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30. Apr 2026

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Gesundheit

Ewigkeits-Schadstoffe im Leitungswasser

Journalist: Hauke Brost

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Foto: Bluewater Sweden/unsplash

Auch wenn man Leitungswasser getrost trinken kann: Winzige Rückstände von Chemikalien sind immer drin und bleiben im Körper. Das kann krank machen.

Die gute Nachricht zuerst: Unser Leitungswasser ist von sehr guter Qualität. Je nach Messmethode landet es in allen Untersuchungen weltweit unter den besten zehn (z. B. Platz 8 im „Water Quality Index“) oder sogar auf Platz 1 („EPI-Index“). Strenge EU-Gesetze, modernste Technologie bei der Aufbereitung des Trinkwassers und eine im internationalen Vergleich recht saubere Umwelt sorgen dafür, dass wir überall in Deutschland getrost einen kräftigen Schluck aus der Leitung nehmen können: Das macht nicht krank.

Probleme gibt es trotzdem, und die sind nicht zu unterschätzen. Immer häufiger warnen Wissenschaftler vor sogenannten „Ewigkeits-Chemikalien“, die sich im Wasser festsetzen und die Behörden und Verbraucher vor große Probleme stellen. Sie werden etwas sperrig abgekürzt: PFAS und TFA heißen die Schadstoffe, die man weder schmeckt noch sieht und nur mit sehr aufwendigen Messmethoden nachweisen kann. Was sind das für Chemikalien?

Wenn wir eine Pfanne benutzen, in der nichts festbackt und sich alles leicht lösen lässt. Wenn wir wasserdichte Outdoor-Kleidung tragen. Wenn wir frische Lebensmittel in praktischer Verpackung kaufen oder wenn irgendwo Lösch-Schaum eingesetzt werden muss: Immer dann sind industriell-hergestellte Chemikalien im Spiel, die in der Umwelt nicht abgebaut werden können. Theoretisch wären sie noch in einer Million Jahren nachweisbar, daher der Name „Ewigkeits-Chemikalien“.

Immer häufiger warnen Wissenschaftler vor sogenannten „Ewigkeits-Chemikalien“, die sich im Wasser festsetzen und die Behörden und Verbraucher vor große Probleme stellen.

Sie machen uns zwar das Leben leichter, werden seit Jahrzehnten eingesetzt – aber sie haben Nebenwirkungen, die Wissenschaftler zunehmend kritisch sehen. Einige dieser künstlichen Chemikalien können offenbar die Entstehung von Krebs fördern. Andere schwächen das Immunsystem. Sie werden für geringere Fruchtbarkeit und für hormonelle Veränderungen verantwortlich gemacht. Selbst kleinste Mengen von PFAS und TFA können sich im menschlichen Körper ansammeln und dort für immer verbleiben.

In den Boden bzw. ins Grundwasser gelangen die nicht ungefährlichen Chemikalien durch Industrieabwässer, Kläranlagen und Deponien; TFA kann zusätzlich durch bestimmte chemische Prozesse in der Atmosphäre entstehen und dann mit Regenwasser vermischt werden. Was tun? Wie hoch die Belastung beim eigenen Trinkwasser ist, sollten die örtlichen Wasserwerke wissen. Bei PFAS liegt der EU-weit erlaubte Grenzwert durchschnittlich bei 500 Nanogramm pro Liter (bei einigen besonders relevanten auch weit darunter); das Umweltbundesamt empfiehlt jedoch noch niedrigere Grenzwerte. Im eigenen Haushalt sind z. B. Wasseraufbereiter mit Aktivkohlefilter keine schlechte Idee, obwohl sie nicht gegen alle Stoffe gleich gut wirken. Sogenannte Umkehrosmose-Anlagen gelten als besonders effektiv, weil sie selbst kleinste Moleküle aus dem Wasser filtern können. Sie sind jedoch teurer und sollten regelmäßig gewartet werden.

Ein höchst willkommener Effekt bei zentral eingebauten hochwertigen Wasseraufbereitern z. B. in Einfamilienhäusern ist, dass sie das Wasser gleichzeitig entkalken. Dadurch erhöht sich nämlich auch die Lebensdauer von Waschmaschine, Geschirrspüler & Co.

In den Boden bzw. ins Grundwasser gelangen die nicht ungefährlichen Chemikalien durch Industrieabwässer, Kläranlagen und Deponien.

Factbox

Die Abkürzung PFAS steht für „per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen“. Es ist sozusagen der Oberbegriff für industriell-hergestellte Chemikalien. TFA bedeutet „Trifluoressigsäure“, ein Abbauprodukt bestimmter PFAS. TFA ist sehr gut wasserlöslich und gelangt dadurch besonders leicht ins Trinkwasser.