23. Jun 2026
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Lifestyle
Journalist: Katja Deutsch
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Foto: Stephanie Thatenhorst, Daniel Schäfer
Interiordesignerin Stephanie Thatenhorst lebt in einer wunderschönen Schwabinger Altbauwohnung – die gleichzeitig ihr Showroom ist. Sie hat ein tolles Gespür für Räume, Strukturen, Formen und Farben, und verrät hier ein paar Tipps, die jedes Zuhause schöner machen.

Stephanie Thatenhorst, Interiordesignerin
Frau Thatenhorst, was bedeutet „Gutes Wohnen“ für Sie? Sich wirklich wohlzufühlen. Für uns bedeutet „Gutes Wohnen“, Räume zu schaffen, die die Persönlichkeit der Menschen widerspiegeln und gleichzeitig Ruhe ausstrahlen. Dass Materialien, Licht und Proportionen so zusammenspielen, dass man sich ganz selbstverständlich aufgehoben fühlt.
Worauf achten Sie bei der Einrichtung eines Raums als erstes? Auf die Grundstimmung und Energie des Raums. Architektur, Lichtführung und Proportionen geben schon sehr viel vor. Wenn ich verstanden habe, wie ein Raum „funktioniert“, kann ich gezielt entscheiden, welche Materialien, Farben und Möbel ihn unterstützen.
Wie kann man ohne großes Budget eine Wohnung so einrichten, dass sie trotzdem toll aussieht und man sich darin wohlfühlt? Mit wenigen, aber bewussten Entscheidungen. Farbe ist ein starkes Mittel, genauso wie Textilien und Oberflächen. Ein Raum, der konsequent in einer Farbwelt gedacht ist, wirkt sofort ruhiger und hochwertiger. Auch einzelne gut gewählte Stücke machen oft mehr aus als viele beliebige.
Was wird in einem Raum oftmals zu wenig beachtet, obwohl es große Wirkung hat? Licht wird oft unterschätzt. Nicht nur die Helligkeit, sondern vor allem die Qualität und Platzierung der Lichtquellen. Unterschiedliche Lichtstimmungen geben einem Raum Tiefe und verändern ihn je nach Tageszeit komplett.
Für uns bedeutet gutes Wohnen, Räume zu schaffen, die die Persönlichkeit der Menschen widerspiegeln und gleichzeitig Ruhe ausstrahlen.
Welche Interiortrends prägen gerade Ihre Arbeit? Ich arbeite grundsätzlich ungern nach Trends. In unseren Projekten steht der Gedanke von Langlebigkeit und Beständigkeit im Vordergrund. Unsere Kunden vertrauen uns oft ihre ganz persönlichen Lebensprojekte an, sei es ein Familienzuhause oder ein eigenes Restaurant. Das sind Orte, die im Idealfall über viele Jahre, wenn nicht ein Leben lang bestehen. Dafür sind Trends meist zu kurzlebig.
Trotzdem lassen sich Trends in kleinen Nuancen im Gesamtkonzept mitdenken oder ausprobieren. Aktuell finde ich wieder große Freude an Materialien und Details, die lange eher im Hintergrund waren. Nach Jahren von Minimalismus und einem sehr reduzierten Japandi-Look sieht man jetzt erste Ausbrüche von mehr Opulenz. Spitze, Spitzenborten, schwere Jacquardstoffe in tiefen Edelsteintönen oder feine Seidengewebe kommen zurück, aber neu interpretiert und keineswegs verstaubt, sondern sehr modern gedacht. Trends lassen sich aus meiner Sicht am besten über Accessoires integrieren. Auch in unserer eigenen ST Collection experimentiere ich damit, zum Beispiel bei Kissen oder Kosmetiktaschen.
Welche typischen Gestaltungsfehler begegnen Ihnen immer wieder? Es gibt eigentlich keine wirklichen Fehler gibt, solange man sich in einem Raum selbst wohlfühlt. Gestaltung ist immer auch etwas sehr Persönliches. Doch oft beobachte ich eine gewisse Zurückhaltung aus Unsicherheit heraus. Gerade beim Thema Farbe sehe ich häufig, dass sich viele nicht trauen. Für mich persönlich, da ich Farbe sehr liebe, wäre ein Zuhause ohne Farbe, etwa mit ausschließlich weißen Wänden, keine Option.
Schwierig finde ich auch eine einzelne farbige Wand, wenn sie nur aus Unsicherheit entsteht. Oft wirkt es stärker und selbstverständlicher, einen Raum konsequent zu denken und Farbe wirklich als Teil des Gesamtkonzepts einzusetzen, auch über mehrere oder alle Wände hinweg. Gute Gestaltung entsteht dann, wenn man den Mut hat, eine eigene Haltung zu entwickeln und diese konsequent umzusetzen.
Wenn ich verstanden habe, wie ein Raum „funktioniert“, kann ich gezielt entscheiden, welche Materialien, Farben und Möbel ihn unterstützen.