, verpflichtende KI-Schulungen eingeführt und beschäftigen uns intensiv mit digitalethischen Fragen.

Wo liegt für Sie die Grenze zwischen sinnvoller Datennutzung und Kontrollverlust? Die Grenze ist erreicht, wenn Menschen nicht mehr nachvollziehen können, was mit ihren Daten passiert. Vertrauen entsteht nur, wenn Patientinnen und Patienten sicher sein können, dass ihre Informationen geschützt bleiben und ausschließlich der besseren Versorgung dienen.

Wie wichtig wird digitale Vernetzung zukünftig? Sie wird zur Grundvoraussetzung moderner Medizin. Wer Daten nicht sinnvoll vernetzt, verliert Zeit in der Versorgung. Denn Zeit entscheidet im Krankenhaus.

Vertrauen entsteht nur, wenn Patientinnen und Patienten sicher sein können, dass ihre Informationen geschützt bleiben und ausschließlich der besseren Versorgung dienen.

25. Jun 2026

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Gesundheit

Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung –Ein Beitrag von Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie

Denn moderne Medizintechnik liefert genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. Unser Problem in Deutschland ist: sektorale Strukturen, tradierte Vergütungssysteme und uneinheitliche Vorgaben bremsen die digitale Transformation bislang aus. Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate und -sicherheit verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Die Nutzung von Daten ist das Kernelement, das digitale Versorgung in allen Sektoren und Situationen kennzeichnet. Dabei kann die Nutzung der Daten sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind: - die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten und Informationen aus der Patientenhistorie, - das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes anhand von kontinuierlich erhobenen Daten aus Sensoren oder anderen Messgeräten, - das situationsbezogene Management anhand von Alarmen bzw. Meldungen, - die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services sowie für Training, Validierung und Einsatz von KI, - die Nutzung von Daten für Digital Twin-Ansätze oder - die Nutzung von Daten für Training, Schulung, Weiterbildung. Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind. **Aus Sicht der MedTech-Branche fordern wir:** - In einem neuen Primärversorgungssystem sollte die digitale Ersteinschätzung so entwickelt werden, dass künftig auch Echtzeitdaten für eine valide Ersteinschätzung genutzt werden können. - Für „Digital Twin-Technologien“ sollten pseudonymisierte Behandlungsdaten nutzbar gemacht werden. Denn Simulationen anhand von vorhandenem Bildmaterial können invasive Diagnostik verhindern oder Therapieschritte vorbereiten. - Das Einwilligungsmanagement zur Datennutzung im Behandlungsablauf sollte bundesweit vereinheitlicht werden und auf einer einheitlichen Interpretation der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) basieren. - Für die Verbesserung von Produkten und Services braucht die Industrie Zugang zu Gesundheitsdaten und teilt selbst auch ihre Daten. Dabei sind allerdings IP-Rechte zu beachten, gerade bei Medizinprodukten. - Unser Appell: Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen. ## Zum Autor: Dr. Marc-Pierre Möll ist seit April 2019 Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie e. V. in Berlin sowie Geschäftsführer der BVMed-Akademie. Er ist zudem Mitglied des BVMed-Vorstands.