16. Jul 2026
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Gesundheit
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Foto: Uwe Klössing
Letztens beobachtete ich eine Familie in einem Restaurant mit zwei Kindern. Die Kinder hatten jeweils eine Cola und eine große Portion Pommes vor sich. Eigentlich eine schöne Szene, weil alle fröhlich wirkten, und genau das hat mich beunruhigt. Denn bei den Kindern wurde gerade das Belohnungssystem für die nächsten dreißig Jahre trainiert.
Zucker und Fett machen glücklich, aber sie werden die gesunde Lebensspanne voraussichtlich erheblich verkürzen. Gesundheit entsteht im Alltag, in Momenten, die völlig harmlos aussehen. In Kantinen, Schulen, Supermärkten, am Esstisch zu Hause. Das Gesundheitssystem kommt erst später ins Spiel, wenn sich aus harmlosen Gewohnheiten handfeste Probleme entwickelt haben.
Der Mensch hat physiologisch eine mögliche Lebensspanne von rund 120 Jahren. Wir schaffen in Deutschland derzeit gerade mal achtzig. Die gesunde Lebensphase, die Healthspan, endet für die meisten bereits schon Mitte fünfzig. Nur vierzehn Prozent der Menschen über 55 leben ohne chronische Erkrankung. Der Rest plagt sich mit mindestens zwei chronischen Erkrankungen, die sich über Jahrzehnte aufgebaut haben. Selbst Krebs ist nicht unbedingt schicksalbedingt. Das Register des Deutschen Krebsforschungszentrums zeigt, dass 37 % aller Krebserkrankungen auf den persönlichen Lebensstil zurückzuführen sind.
Unser Gesundheitssystem repariert das gewissenhaft, teuer und meistens zu spät. Darin sind wir in Deutschland richtig gut. Unsere Reparaturmedizin ist Spitzenklasse. Das lässt sich unser Gesundheitssystem jährlich ca. 500 Milliarden Euro kosten. Die Prävention bleibt leider auf der Strecke. Weniger als 1 % unserer Gesundheitskosten fließen in Vorsorge, vielleicht weil sich Prävention schlecht abrechnen lässt. Das ist ein Systemfehler, den wir seit Jahrzehnten kennen und hinnehmen.
Aber länger gesund zu bleiben ist kein Luxus und auch nicht ausschließlich eine Frage der Gene. Es ist eine Frage des Bewusstseins.
Longevity ist für mich die Chance, das zu ändern. Als echte Verschiebung in unserem Denken über Gesundheit und Eigenverantwortung. Die Forschung der letzten zwanzig Jahre ist eindeutig. Unsere genetische Ausstattung ist nur zu etwa 20 % für unsere Lebenserwartung verantwortlich. Den größten Anteil an einem langen und gesunden Leben haben wir durch unsere Lebensumstände und unseren Lebensstil maßgeblich selbst in der Hand. Ernährung, Bewegung, Schlaf, Stressregulation, soziale Einbindung und kognitive Aktivität wirken alle auf Zellebene, und das lässt sich messen. Diese Beilage zeigt in zwölf Themenbereichen, was das konkret bedeutet, vom Alltag bis zur Spitzenmedizin, von persönlichen Routinen bis zu den Blue Zones, jenen Regionen der Welt, wo langes gesundes Leben kein Zufall ist, sondern gelebter Alltag.
Die entscheidende Frage ist, ob Longevity ein weiterer Trend bleibt oder ob es unser Denken über Gesundheit wirklich verändert. Ich wünsche mir das Zweite. Die 120 Jahre werden die wenigsten von uns erreichen. Aber länger gesund zu bleiben ist kein Luxus und auch nicht ausschließlich eine Frage der Gene. Es ist eine Frage des Bewusstseins. Wer versteht, was täglich im eigenen Körper passiert und warum, hat bereits den wichtigsten Schritt gemacht. Alles andere folgt daraus.