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16. Jul 2026

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Gesundheit

Erst schlafen, dann optimieren – Im Interview mit Andreas Breitfeld, Biohacking-Experte

Journalist: Silja Ahlemeyer

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Foto: Presse

Biohacker wie Andreas Breitfeld messen, kontrollieren und optimieren ihre Körperfunktionen. Ziel ist es, die eigenen Werte stets im bestmöglichen Bereich zu halten, um möglichst gesund und fit zu bleiben.

Andreas, du bist über ein Burnout zum Biohacking gekommen. Wie hast du gemerkt: So geht es nicht weiter? Das war ein Morgen in Thailand. Am Abend vorher hatte ich nach zu vielen Bieren einen Taxifahrer gefragt, ob er mir den Kopf wegschießen könne. Das klingt hart, aber es beschreibt ziemlich genau, wo ich damals stand. Ich hatte ein Jahr mit 228.000 Flugmeilen hinter mir, viel Stress, kaum Schlaf, ein kaputtes Magen-Darm-System. Irgendwann hatte ich keinen Antrieb mehr, keine Freude, kein Interesse. Beruflich habe ich noch funktioniert, privat war da nicht mehr viel.

Warum hast du nicht einfach weniger gearbeitet? Weil man das in so einer Situation oft nicht kann. Ich hatte gerade eine eigene PR-Agentur gegründet, viele Projekte hingen an mir. Damals war für mich klar: Ich muss weitermachen. Nur hat mein Körper irgendwann nicht mehr mitgemacht.

Wie kamst du dann zum Biohacking? Den Rest des Urlaubs habe ich mich wieder mit Gesundheit beschäftigt. Das Thema kannte ich, ich war früher Fitness-Redakteur. Zurück in Deutschland habe ich umfangreiche Laborwerte machen lassen. Da zeigte sich vieles: eine hohe Schwermetallbelastung, ein durchlässiger Darm, hormonelle Themen. Daraus entstand ein klarer Aktionsplan. Den habe ich befolgt. Acht Monate später ging es mir wieder gut, kurz danach besser als in den zwölf, vierzehn Jahren davor.

Nun berätst du auch beruflich zum Thema Biohacking. Welche Maßnahmen helfen wirklich? Wenn jemand einfach gesund leben möchte, steht Schlaf ganz oben. Dazu morgens mindestens 20 Minuten ans Tageslicht gehen, Alkohol, wenn, dann eher früher am Abend als direkt vor dem Bett trinken, genug Abstand zwischen Essen und Schlafen lassen. Wenn der Schlaf funktioniert, kann vieles andere auch funktionieren. Wenn der Schlaf im Eimer ist, hat der Rest keine Chance.

Was noch? Bewegung. Wir reden alle über Longevity und Biohacking, aber unser Körper ist immer noch auf Jäger und Sammler gebaut. Wir brauchen moderate Alltagsbewegung, Krafttraining und ab und zu intensivere Belastungen. Der Verlust von Muskeln, Osteoporose und ein schwaches Herz-Kreislauf-System sind die Dinge, die einen guten Lebensabend wirklich gefährden. Dem muss man durch Training vorbeugen.

Wenn der Schlaf im Eimer ist, hat der Rest keine Chance.

Wo liegt der Unterschied zwischen Biohacking und Longevity? Longevity hat das einfachere Versprechen: möglichst vital alt werden. Biohacking ist eher selbstverantwortetes Gesundheitsmanagement – also die Frage: Was funktioniert bei mir nicht, und wie kann ich es verbessern? Longevity nutzt viele Ideen aus dem Biohacking, macht sie aber zugänglicher für die breite Masse.

Viele Menschen messen heute Schlaf, Blutzucker oder Herzfrequenz. Wann helfen Daten – und wann machen sie verrückt? Die Frage ist immer: Was messe ich, wann und warum? Wenn jemand sagt, er schlafe schlecht, kann er erst einmal zwei Wochen lang morgens notieren, wie er sich fühlt. Wenn da lauter traurige Gesichter stehen, kann ein Wearable sinnvoll sein. Wenn jemand gut schläft, muss man nicht zwanghaft messen. Ich bin Fan von Messen, wenn man eine Baseline braucht, dann etwas verändert und anschließend überprüft, ob es wirkt. Aber nicht jeder muss ständig alles tracken.

