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14. Mär 2022

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Gesundheit

Dr. Christa Maar: „Politik muss mehr für Prävention und Vorsorge von Krebs tun!“

Journalist: Thomas Soltau

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Foto: Felix Burda Stiftung

Das Ziel der Felix Burda Stiftung ist, möglichst rasch die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen und Todesfälle von Darmkrebs abzusenken. Stiftungsgründerin Dr. Christa Maar erklärt im Interview, wie dies erreicht werden kann und welche Hürden dem gegenwärtig entgegenstehen.

Die Felix Burda Stiftung wurde 2001 von Ihnen und Verleger Prof. Dr. Hubert Burda gegründet. Wenn Sie auf Ihre 20-jährige Arbeit für die Darmkrebsvorsorge zurückblicken: Welche Erfolge sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Dass es uns gelungen ist, Darmkrebs zum Thema zu machen. Vor 20 Jahren war es ein Tabuthema, über das in der Öffentlichkeit nicht gesprochen wurde. Auch für die Medien war es kein Thema. Entsprechend gering war das Wissen selbst bei Menschen, die an Darmkrebs erkrankt waren oder bei denen es Fälle von Darmkrebs in der Familie gab. Bei meinem Sohn Felix wurde im Jahr 1999 ein fortgeschrittener Darmkrebs diagnostiziert.

Wir hatten keine Ahnung, dass es in der Familie ein erhöhtes Risiko für diese Krebserkrankung gab, da Ärzte nie danach gefragt hatten. Wenn wir davon Kenntnis gehabt hätten, hätten wir gewusst, dass Felix bereits im Alter von 25 Jahren mit der Vorsorge hätte beginnen müssen.

Damals haben wir sehr schnell realisiert, dass wir es mit einem kommunikativen Problem zu tun haben. Die Stiftung hat sich deshalb von Anfang das Ziel gesetzt, Menschen besser zu informieren und zur Teilnahme an Darmkrebsvorsorge zu motivieren. Im März 2002 haben wir dann den ersten Darmkrebsmonat in Deutschland etabliert. Dadurch hat das Thema Darmkrebsvorsorge zum ersten Mal ein breites Echo in der Öffentlichkeit erhalten und war in einer Vielzahl ganz unterschiedlicher Medien präsent.

Auch das Gesundheitssystem wurde langsam auf das Thema Darmkrebsvorsorge aufmerksam. Ein halbes Jahr nach Ende des ersten Darmkrebsmonats wurde die gesetzliche Vorsorgedarmspiegelung für alle Versicherten ab dem Alter von 55 Jahren eingeführt.

Auf welchen Wegen erreicht die Stiftung Menschen und sensibilisiert sie für das wichtige Thema?

Wir versuchen auf vielen Ebenen, das Thema locker und unverkrampft rüberzubringen. Wir bespielen unterschiedliche Social-Media-Kanäle und entwickeln neue Ideen für unsere Werbespots und Anzeigenkampagnen. In diesem Jahr steht das Thema eingeschränkte Gesundheitskompetenz im Mittelpunkt. Studien der Universität Bielefeld belegen, dass ca. 59 % der deutschen Bevölkerung lediglich über eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz verfügen. Das heißt, sie können schlecht lesen und schreiben und haben Schwierigkeiten damit, Gesundheitsinformationen zu verstehen und auf sich zu beziehen. Das deutsche Gesundheitssystem berücksichtigt dies in seinen Informationsmaterialien leider nicht. Die Broschüre zur Darmkrebsvorsorge ist für Menschen mit eingeschränkter Gesundheitskompetenz bisher unverständlich und demotivierend.

Was erwarten Sie von der Politik, um das Thema Darmkrebsvorsorge nach vorn zu bringen?

