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20. Apr 2026

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Wirtschaft

Mit Bildung wird das Vorsorgedepot zur echten Lebenskompetenz – mit Margarethe Honisch

Journalist: Katja Deutsch

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Foto: Getty Images/unsplash, Marcus Witte

Finanzexpertin Margarethe Honisch hält das Vorsorgedepot für Jugendliche für einen guten Ansatz. Es könnte viele dazu bringen, sich mit dem Thema Altersvorsorge auch schon in jungen Jahren zu beschäftigen – denn hier wird der Grundstein für den Lebensstandard im Alter gelegt.

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Margarethe Honisch, Finanzexpertin & Gründerin der Finanzplattform Fortunalista

Margarethe, ab welchem Alter müsste Finanzbildung beginnen, damit sie wirklich einen Effekt auf die spätere Rentenlücke hat? So früh wie möglich. Realistisch gesehen ab der Grundschule. Nicht mit Aktiencharts oder Fachjargon, sondern mit ganz grundlegenden Fragen: Was ist Geld? Wie treffe ich Entscheidungen? Was bedeutet sparen im Vergleich zu ausgeben? Der größte Hebel ist dabei nicht das reine Wissen, sondern die Gewohnheit. Wer mit zehn Jahren lernt, regelmäßig etwas zurückzulegen, denkt mit dreißig automatisch in Rücklagen und nicht in „Ich fang irgendwann mal an.“

Ich selbst komme aus einem sogenannten bildungsfernen Elternhaus. Menschen wie ich müssen diese Initiative komplett selbst ergreifen und sind verständlicherweise oft überfordert vor lauter Angeboten, widersprüchlichen Ratschlägen und unnötig komplexen Informationen. Gerade bei jungen Menschen sehen wir heute eine immer stärkere Überschuldung. Daran sind nicht die Jugendlichen schuld, sondern die fehlende Aufklärung und Orientierung. Die Rentenlücke entsteht nicht mit sechzig, sondern in den ersten zehn Berufsjahren. Wenn dort kein Bewusstsein für Sparen, Investieren und Vorsorge entsteht, ist das später kaum noch aufzuholen.

Warum trifft die Rentenlücke Frauen besonders stark? Die Rentenlücke ist das Ergebnis mehrerer Faktoren, die sich über Jahrzehnte summieren: geringere Einkommen, mehr Teilzeit, längere Erwerbsunterbrechungen, unbezahlte Care-Arbeit und ein späterer Einstieg ins Investieren. Gleichzeitig besitzen Frauen seltener Vermögenswerte auf dem eigenen Namen und verlassen sich häufiger auf die Vorsorge des Partners. Aber man muss auch ganz klar sagen: Frauen, die aktiv vorsorgen, sind noch immer in der Unterzahl. Viele von uns kennen Sätze aus der Schulzeit wie „Mathe ist nichts für Mädchen“ oder „Finanzen sind kompliziert“. Solche Glaubenssätze prägen uns ein Leben lang. Sie führen dazu, dass Geld delegiert wird, statt selbst gestaltet zu werden. Solange Frauen ihre finanzielle Verantwortung abgeben, bleibt die Rentenlücke kein Ausnahmeproblem, sondern der Normalzustand.

Die Rentenlücke entsteht nicht mit sechzig, sondern in den ersten zehn Berufsjahren. Wenn dort kein Bewusstsein für Sparen, Investieren und Vorsorge entsteht, ist das später kaum noch aufzuholen.

Hilft das neue Vorsorgedepot Jugendlichen wirklich oder ist es eher Symbolpolitik? Ja, absolut: Es ist ein wichtiger und richtiger Start. Und es geht dabei meiner Meinung nach gar nicht primär um die Summe, sondern um die Botschaft dahinter. Spare heute, dann hast du später mehr. Investiere dein Geld. Börse ist nicht gefährlich. Langer Anlagehorizont und Ruhe am Markt zahlen sich aus. Wenn diese Prinzipien früh verinnerlicht werden, ist das viel wertvoller als jeder Startbetrag. Ohne begleitende Finanzbildung bleibt das Vorsorgedepot nur ein Produkt. Mit Bildung wird es zur echten Lebenskompetenz.