Welche Biohacking-Trends hältst du für überschätzt? Alles, was nur interessant klingt, weil ein Influencer es empfiehlt. Gesundheit ist auch eine Konsumindustrie. Außerdem Industrienahrung. Essen sollte natürlich und nicht hochverarbeitet sein.

Gibt es Risiken im Biohacking? Natürlich. Man kann sich mit allem schaden, sogar mit Wasser. Problematisch kann es werden, wenn etwa Menschen, die mal eine Essstörung hatten, wieder in alte Muster rutschen. Oder wenn Supplements ohne Qualitätskontrolle gekauft werden. Deshalb sollte man auf seriöse Marken achten, auf gute Labore, auf saubere Produktion. Lieber weniger kaufen, dafür hochwertig.

Kann auch Perfektion zum Risiko werden? Ja. Die Wahrscheinlichkeit, gesund und glücklich alt zu werden, ist gering, wenn man sozial isoliert und unglücklich ist. Wenn jemand für seinen optimalen Schlafwert nicht mehr mit einem geliebten Menschen das Schlafzimmer teilen möchte, läuft etwas falsch.

Ist Biohacking für dich mehr Spaß oder mehr Disziplin? Es geht darum, zu verstehen, wie der Körper funktioniert. Wenn ich das kapiere, habe ich Freude daran, ihn gut zu bedienen. Disziplin wird nie die Lösung sein. Verständnis ist die Lösung.

Factbox:

Andreas Breitfeld arbeitet als Biohacker und Experte für selbstverantwortetes Gesundheitsmanagement. Sein Lieblingsessen ist ein gutes Steak mit Gemüse – aber nur in Bio-Qualität.

25. Jun 2026

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Gesundheit

Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung –Ein Beitrag von Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie

Denn moderne Medizintechnik liefert genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. Unser Problem in Deutschland ist: sektorale Strukturen, tradierte Vergütungssysteme und uneinheitliche Vorgaben bremsen die digitale Transformation bislang aus. Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate und -sicherheit verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Die Nutzung von Daten ist das Kernelement, das digitale Versorgung in allen Sektoren und Situationen kennzeichnet. Dabei kann die Nutzung der Daten sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind: - die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten und Informationen aus der Patientenhistorie, - das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes anhand von kontinuierlich erhobenen Daten aus Sensoren oder anderen Messgeräten, - das situationsbezogene Management anhand von Alarmen bzw. Meldungen, - die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services sowie für Training, Validierung und Einsatz von KI, - die Nutzung von Daten für Digital Twin-Ansätze oder - die Nutzung von Daten für Training, Schulung, Weiterbildung. Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind. **Aus Sicht der MedTech-Branche fordern wir:** - In einem neuen Primärversorgungssystem sollte die digitale Ersteinschätzung so entwickelt werden, dass künftig auch Echtzeitdaten für eine valide Ersteinschätzung genutzt werden können. - Für „Digital Twin-Technologien“ sollten pseudonymisierte Behandlungsdaten nutzbar gemacht werden. Denn Simulationen anhand von vorhandenem Bildmaterial können invasive Diagnostik verhindern oder Therapieschritte vorbereiten. - Das Einwilligungsmanagement zur Datennutzung im Behandlungsablauf sollte bundesweit vereinheitlicht werden und auf einer einheitlichen Interpretation der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) basieren. - Für die Verbesserung von Produkten und Services braucht die Industrie Zugang zu Gesundheitsdaten und teilt selbst auch ihre Daten. Dabei sind allerdings IP-Rechte zu beachten, gerade bei Medizinprodukten. - Unser Appell: Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen. ## Zum Autor: Dr. Marc-Pierre Möll ist seit April 2019 Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie e. V. in Berlin sowie Geschäftsführer der BVMed-Akademie. Er ist zudem Mitglied des BVMed-Vorstands.