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30. Apr 2026

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Gesellschaft

Digitalisierung und Smart Home als Chance für eine smarte und sichere Zukunft – Ein Beitrag von Norman Bartusch, Geschäftsführer der SmartHome Initiative Deutschland e. V.

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Foto: Presse

Die Digitalisierung verändert unser Leben grundlegend. Dort, wo digitale Prozesse fehlen, wird dies besonders sichtbar – sei es durch mangelhafte Infrastruktur oder langsame Umsetzung. Ein Blick in andere Länder zeigt, was möglich ist: Digitales Bezahlen oder umfassende Online-Services sind dort längst Realität.

In Deutschland gibt es Nachholbedarf, vor allem in wichtigen Lebensbereichen wie Wohnen, Pflege und Sicherheit. Gerade im Smart Home-Bereich zeigt sich, wie digitale Technologien unsere alternde Gesellschaft unterstützen können. Technische Assistenzsysteme ermöglichen es älteren Menschen, länger selbstbestimmt in ihrem Zuhause zu leben – eine dringend benötigte Lösung angesichts fehlender Pflegekräfte und Einrichtungen. Oft reichen einfache intelligente Systeme, um spürbare Verbesserungen zu erzielen.

Der Fortschritt durch KI-Tools wie ChatGPT treibt diese Entwicklungen voran. KI kann bereits programmieren und wird Prozesse weiter beschleunigen. Die zunehmende Komplexität der Technik bringt jedoch neue Herausforderungen: Datenschutz und Cybersicherheit müssen mit der rasanten Entwicklung Schritt halten. Es braucht nicht nur angepasste, sondern grundlegend neu gedachte Regularien.

Ein wesentlicher Hebel ist die digitale Kompetenz der Nutzenden. Viele Menschen verzichten aus Bequemlichkeit oder Unwissenheit auf Sicherheitsupdates, nutzen unsichere Passwörter oder unterschätzen die Bedeutung von Datenverschlüsselung. Dabei muss der Schutz digitaler Geräte genauso selbstverständlich sein wie das Abschließen der Haustür. Besonders wichtig ist Aufklärung: Ehrenamtliche Technikbotschafter, wie sie in einigen Regionen bereits aktiv sind, helfen Menschen, Berührungsängste mit digitalen Technologien abzubauen und sie produktiv zu nutzen.

Die Digitalisierung ist kein Selbstzweck – sie ist ein Schlüssel zu mehr Lebensqualität und Sicherheit. Entscheidend sind neben technischen Innovationen auch kluge Regularien, die Förderung digitaler Kompetenzen und ein breiter Zugang zu Technologien.

Digitale Technologien kennen keine Branchengrenzen. Von Gesundheitsdaten aus Smartwatches bis hin zu automatisierten Notfallmaßnahmen in intelligenten Wohnungen: Die Potenziale sind enorm. Smart Home-Systeme überwachen die Luftqualität, erkennen Wasserschäden oder alarmieren Helfer bei Stürzen. Moderne Wohnungen können Türen entriegeln, um Rettungskräfte hereinzulassen – Anwendungen, die Komfort und Sicherheit gleichermaßen erhöhen. Angst vor Missbrauch darf dabei nicht dominieren. Worst-Case-Szenarien aus Filmen sind selten realistisch. Ein Hacker wird sich eher auf sensible Bankdaten konzentrieren als auf das Lichtsystem im Smart Home. Mit gesunden Sicherheitsvorkehrungen überwiegen die Vorteile dieser Technologien.

Die Digitalisierung ist kein Selbstzweck – sie ist ein Schlüssel zu mehr Lebensqualität und Sicherheit. Entscheidend sind neben technischen Innovationen auch kluge Regularien, die Förderung digitaler Kompetenzen und ein breiter Zugang zu Technologien. Wenn wir diese Chancen verantwortungsvoll nutzen, schaffen wir eine smarte und sichere Zukunft.