Inwiefern kann KI bei Finanzbildung und Altersvorsorge helfen? KI kann vor allem dort helfen, wo bisher die größten Hürden liegen: bei Komplexität, Überforderung und fehlender Individualisierung. Sie kann Fachjargon in Alltagssprache übersetzen, persönliche Szenarien simulieren und Menschen genau dort abholen, wo sie stehen, unabhängig von Bildungshintergrund oder Vorwissen. Richtig eingesetzt, kann KI die Finanzbildung demokratisieren. Falsch eingesetzt verstärkt sie nur alte Fehler oder vermittelt eine trügerische Sicherheit ohne echtes Verständnis. KI kann erklären, strukturieren und begleiten. Die Verantwortung, die eigenen Finanzen ernst zu nehmen, bleibt trotzdem bei uns selbst.

29. Sep 2026

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Wirtschaft

Energiekurs Deutschland – Ein Beitrag von Tim Meyer, Energieexperte, Speaker und Berater

Wer heute erfolgreich durch die Energiewelt navigieren will, kommt mit alten Landkarten nicht weit. Zum einen hat sich die geopolitische Tektonik verschoben: Spätestens seit 2021 wissen wir, dass Versorgungssicherheit über Erdgas nur noch mit hohen Kosten und Preisrisiken zu haben ist – seit dem Konflikt an der Straße von Hormus gilt das auch für Kraftstoffe. Wichtiger noch: Die Welt steckt in einer elektrotechnologischen Revolution, die weit über die Energieversorgung hinausreicht. Mobilität, Wärme, industrielle Prozesse und die Fertigung von morgen werden weitgehend elektrisch. Die Märkte haben sich bereits massiv verschoben – nicht nur die deutsche Autoindustrie leidet unter Absatzverlusten einst erfolgreicher Produkte. Treiber ist der globale Boom bei erneuerbaren Energien: Mit ihnen ist Strom so günstig und verfügbar wie nie, und der Preisverfall bei Batteriespeichern gleicht Schwankungen von Wind, Sonne und Verbrauch immer besser aus. Ergebnis: Allein in diese Technologien und den Ausbau der Stromnetze fließen weltweit Investitionen von über 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr – etwa fünfmal so viel wie in neue Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke. Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. So anstrengend diese Gleichzeitigkeit wirkt: Für Menschen und Unternehmen in Deutschland liegen darin große Chancen. Zwei Dinge sind gewiss: Erstens gibt es kein Zurück – geopolitische Spannungen verschwinden nicht, und der technologische Fortschritt bei Clean Tech lässt sich nicht zurückdrehen. Zweitens sind diese Entwicklungen global: Technologien, die wir ohnehin für den Heimatmarkt entwickeln müssen, sind weltweit gefragt und können zur zentralen Säule des dringend nötigen wirtschaftlichen Aufschwungs werden. >Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. Umgekehrt gilt: Wer an alten Plänen und alter Technologie festhält – und sei es neu verpackt als „hocheffiziente Verbrenner“ oder „Grüngas“ –, landet auf dem wirtschaftlichen Abstellgleis. Industrielle Revolutionen kann man nicht aufhalten. Man kann sich nur entscheiden, auf der Gewinner- oder Verliererseite stehen zu wollen. China macht das seit Jahren zur Industriepolitik: vom Abnehmer deutscher Maschinen zum aggressiven Wettbewerber, inklusive Sicherung von Rohstoffen und Lieferketten. Heute ist China globaler Marktführer bei Wind- und Solarenergie, Batterietechnik und E-Mobilität – weitere Angriffe auf deutsche Märkte sind angekündigt, auch bei Wärmepumpen. Es gilt also, aus der Not eine Tugend zu machen: Absicherung gegen fossile Preisrisiken, Investition in Zukunftsmärkte, europäische Resilienz und Klimaschutz sind dabei ein und dasselbe. Die Politik muss diese neue Realität in eine verständliche Energielandkarte übersetzen: Elektrifizierung unserer Volkswirtschaft als verankertes Ziel, politisch gemanagt und mit Investitionen hinterlegt – vor allem durch schnellere Modernisierung der Energieinfrastruktur, also Digitalisierung, effizientere Organisation und Ausbau der Stromnetze. Doch auch ohne den großen politischen Wurf gibt es Lösungen, die sich schon heute lohnen und in die unternehmerische Zukunft weisen. „Energiekurs Deutschland“ zeigt diese Richtungen auf. Je mehr Unternehmen sie jetzt nutzen, desto mehr profitiert die Allgemeinheit – denn Deutschland hat alle Voraussetzungen, sich neu zu erfinden. Wir müssen es nur wollen und anpacken.