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27. Jun 2025

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Wirtschaft

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt: Cyberschutz in der Industrie

Journalist: Thomas Soltau

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Foto: Pete Linforth/pixabay

In der modernen Industrie spielen Digitalisierung und Automatisierung eine zentrale Rolle. Smarte Fabriken, vernetzte Maschinen und cloudbasierte Steuerungssysteme bieten enorme Potenziale zur Effizienzsteigerung.

Doch mit diesen Fortschritten gehen auch neue Risiken einher. Cyberkriminelle haben längst erkannt, dass die Industrie ein lukratives Ziel ist. Ein Angriff kann nicht nur finanzielle Schäden verursachen, sondern ganze Produktionslinien lahmlegen und die Sicherheit von Mitarbeitenden gefährden. Angreifer nutzen dabei gezielt Schwachstellen in vernetzten Systemen, um entweder Daten zu stehlen, Systeme zu sabotieren oder Lösegeld zu erpressen. Besonders gefährlich sind Angriffe auf sogenannte kritische Infrastrukturen wie Energieversorgung, Wasserversorgung und Transportwesen. Hier können Cyberangriffe nicht nur ökonomische Schäden verursachen, sondern auch die Versorgungssicherheit gefährden.

Das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung, kurz Fraunhofer IOSB, hat sich intensiv mit den Herausforderungen der industriellen Cybersicherheit auseinandergesetzt. Die Forschenden betonen, dass traditionelle IT-Sicherheitslösungen, die in Büroanwendungen verwendet werden, nicht einfach auf die Industrie übertragbar sind. In Produktionsumgebungen müssen Sicherheitsmaßnahmen nahtlos in bestehende Prozesse integriert werden, ohne die Produktivität zu beeinträchtigen.

Ein Angriff kann nicht nur finanzielle Schäden verursachen, sondern ganze Produktionslinien lahmlegen und die Sicherheit von Mitarbeitenden gefährden.

Als eine der größten Herausforderungen hat sich die lange Lebensdauer industrieller Anlagen herauskristallisiert. Viele Maschinen sind seit Jahrzehnten im Einsatz und wurden ursprünglich nicht für eine vernetzte Welt konzipiert. Diese Systeme nachträglich abzusichern, stellt Unternehmen vor große technische und organisatorische Herausforderungen. Hinzu kommt, dass in der Industrie oft heterogene Systemlandschaften vorzufinden sind, in denen unterschiedliche Geräte und Protokolle miteinander kommunizieren müssen. Aber auch die mangelnde Transparenz in vielen Produktionsumgebungen spielt eine wichtige Rolle. Oft wissen Unternehmen nicht genau, welche Geräte und Systeme miteinander verbunden sind. Geschweige denn, welche Schwachstellen sie aufweisen. Eine umfassende Sicherheitsstrategie beginnt daher immer mit einer detaillierten Bestandsaufnahme der vorhandenen Systeme.

Ein Grund, warum Fraunhofer IOSB zusammen mit Partnern aus der Industrie innovative Lösungen entwickelt, um diese Herausforderungen zu bewältigen. Ein wichtiger Ansatz ist die Entwicklung von Sicherheitskonzepten, die speziell auf die Anforderungen industrieller Umgebungen zugeschnitten sind. Dazu zählt die Implementierung von Intrusion Detection Systemen (IDS). Sie sind in der Lage, ungewöhnliche Aktivitäten im Netzwerk frühzeitig zu erkennen und zu melden.

Diese beiden Bereiche müssen gemeinsam Sicherheitsstrategien entwickeln und implementieren, um einen ganzheitlichen Schutz zu gewährleisten.

Zusätzlich ist eine enge Zusammenarbeit zwischen IT- und OT-Teams (Operational Technology) unerlässlich. Diese beiden Bereiche müssen gemeinsam Sicherheitsstrategien entwickeln und implementieren, um einen ganzheitlichen Schutz zu gewährleisten. Fraunhofer IOSB betont dabei die Wichtigkeit regelmäßiger Schulungen für Mitarbeitende. Nur so lässt sich das Bewusstsein für Cybersicherheitsrisiken schärfen – das wiederum etabliert eine Sicherheitskultur im Unternehmen.

Dass es möglich ist, effektive Schutzmaßnahmen zu entwickeln, die Produktivität erhält, zeigt die Arbeit von Instituten wie dem Fraunhofer IOSB. Doch eines ist klar: Cybersicherheit in der Industrie ist ein kontinuierlicher Prozess, der ständige Aufmerksamkeit und Anpassung erfordert.