2. Jul 2026

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Gesellschaft

Deutschland in einer neuen sicherheitspolitischen Realität – Ein Beitrag von Dr. Hans Christoph Atzpodien, Hauptgeschäftsführer, BDSV

Liebe Leserinnen und Leser, „Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind auch nicht mehr im Frieden“. Diesen Satz des Generalinspekteurs Carsten Breuer haben sich inzwischen auch Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius zu eigen gemacht. Er beschreibt eine neue sicherheitspolitische Realität, mit der wir uns auch im fünften Kriegsjahr der russischen Vollinvasion auf die Ukraine konfrontiert sehen und die Grundlage für unser sicherheitspolitisches Handeln sein muss. Der Zwischenzustand, der unserem Land damit attestiert wird, ist in dieser Form im Grundgesetz jedenfalls nicht vorgesehen. Unsere Verfassung unterscheidet zwischen Friedenszustand, dem Spannungsfall als Vorstufe des Verteidigungsfalls, die bereits die Anwendung bestimmter Notstandsrechtsvorschriften ermöglicht und dem eigentlichen Verteidigungsfall. Letzterer tritt nach Artikel 115a Grundgesetz dann ein, wenn das Staatsgebiet mit Waffengewalt angegriffen wird oder ein solcher Angriff unmittelbar droht. Nach Analysen der NATO besteht das Ziel, unsere Streitkräfte spätestens bis zum Jahr 2029 rundherum abschreckungs- und verteidigungsfähig auszustatten. Dieses Ziel muss darüber hinaus mit einer umfassenden Befähigung zur Gesamtverteidigung im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Resilienz einhergehen. Schon heute erleben wir ständige hybride Angriffe in der Form von Drohnenüberflügen, Cyber-Attacken oder Desinformationskampagnen, die bestimmten staatlichen Akteuren zugeordnet werden. >Nach Analysen der NATO besteht das Ziel, unsere Streitkräfte spätestens bis zum Jahr 2029 rundherum abschreckungs- und verteidigungsfähig auszustatten. Hieraus ergeben sich zweierlei Schlussfolgerungen: Erstens: Um unserem Beitrag in diesem Prozess – wie der NATO versprochen – zu erfüllen, wollen wir schon im Jahr 2029 ca. 3,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Verteidigung sowie perspektivisch weitere 1,5 % des BIP für militärisch-relevante Infrastrukturmaßnahmen ausgeben. Rechnet man diese Ausgaben zusammen, so machen diese im Jahr 2029 40 % unseres Bundeshaushaltes aus. Allein in den Verteidigungsbudgets der Jahre 2025 bis 2029 sind kumuliert ca. 200 Milliarden Euro nur für Rüstungsausgaben geplant. Kurz: Es geht also um gewaltige Summen, die unsere Volkswirtschaft als Ganzes fordern. Zweitens benötigen wir ein umfassendes Verständnis der Sicherheits- und Resilienz-Notwendigkeiten in unserer Gesellschaft. Die Gewährleistung von Sicherheit ist die zentrale Querschnittsaufgabe unserer Zeit, die jeden und jede von uns betrifft: im Bevölkerungsschutz, beim Schutz kritischer Infrastrukturen, über Bedrohungen zu Lande, zu Wasser, in der Luft sowie im Cyberraum. Jeder Sektor ist gefragt, hier einen Beitrag leisten. In der Politik schließlich müssen diese Anstrengungen koordiniert und verzahnt werden. Dokumente wie die Nationale Sicherheitsstrategie oder die unlängst vorgestellte Militärstrategie sind der notwendige Ausfluss dieser Anstrengungen. Im BDSV wird dieser umfassende Sicherheitsbegriff seit unserer Gründung im Jahr 2009 konsequent gelebt. In unserem Verband sind alle Ausrüster staatlicher Sicherheitsbehörden willkommen und vereint. Über die Plattform SVI-Connect, die wir gemeinsam mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik ins Leben gerufen haben, leisten wir seit Jahresbeginn zudem einen Beitrag zur Verzahnung klassischer Rüstungsunternehmen mit neuen, bislang überwiegend zivilen Zulieferern – zum Vorteil beider Seiten. Nicht zuletzt deshalb ist Deutschland auf gutem Weg, seine selbstgesteckten Ziele in der Zeitenwende zu erreichen. Die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie tut alles in ihrer Macht Stehende, um hier ihren Beitrag zu leisten.