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25. Jun 2026

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Gesundheit

Warum die digitale Versorgung stockt – mit Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland

Journalist: Thomas Soltau

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Foto: Presse, Getty Images/unsplash

Von der Prävention bis zur Nachsorge: Digitale Lösungen entfalten ihren Nutzen erst, wenn sie die Versorgung spürbar verbessern. Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland, spricht über Daten, KI und eine stärker patientenzentrierte Gesundheitsversorgung.

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Dorothee Brakmann, Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland

Wie verändert die Digitalisierung die Verantwortung der pharmazeutischen Industrie entlang der gesamten Patientenreise? Wenn digitale Tools sichtbar machen, ob eine Therapie unter realen Bedingungen wirkt, werden Pharmaunternehmen immer stärker zum Partner in der Versorgungsgestaltung. Dazu gehören auch verständliche, digitale Informationen, Unterstützung bei der Einnahme und das Auswerten von Versorgungsdaten.

Warum scheitert die digitale Vernetzung im Versorgungsalltag an solchen Übergängen? Daten werden in Praxisverwaltungssoftware, Krankenhaus‑IT, Apothekensystemen und Spezialportalen noch zu oft getrennt gehalten. Solange solche Insellösungen die Regel sind, bleibt der Patient der „Datenträger“, der seine Therapieinformationen selbst von Station zu Station trägt. Das ist gerade bei komplexen Arzneimitteltherapien ein immer wiederkehrendes Problem.

Wo erlebt die pharmazeutische Industrie, dass die Bedürfnisse der Patienten zu selten Ausgangspunkt der Digitalisierung des Gesundheitswesens sind? Aus Patientensicht geht es bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens um sehr naheliegende Fragen: Verstehe ich meine Therapie besser? Gibt es Studien, die für mich in Frage kommen? Wie und wo finde ich verlässliche Informationen und wie sollen aus meiner Sicht erhobene Daten genutzt werden? Nur wenn diese Fragen als Ausgangspunkt genommen werden, entstehen Anwendungen, die von Routinen entlasten und die Qualität der Arzneimitteltherapie verbessern.

Wir reden viel über Zugriffsrechte und zu wenig darüber, wie viele Leben bessere Datenqualität, bessere Register und eine moderne Nutzung von Gesundheitsdaten retten könnten.

Deutschland diskutiert intensiv über Gesundheitsdaten. Wird dabei aus Ihrer Sicht zu defensiv gedacht? Wir reden viel über Zugriffsrechte und zu wenig darüber, wie viele Leben bessere Datenqualität, bessere Register und eine moderne Nutzung von Gesundheitsdaten retten könnten. Dazu brauchen wir klare einheitliche Vorgaben, die Datenschutz und -Sicherheit gewährleisten können und gleichzeitig die verantwortungsvolle Nutzung von Daten für Innovation und Versorgung ausdrücklich möglich macht.

Die elektronische Patientenakte (ePA) wird politisch stark vorangetrieben. Warum fehlt vielen Menschen trotzdem noch das Gefühl, dass digitale Versorgung ihren Alltag verbessert? Auch weil sich im Alltag vieler Menschen bislang wenig ändert, die ePA ist noch keine Erfolgsgeschichte. Aktuelle Umfragen aus dem Pharma Deutschland Gesundheitsmonitor zeigen, dass 81% der deutschlandweit Befragten die ePA kennen, aber nur 23,4% sie auch nutzen. Und solange Patienten keine konkreten niederschwelligen Vorteile erleben, wird sich an der Zurückhaltung auch nicht viel ändern.

Welche Rolle werden digitale Begleitangebote rund um Therapien künftig für Therapieerfolg und Adhärenz spielen? Digitale Begleitangebote können helfen, komplexe Behandlungsschemata verständlich zu machen; sie erinnern an die Einnahme und unterstützen bei der Dokumentation von Beschwerden und auch Verbesserungen während einer Therapie. Perspektivisch werden solche Angebote integraler Bestandteil vieler Therapiekonzepte sein und optimalerweise mit ePA, E-Rezept und Praxissoftware verknüpft.

Wird die Digitalisierung im Gesundheitswesen derzeit zu technikgetrieben diskutiert und zu wenig aus Sicht der Versorgungspraxis? Ja, wir diskutieren zu oft über Tools und zu selten über die Realität in den Praxen, Kliniken und Apotheken. Aus unserer Sicht muss deshalb jede digitale Lösung an einer konkreten Versorgungssituation ansetzen: Entlastet sie das Team, macht sie Therapien sicherer, verbessert sie die Zusammenarbeit?

25. Jun 2026

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Gesundheit

Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung –Ein Beitrag von Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie

Denn moderne Medizintechnik liefert genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. Unser Problem in Deutschland ist: sektorale Strukturen, tradierte Vergütungssysteme und uneinheitliche Vorgaben bremsen die digitale Transformation bislang aus. Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate und -sicherheit verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Die Nutzung von Daten ist das Kernelement, das digitale Versorgung in allen Sektoren und Situationen kennzeichnet. Dabei kann die Nutzung der Daten sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind: - die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten und Informationen aus der Patientenhistorie, - das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes anhand von kontinuierlich erhobenen Daten aus Sensoren oder anderen Messgeräten, - das situationsbezogene Management anhand von Alarmen bzw. Meldungen, - die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services sowie für Training, Validierung und Einsatz von KI, - die Nutzung von Daten für Digital Twin-Ansätze oder - die Nutzung von Daten für Training, Schulung, Weiterbildung. Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind. **Aus Sicht der MedTech-Branche fordern wir:** - In einem neuen Primärversorgungssystem sollte die digitale Ersteinschätzung so entwickelt werden, dass künftig auch Echtzeitdaten für eine valide Ersteinschätzung genutzt werden können. - Für „Digital Twin-Technologien“ sollten pseudonymisierte Behandlungsdaten nutzbar gemacht werden. Denn Simulationen anhand von vorhandenem Bildmaterial können invasive Diagnostik verhindern oder Therapieschritte vorbereiten. - Das Einwilligungsmanagement zur Datennutzung im Behandlungsablauf sollte bundesweit vereinheitlicht werden und auf einer einheitlichen Interpretation der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) basieren. - Für die Verbesserung von Produkten und Services braucht die Industrie Zugang zu Gesundheitsdaten und teilt selbst auch ihre Daten. Dabei sind allerdings IP-Rechte zu beachten, gerade bei Medizinprodukten. - Unser Appell: Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen. ## Zum Autor: Dr. Marc-Pierre Möll ist seit April 2019 Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie e. V. in Berlin sowie Geschäftsführer der BVMed-Akademie. Er ist zudem Mitglied des BVMed-Vorstands.