13. Apr 2026
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Business
Journalist: Hauke Brost
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Foto: Presse, Getty Images/unsplash
Wenn sich die Mitarbeitenden zu gemeinsamen Games verabreden, verbessert sich das Gruppengefühl. Dennis Gehlen, CEO von TakeTV, hat sich mit seiner Agentur darauf spezialisiert.
Sie veranstalten Streaming-Awards und Gaming-Messen, aber Gaming als Beitrag zur Unternehmenskultur ist ja noch was ganz anderes. Arbeiten und Gaming, das passt ja nicht unbedingt zusammen, oder?
Doch, sogar sehr gut. Beim gemeinsamen Gaming lernen sich Kolleginnen und Kollegen von einer ganz neuen Seite kennen. Man entdeckt plötzlich, was in den anderen steckt. Das führt eindeutig zu einer Stärkung der Unternehmenskultur, und immer mehr Firmen bieten das auch an. Je besser die Unternehmenskultur, desto zufriedener sind die Mitarbeitenden. Und das wiederum ist gut für den Umsatz eines Unternehmens.
Gaming für die Unternehmenskultur, wie kann man sich das in der Praxis vorstellen?
Ungefähr so, wie früher den Betriebssport. Der wurde ja nicht nur angeboten, um die Leute fit zu halten, sondern auch, um das Zusammengehörigkeitsgefühl im Kollegenkreis zu stärken. Genauso läuft das heute mit Gaming, nur viel einfacher, weil man sich ja nicht extra auf einem Sportplatz verabreden muss, sondern jeder sitzt an seinem Rechner. Das kann nach Feierabend passieren, oder man sagt halt: Heute machen wir mal früher Schluss und treffen uns zum Gaming.
Gibt es Spiele, die dafür besonders geeignet sind?
Nein, das kann man nicht sagen. Es sind meistens die auch sonst beliebtesten Spiele: FIFA, League of Legends, Mario Kart, alles kommt in Frage.
Die Unternehmenskultur ist in allen Branchen ein wichtiges Thema. Viele Unternehmen bieten sogar richtige Turniere an, wo sich die Mitarbeitenden dann zum Finale treffen.
Was sind das für Branchen, die Gaming für die Mitarbeitenden anbieten?
Das geht eigentlich quer durch alle Branchen. Banken, Versicherungen und Agenturen sind dabei. Die Unternehmenskultur ist in allen Branchen ein wichtiges Thema. Viele Unternehmen bieten sogar richtige Turniere an, wo sich die Mitarbeitenden dann zum Finale treffen. Das sind immer sehr schöne Events. Man kann dann auch Preise oder einen Pokal gewinnen. Oder die eine Firma spielt gegen die andere, sodass auch neue Kontakte geknüpft werden können.
Wie läuft das in der Praxis ab?
Zum Beispiel kann die Vertriebsabteilung von Firma A ein Turnier gegen die gleiche Abteilung von Firma B spielen. Das erweitert den Horizont, und es bleibt ja nicht beim Gaming, sondern man kommt ins Gespräch, lernt sich auch persönlich kennen und kann sich dabei austauschen.
Wie ist denn die Resonanz der Firmen?
Die ist durchweg positiv, und viele berichten danach von einem interessanten psychologischen Nebeneffekt: Es ist ja so, dass man im normalen Geschäftsbetrieb meistens nur eine ganz bestimmte Seite von der Kollegin oder dem Kollegen kennenlernt. Da ist der eine vielleicht lauter oder dominanter, der andere hält sich mehr zurück und kommt leiser rüber. Außerdem spielt natürlich auch die Hierarchie eine große Rolle, also man kennt den Chef oder die Chefin vielleicht nur in dieser Funktion. Beim Gaming wird das ja alles aufgebrochen. Da kommen ganz neue Talente zum Vorschein und vor allem auch ganz unterschiedliche Methoden, um Probleme zu lösen. Und die Hierarchien werden aufgebrochen, was einen völlig neuen Blick auf die anderen in der Firma ermöglicht. Man kann sagen, dass sich die Mitarbeitenden beim Gaming von einer ganz neuen Seite kennenlernen.
Man kann sagen, dass sich die Mitarbeitenden beim Gaming von einer ganz neuen Seite kennenlernen.
Eine Studie der University of Kansas ergab, dass Firmen mit zufriedenen Mitarbeitenden erfolgreicher sind. Hierfür bewerteten über 100.000 Mitarbeitende ihre Firmen und deren Unternehmenskultur, was in Verbindung mit dem Firmenerfolg gesetzt wurde. Eine Gallup-Studie spricht von ca. 20 Prozent mehr Effektivität bei einer positiven Unternehmenskultur.