23. Dez 2025

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Gesellschaft

Warum es so wichtig ist, konsequent nachhaltig zu bauen – Ein Beitrag von Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand DGNB e.V.

Nachhaltiges Bauen bedeutet weit mehr als energieeffiziente Gebäude oder den Einsatz ökologischer Materialien. Es beschreibt einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Gebäude über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg betrachtet werden: von der Planung über den Bau und die Nutzung bis hin zu Umbaumaßnahmen oder den Rückbau. Ziel ist es, Umweltbelastungen zu minimieren, Ressourcen zu schonen, Menschen gesunde und lebenswerte Räume zu bieten und gleichzeitig wirtschaftlich sinnvolle Lösungen zu schaffen. Stand heute ist der Bausektor nach wie vor für einen erheblichen Teil der globalen CO2-Emissionen, den Verbrauch natürlicher Ressourcen und den zunehmenden Verlust der Biodiversität verantwortlich. Gleichzeitig verbringen wir den Großteil unseres Lebens in geschlossenen Räumen, die unser Wohlbefinden stärken sollen, ohne dabei die Zukunft unseres Planeten zu gefährden. Zudem leben immer mehr Menschen in der Stadt. Der Bedarf an attraktiven und dazu noch klimaresilient gestalteten Freiräumen wächst. Nachhaltige Architektur bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um die Klimakrise zu bekämpfen, soziale Gerechtigkeit zu fördern und langfristige wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Wie ein Perspektivwechsel in diese Richtung gelingen kann, zeigen wir noch bis zum 28. Januar 2026 mit der ersten DGNB Ausstellung „What If: A Change of Perspective“ in der Berliner Architekturgalerie Aedes. Die Ausstellung fordert Besucherinnen und Besucher dazu auf, gewohnte Denkmuster zu hinterfragen und die Themenvielfalt des nachhaltigen Bauens neu und unvoreingenommen auf sich wirken zu lassen. >Nachhaltige Architektur bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um die Klimakrise zu bekämpfen, soziale Gerechtigkeit zu fördern und langfristige wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Anhand gebauter Beispiele wird deutlich, dass viele Lösungen bereits existieren. So erfährt der Besuchende anschaulich, wie Gebäude klima- und ressourcenschonend geplant werden können, indem Materialien im Kreislauf geführt, Energie effizient genutzt oder sogar erzeugt wird und der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes berücksichtigt bleibt. Ebenso thematisiert werden Klimaanpassung und Resilienz: durch kluge Gestaltung, Begrünung und Freiräume können Gebäude und Städte besser mit Hitze, Starkregen oder Trockenperioden umgehen. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Menschen. Nachhaltiges Bauen stellt das Wohlbefinden, die Gesundheit und das soziale Miteinander in den Mittelpunkt. Architektur kann Begegnung fördern, Identität stiften und bezahlbaren Wohnraum schaffen, ohne dabei die Umwelt aus dem Blick zu verlieren. Auch der verantwortungsvolle Umgang mit bestehenden Gebäuden spielt eine zentrale Rolle. Sanieren, Umnutzen und Weiterbauen im Bestand werden als Strategien gezeigt, um Flächen zu schützen und Ressourcen zu sparen. Nicht zuletzt wird klar, dass Nachhaltigkeit keine Kostenspirale sein muss. Ganzheitlich geplante Gebäude sind oft wirtschaftlicher, weil sie langfristig Betriebskosten senken, Risiken minimieren und ihren Wert erhalten oder steigern. Nachhaltiges Bauen ist kein abstraktes Expertenthema und schon gar keine Zukunftsvision, sondern eine konkrete Chance. Für lebenswerte Städte, für gesunde Räume und für eine gebaute Umwelt, die den Herausforderungen unserer Zeit gewachsen ist. Als inhaltlich getriebener Non-Profit-Verein begreifen wir das nachhaltige Bauen seit unserer Gründung vor 18 Jahren als gesellschaftliche Aufgabe, nach der wir unser Handeln ausrichten. Mit der Ausstellung laden wir jeden einzelnen ein, genauer hinzusehen, weiterzudenken und selbst Teil des Wandels zu werden. Weitere Informationen gibt es unter www.dgnb.de/aedes