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20. Apr 2026

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Wirtschaft

Next Finance – Deutschlands Weg in die neue Finanzära – Ein Beitrag von Antonio Krüger , CEO und wissenschaftlicher Direktor der Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH (DFKI)

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Foto: Oliver Dietze/DFKI

Die neue Finanzära beginnt nicht erst mit neuen Produkten, Plattformen oder Regeln. Sie beginnt dort, wo digitale Systeme nicht mehr nur analysieren, sondern eigenständig handeln, koordinieren und Entscheidungen vorbereiten.

Genau darin liegt die Zäsur des Jahres 2026: Mit agentischer KI entsteht eine technologische Kraft, die das Finanzsystem effizienter macht und seine innere Logik verändert. Agentische KI geht weit über herkömmliche Automatisierung hinaus. Sie erkennt Muster, setzt Prioritäten, stößt Prozesse an und reagiert innerhalb definierter Ziele auf neue Entwicklungen. In den Finanzmärkten eröffnet das neue Möglichkeiten: in Risikoanalyse, Treasury, Kreditprüfung, Portfoliomanagement, Marktüberwachung und Kundeninteraktion.

Für Deutschland liegt darin eine historische Chance. Der Finanzsektor kann den Weg in ein offenes, kooperatives und innovationsstarkes System ebnen, in dem traditionelle Banken, Fintechs und der Privatsektor ihre Kräfte bündeln. Etablierte Institute stehen für Vertrauen, Stabilität und Reichweite, Fintechs für Tempo. Gemeinsam können sie ein Finanzwesen formen, das die Stärken von KI, Blockchain-basierten Systemen und digitalen Assets produktiv zusammenführt.

Besonders bedeutsam ist die Frage des Zugangs. Ein modernes Finanzsystem muss einfacher, schneller und breiter nutzbar werden — für Unternehmen ebenso wie für Privatpersonen. Blockchain-Lösungen können Reibungsverluste senken, Transparenz erhöhen und neue Wege der Finanzierung erschließen. Für Privatpersonen eröffnet eine leistungsfähige Retail-Banking-Infrastruktur die Aussicht auf ökonomische Teilhabe am offenen Markt, an neuen Anlageformen und an der Vermögensbildung. Agentische KI kann diese Entwicklung beschleunigen. Sie verspricht personalisierte, vorausschauende und skalierbare Finanzdienstleistungen. Sie kann helfen, Risiken früher sichtbar zu machen und Entscheidungen besser zu unterstützen.

Ein modernes Finanzsystem muss einfacher, schneller und breiter nutzbar werden – für Unternehmen ebenso wie für Privatpersonen.

Doch jede Vision stößt dort auf ihre Bewährungsprobe, wo Vertrauen ins Spiel kommt. So groß die Möglichkeiten agentischer KI sind, so deutlich ist auch: Ihre Verlässlichkeit ist noch nicht in jedem Anwendungsfeld ausgereift. Systeme können Kontexte missverstehen, Wahrscheinlichkeiten falsch gewichten oder Ergebnisse liefern, die überzeugend wirken, ohne tragfähig zu sein.

Die Zukunft gehört deshalb nicht der blinden Automatisierung, sondern einer verantworteten Intelligenz. Agentische KI muss in robuste Governance-Strukturen eingebettet werden — mit menschlicher Aufsicht, Transparenz und nachvollziehbarer Verantwortung. Hinzu kommt finanzielle Bildung. Nur, wenn Menschen und Unternehmen Chancen und Risiken realistisch einschätzen können, wird das neue Finanzsystem gesellschaftlich stark sein.

„Next Finance“ steht damit für weit mehr als den nächsten Digitalisierungsschub. Es geht um die Neuausrichtung eines ganzen Systems — offen, kooperativ, ambitioniert und verantwortungsvoll. Deutschlands Weg in diese neue Finanzära ist möglich. Er verlangt den Mut, Innovation klug zu gestalten — damit aus technologischem Fortschritt Verlässlichkeit, Teilhabe und Vertrauen entstehen. Jetzt muss sie gestaltet werden.

20. Apr 2026

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Wirtschaft

FONDS professionell KONGRESS gibt Orientierung in bewegenden Zeiten

Der 24. FONDS professionell KONGRESS am 28. und 29. Januar 2026 in Mannheim hat erneut seine Rolle als zentrale Plattform der Investmentbranche unter Beweis gestellt. In einem Umfeld geprägt von geopolitischen Spannungen, wirtschaftlicher Unsicherheit und einer neu ausgerichteten, schwer kalkulierbaren US-Politik unter Präsident Donald Trump, nutzten Vermögensverwalter und Investmentexperten die Veranstaltung intensiv für fachlichen Austausch und gezielte Weiterbildung. Mehr als 220 Aussteller sowie über 200 Fachvorträge spiegelten den enormen Informationsbedarf in volatilen Zeiten wider. Ein markantes politisch-strategisches Signal setzte Joe Kaeser, Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens Energy und Daimler Truck. Er plädierte für ein geschlossenes und selbstbewusstes Auftreten Europas zwischen den Machtzentren USA und China. Europa müsse eigene außen- und wirtschaftspolitische Akzente setzen und strategische Partnerschaften gezielt ausbauen. Chancen sieht Kaeser vor allem in den Bereichen Infrastruktur, Daten und Rechenzentren sowie in neuen wirtschaftlichen Allianzen mit Schwellenländern, allen voran mit Indien. Inhaltlich dominierten Themen wie Aktien – insbesondere die „Significant Seven“ –, ETFs, Datenökonomie, Infrastruktur, Schwellenländer, Künstliche Intelligenz und Kryptowährungen das Programm. Mit der Verleihung des DEUTSCHEN FONDSPREISES während einer festlichen Galanacht fand der Kongress schließlich einen würdigen Abschluss und bekräftigte seinen Anspruch, der Branche auch in bewegten Zeiten Orientierung zu geben. >Europa müsse eigene außen- und wirtschaftspolitische Akzente setzen und strategische Partnerschaften gezielt ausbauen.