Sie sollte möglichst rasch dafür Sorge tragen, dass der gesundheits-inkompetentere Teil der Bevölkerung nicht weiterhin von sinnvollen Vorsorgeprogrammen ausgegrenzt wird und dass Informationsbroschüren in einfacher Sprache und übersetzt in weitere Sprachen, die Menschen mit Migrationshintergrund berücksichtigen, für das Einladungssystem zur Darmkrebsvorsorge zur Verfügung stehen.

Ein weiteres Thema ist das familiäre Darmkrebsrisiko. Auch für familiär Betroffene gilt, dass sich Darmkrebs durch Vorsorge verhindern lässt. Dazu müssen Betroffene aber zunächst einmal wissen, dass sie ein famili res Risiko haben und deshalb früher als andere mit der Vorsorge beginnen sollten. Es ist höchste Zeit, Menschen mit famili rem Darmkrebsrisiko als gesonderte Risikogruppe anzuerkennen und ihnen eine risikoangepasste Darmkrebsvorsorge anzubieten.

Es gibt bereits Alternativen zu den bisher eingesetzten Früherkennungsverfahren. Welche sind das?

Ein deutscher Testhersteller bietet ein Smart Test-Verfahren an, das aus einem immunologischen Stuhltest und einer Smartphone-App besteht. In der Schweiz wurde von einer Forschergruppe ein Bluttest zur Früherkennung von Darmkrebs entwickelt, der offenbar mit einigem Erfolg bereits in einem Bundesland eingesetzt wird.

Was können wir von den Niederlanden für die Darmkrebsprävention lernen?

Viel. Sie haben zehn Jahre lang Vorstudien gemacht, bevor sie an die bevölkerungsweite Umsetzung gingen, und auch jetzt noch sind sie andauernd mit Anpassungen befasst, wenn sich irgendwo Fehler und Ungereimtheiten zeigen. Das ist ein modernes lernendes System, das kontinuierlich Teilnahmequoten von 70 Prozent produziert.

25. Jun 2026

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Gesundheit

Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung –Ein Beitrag von Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie

Denn moderne Medizintechnik liefert genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. Unser Problem in Deutschland ist: sektorale Strukturen, tradierte Vergütungssysteme und uneinheitliche Vorgaben bremsen die digitale Transformation bislang aus. Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate und -sicherheit verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Die Nutzung von Daten ist das Kernelement, das digitale Versorgung in allen Sektoren und Situationen kennzeichnet. Dabei kann die Nutzung der Daten sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind: - die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten und Informationen aus der Patientenhistorie, - das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes anhand von kontinuierlich erhobenen Daten aus Sensoren oder anderen Messgeräten, - das situationsbezogene Management anhand von Alarmen bzw. Meldungen, - die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services sowie für Training, Validierung und Einsatz von KI, - die Nutzung von Daten für Digital Twin-Ansätze oder - die Nutzung von Daten für Training, Schulung, Weiterbildung. Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind. **Aus Sicht der MedTech-Branche fordern wir:** - In einem neuen Primärversorgungssystem sollte die digitale Ersteinschätzung so entwickelt werden, dass künftig auch Echtzeitdaten für eine valide Ersteinschätzung genutzt werden können. - Für „Digital Twin-Technologien“ sollten pseudonymisierte Behandlungsdaten nutzbar gemacht werden. Denn Simulationen anhand von vorhandenem Bildmaterial können invasive Diagnostik verhindern oder Therapieschritte vorbereiten. - Das Einwilligungsmanagement zur Datennutzung im Behandlungsablauf sollte bundesweit vereinheitlicht werden und auf einer einheitlichen Interpretation der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) basieren. - Für die Verbesserung von Produkten und Services braucht die Industrie Zugang zu Gesundheitsdaten und teilt selbst auch ihre Daten. Dabei sind allerdings IP-Rechte zu beachten, gerade bei Medizinprodukten. - Unser Appell: Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen. ## Zum Autor: Dr. Marc-Pierre Möll ist seit April 2019 Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie e. V. in Berlin sowie Geschäftsführer der BVMed-Akademie. Er ist zudem Mitglied des BVMed-Vorstands.