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29. Jun 2020

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Business

„Ein mittelstandsfeindliches Gesetz“

Journalist: Chan Sidki-Lundius

Der AfW macht sich gegen Kabinettsbeschluss zur BaFin-Aufsicht stark.

Norman Wirth, AfW, Foto: Presse

Die Bundesregierung hat am 11. März 2020 den Gesetzentwurf zur Übertragung der Aufsicht über Finanzanlagenvermittler auf die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) beschlossen. Mit diesem Gesetz plant das Bundesfinanzministerium, den Bundesländern – und damit den Gewerbeämtern und Industrie- und Handelskammern – die ihnen bislang obliegende Aufsicht zu entziehen und zukünftig zentralistisch bei der Bundesbehörde anzusiedeln. Hierdurch sollen eine Vereinheitlichung und Qualitätssteigerungen bei der Aufsichtspraxis erfolgen. „Zu einer Zeit, in der gerade der Mittelstand extrem von den Auswirkungen der Corona-Pandemie getroffen wird, lehnen wir dieses mittelstandsfeindliche und verbraucherschädliche Gesetz vehement ab“, sagt der geschäftsführende Vorstand des Bundesverbands Finanzdienstleistung (AfW), Norman Wirth. Sollte das neue Gesetz kommen, erwartet der Rechtsanwalt einen starken Anstieg der Bürokratie sowie eine erhebliche zusätzliche Kostenbelastung für die unabhängigen Finanzdienstleister in Deutschland. „Zu befürchten ist, dass rund 75 Prozent von ihnen ihre Tätigkeit einstellen werden, vor allem in der Fläche, wo sich ja auch die Banken bekanntlich zunehmend zurückziehen“, unterstreicht Norman Wirth weiter. „In Summe bedeutet das, dass es für Mittelständler, aber auch kleinere Gewerbetreibende, nicht mehr viele Möglichkeiten geben wird, um sich in puncto Finanzen produktunabhängig und persönlich beraten zu lassen. Wenn es zum Beispiel um wichtige Fragen der betrieblichen Absicherung geht, sind die Angebote im Internet absolut keine Alternative zur persönlichen und unabhängigen Beratung.“ Wie das Gesetzgebungsverfahren nun weitergehen wird, bleibt abzuwarten. Ein Kompromiss zwischen den Koalitionspartnern, beziehungsweise eine schlanke und dienstleistungsorientierte Lösung im Sinne des AfW scheint aktuell nicht in Sicht zu sein.

Die Regulierung (Überregulierung) durch die Regierung ist Norman Wirth schon seit langem ein Dorn im Auge. „Zu viel Regulierung bedeutet nicht nur eine Schwächung der Finanzdienstleistungsbranche, sondern auch eine Schwächung des Mittelstands. Da werden in nächster Zeit voraussichtlich viele Unternehmen vom Markt verschwinden“, befürchtet er. Die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sei bereits ein hochsensibles Thema gewesen. Und auch die staatlich verordneten Hürden in Bezug auf das Wettbewerbsrecht und das neue Geldwäschegesetz seien so hoch geworden, dass diese durch viele Unternehmen fast nicht mehr zu stemmen seien.

2. Apr 2026

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Business

Daten als Fundament moderner Wertschöpfung – mit Andreas J. Wagner, Geschäftsführer von SAP Österreich

![Andreas Wagner Atelier Schulte 4 Kopie Onlinejpg.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/Andreas_Wagner_Atelier_Schulte_4_Kopie_Onlinejpg_ba179e5e36.jpg) ``` Andreas J. Wagner, Geschäftsführer von SAP Österreich ``` Moderne Wertschöpfungsnetzwerke bestehen aus eng verknüpften Prozessen in Planung, Beschaffung, Produktion und Logistik. Um diese komplexen Systeme besser steuern zu können, setzen Unternehmen zunehmend auf Plattformen, die Anwendungen, Daten und Prozesse über Organisationsgrenzen hinweg miteinander verbinden. So entstehen gemeinsame Datenräume, in denen Informationen aus unterschiedlichen Bereichen zusammengeführt und analysiert werden können. Zunehmend werden dafür standardisierte Datenprodukte aufgebaut, die Informationen strukturiert bereitstellen und für Analysen nutzbar machen. „Erst, wenn Daten aus verschiedenen Teilen der Wertschöpfung miteinander verknüpft sind, entsteht ein belastbares Gesamtbild“, sagt Andreas J. Wagner, Geschäftsführer von SAP Österreich. Datenmodelle und analytische Systeme helfen dabei, Zusammenhänge sichtbar zu machen und mögliche Handlungsoptionen abzuleiten. „Die Herausforderung liegt heute weniger im Sammeln von Daten als darin, aus ihnen fundierte Entscheidungen zu entwickeln“, so Wagner. >Erst, wenn Daten aus verschiedenen Teilen der Wertschöpfung miteinander verknüpft sind, entsteht ein belastbares Gesamtbild.

2. Apr 2026

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„Nachhaltigkeit wird zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor“ – mit Michael Rauhofer, Managing Director European Logistics bei DACHSER Austria

![Michael Rauhofer_Büro Online.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/Michael_Rauhofer_Buero_Online_6096b75223.jpg) ``` Michael Rauhofer, Managing Director European Logistics bei DACHSER Austria ``` In der Logistik zahlt sich Nachhaltigkeit für die Unternehmen immer dann aus, wenn sie Kosten stabilisiert, Risiken reduziert und die Effizienz erhöht. Wer Emissionen senkt, reduziert oft auch Energie und Mautkosten und macht seine Lieferketten robuster. Entscheidend ist, Nachhaltigkeit als Business Case zu denken: etwa durch intermodale Konzepte und kombinierte Verkehre, die wirtschaftlich sind und gleichzeitig CO₂ sparen. Nachhaltigkeit ist also kein Klotz am Bein, sondern im Gegenteil: Sie wird zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor. >Nachhaltigkeit ist also kein Klotz am Bein, sondern im Gegenteil: Sie wird zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor. Für Unternehmen sind auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit drei Schritte entscheidend. Erstens Transparenz bei den Daten – etwa über Sendungen, Laufzeiten oder Emissionen. Zweitens eine klare Dekarbonisierungs Roadmap. Das umfasst Flotte, Modal Shift, aber auch die Einbindung von Partnern. Und drittens der verantwortungsvolle Einsatz von Digitalisierung und KI. Das heißt: saubere Daten, klar definierte Anwendungsfälle, geschulte Mitarbeitende und von Anfang an mitgedachte Compliance.