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25. Jun 2026

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Gesundheit

Bessere Diagnosen beginnen mit Vertrauen – mit Johanna Schmidhuber, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Trustworthy Digital Health am Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme IKS

Journalist: Thomas Soltau

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Foto: Getty Images/unsplash, Presse

Künstliche Intelligenz analysiert Bilder, strukturiert Daten und verspricht bessere Diagnosen. Gleichzeitig wächst die Skepsis. Wer versteht, wie diese Systeme entscheiden? Und was passiert, wenn sie falsch liegen? Johanna Schmidhuber, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Trustworthy Digital Health am Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme IKS, über verlässliche medizinische KI – und wo sie riskant wird.

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Johanna Schmidhuber, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Trustworthy Digital Health am Fraunhofer-Institut für Kognitive Systeme IKS

Frau Schmidhuber, wann ist medizinische KI vertrauenswürdig, und wann wird sie gefährlich? Vertrauenswürdig ist KI nur, wenn ihre Ergebnisse nachvollziehbar sind und auf sauberen, repräsentativen Daten basieren. KI muss zuverlässig, transparent und unter menschlicher Aufsicht arbeiten. Problematisch wird es, wenn Systeme scheinbar überzeugende Antworten liefern, ohne ihre Grundlage und Quellen offenzulegen. Das Risiko ist nicht nur die KI, sondern auch der Mensch, der ihr zu schnell vertraut.

Viele Anwendungen wirken überzeugend. Was ist der größte Trugschluss im Umgang mit medizinischer KI? Viele KI-Anwendungen bewähren sich heute schon im Einsatz, etwa in der Radiologie. Voraussetzung ist aber, dass überzeugend wirkende Ergebnisse nicht automatisch für richtig gehalten werden. Ein System kann leistungsfähig erscheinen und dennoch systematische Fehler enthalten. Wenn bestimmte Gruppen in den Trainingsdaten unterrepräsentiert sind, überträgt sich dieses Ungleichgewicht auf die Resultate. Das Problem ist: Verzerrungen sind oft erst sichtbar, wenn man den Datensatz gezielt daraufhin analysiert. Genau daran arbeiten wir am Fraunhofer IKS.

Wie lässt sich diese Unsicherheit konkret kontrollieren? Indem man KI-Systeme vor allem erklärbar macht und konsequent überprüft – vor dem Einsatz und im Alltag. In der medizinischen Bildanalyse lässt sich beispielsweise markieren, welche Bereiche eines MRTs oder CTs für die KI-Einschätzung entscheidend waren. Fachkräfte erkennen dann, ob die KI relevante Strukturen bewertet oder sich täuscht. Zusätzlich braucht es Tests unter realen Bedingungen. Erst im Zusammenspiel mit ärztlicher Erfahrung zeigt sich, ob ein System zuverlässig arbeitet.

Vertrauenswürdig ist KI nur, wenn ihre Ergebnisse nachvollziehbar sind und auf sauberen, repräsentativen Daten basieren.

Ein besonders kritischer Punkt ist die Frauengesundheit. Was kann KI hier besser machen? Viele medizinische Standards basieren historisch auf männlichen Daten. Beim Herzinfarkt etwa gelten Brustschmerz und ausstrahlender Schmerz im Arm als typische Symptome. Frauen zeigen aber häufig andere Anzeichen wie Übelkeit oder Erschöpfung. Die Folge: Herzinfarkte werden bei Frauen oft schlechter oder später erkannt. Geschlechterspezifische Unterschiede wurden lange unterschätzt. KI kann helfen, diese zu erkennen, und ermöglicht individuelle Diagnosen. Voraussetzung dafür ist, dass Datensätze ausgewogen sind. Sonst verstärkt die Technologie genau die Verzerrungen, die sie eigentlich beheben soll.

Wer trägt die Verantwortung, wenn eine KI eine falsche Empfehlung gibt? Und wie verändert das die Medizin der nächsten Jahre? Die medizinische Verantwortung liegt beim Arzt oder der Ärztin. KI liefert Hinweise, aber keine Entscheidungen. Gleichzeitig tragen Entwickler eine große Verantwortung, Systeme so zu gestalten, dass sie verlässlich arbeiten. Das braucht klare Qualitätskriterien, intensive Tests und eine Überwachung im Einsatz. In Zukunft wird sich der Einsatz ausweiten. KI wird zunehmend dabei helfen, Risiken früh zu erkennen und die Verwaltung zu entlasten. Entscheidend ist, dass wir nur KI-Systeme einsetzen, die zuverlässig funktionieren. Daraus entsteht Vertrauen – die Grundlage für die Akzeptanz von KI.

25. Jun 2026

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Gesundheit

Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung –Ein Beitrag von Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie

Denn moderne Medizintechnik liefert genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. Unser Problem in Deutschland ist: sektorale Strukturen, tradierte Vergütungssysteme und uneinheitliche Vorgaben bremsen die digitale Transformation bislang aus. Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate und -sicherheit verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Die Nutzung von Daten ist das Kernelement, das digitale Versorgung in allen Sektoren und Situationen kennzeichnet. Dabei kann die Nutzung der Daten sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind: - die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten und Informationen aus der Patientenhistorie, - das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes anhand von kontinuierlich erhobenen Daten aus Sensoren oder anderen Messgeräten, - das situationsbezogene Management anhand von Alarmen bzw. Meldungen, - die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services sowie für Training, Validierung und Einsatz von KI, - die Nutzung von Daten für Digital Twin-Ansätze oder - die Nutzung von Daten für Training, Schulung, Weiterbildung. Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind. **Aus Sicht der MedTech-Branche fordern wir:** - In einem neuen Primärversorgungssystem sollte die digitale Ersteinschätzung so entwickelt werden, dass künftig auch Echtzeitdaten für eine valide Ersteinschätzung genutzt werden können. - Für „Digital Twin-Technologien“ sollten pseudonymisierte Behandlungsdaten nutzbar gemacht werden. Denn Simulationen anhand von vorhandenem Bildmaterial können invasive Diagnostik verhindern oder Therapieschritte vorbereiten. - Das Einwilligungsmanagement zur Datennutzung im Behandlungsablauf sollte bundesweit vereinheitlicht werden und auf einer einheitlichen Interpretation der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) basieren. - Für die Verbesserung von Produkten und Services braucht die Industrie Zugang zu Gesundheitsdaten und teilt selbst auch ihre Daten. Dabei sind allerdings IP-Rechte zu beachten, gerade bei Medizinprodukten. - Unser Appell: Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen. ## Zum Autor: Dr. Marc-Pierre Möll ist seit April 2019 Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie e. V. in Berlin sowie Geschäftsführer der BVMed-Akademie. Er ist zudem Mitglied des BVMed-Vorstands.