8. Jul 2026
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Lifestyle
Journalist: Kirsten Schwieger
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Foto: M Burke/unsplash
Hartnäckige Irrtümer über Fütterungsarten und Nährstoffe und was eine gesunde, bedarfsgerechte Hundefütterung wirklich ausmacht.
Hautausschläge, Fellprobleme, häufiges Kratzen oder extrem übelriechender Kot können Anzeichen für Ernährungsfehler sein. Denn viele gesundheitliche Problemen eines Hundelebens lässt sich mit einer gesunden und ausgewogenen Ernährung eliminieren – oder noch besser – entgegenwirken. So belegen Studien, dass sich beispielsweise das Risiko für Hautallergien durch eine Ernährung mit frischen Zutaten eklatant senken lässt. Auch chronische Magen-Darm-Erkrankungen lassen sich oftmals vermeiden – genauso wie viele Tierarztrechnungen.
Doch was macht eine gesunde, ausgewogene Ernährung aus? In erster Linie muss sie bedarfsdeckend sein. Hierzu gibt es klare Bedarfsempfehlungen. So definiert beispielsweise der Verband der europäischen Heimtiernahrungsindustrie (FEDIAF) mit seinen wissenschaftlichen Leitplanken die Mindest- und Höchstmengen aller relevanten Mikro- und Makronährstoffe für eine bedarfsgerechte Fütterung. Die Richtlinien unterscheiden präzise nach dem Bedarf von Welpen, tragenden oder säugenden Hündinnen sowie erwachsenen Hunden.
So sind die Grundpfeiler einer ausgewogenen Hundeernährung Proteine, Fette, Mineralstoffe, Vitamine und Kohlenhydrate. Proteine, beziehungsweise die darin enthaltenen Aminosäuren, liefern die Bausteine für Muskeln, Organe, Haut, Fell und zahlreiche Stoffwechselprozesse. Essenzielle Fettsäuren wie Omega-3 (EPA und DHA) und Omega-6-Fettsäuren (Linolsäure) hemmen Entzündungsprozesse im Körper und sorgen für eine intakte Hautbarriere und glänzendes Fell. Kohlenhydrate sind zwar nicht strikt essenziell, dienen aber als Ballastoff- und leicht verfügbare Energiequelle, welche die Proteine für den Muskelaufbau schont. Mineralstoffe wie Kalzium und Phosphor sind wichtig für die Knochengesundheit während Spurenelemente wie Eisen, Zink und Selen für die Blutbildung, Haut sowie das Nerven- und Immunsystem essenziell sind. Auch fett- und wasserlösliche Vitamine dürfen nicht fehlen, da sie fast alle chemischen Reaktionen im Körper steuern. Funfact am Rande: Was Hunde nicht brauchen, sind Zucker, Konservierungs- und Farbstoffe sowie Geschmacksverstärker. Diese können den Verdauungsapparat stark belasten und zu chronischen Erkrankungen führen.
Der Trend zu getreidefreier Ernährung basiert meist auf dem Mythos, dass Getreide ein minderwertiger Füllstoff oder Hauptauslöser für Allergien ist. Im Lauf der Domestizierung hat sich bei Hunden gegenüber dem Wolf eine wesentlich höhere Aktivität des Amylase-Enzyms herausgebildet, welches beim Verdauen von Stärke hilft. Tatsächlich reagieren Hunde weitaus häufiger allergisch auf tierische Proteinquellen. Gut aufgeschlossenes, gekochtes Getreide oder Pseudogetreide liefert leicht verdauliche Energie und wichtige Ballaststoffe für eine gesunde Darmflora.
Die einzelnen Komponenten sollten möglichst hochwertig, hochverdaulich und hygienisch bereitgestellt werden.
Die Herausforderung bei einer bedarfsgerechten Ernährung besteht darin, all diese Komponenten auf die spezifischen Besonderheiten der Fellnase abzustimmen, wie Alter und Körpergewicht, Kastrationsstatus, Aktivitätslevel sowie Gesundheitszustand und Unverträglichkeiten. Als ungefähre Orientierung für gesunde, ausgewachsene Hunde kann folgende Zusammenstellung dienen: 30 bis 50 Prozent tierische Proteinträger, 20 bis 40 Prozent Kohlenhydratquellen, 10 bis 20 Prozent Gemüse sowie individuell angepasste Fettquellen und bedarfsgerechte Mineralstoff- und Vitaminergänzungen. Häufige Fehler bei der Hundefütterung sind unausgewogene, selbst zusammengestellte Rationen, oftmals mit zu viel Energie oder Fett. Selbst in vielen Alleinfuttermitteln ist der Fleischanteil häufig unnötig hoch. Das liegt wohl auch am hartnäckigen Mythos, dass Hunde viel Fleisch benötigen. Studien belegen zudem, dass neun von zehn Hundebesitzern die falsche Futtermenge füttern, was zu Übergewicht und daraus resultierenden Erkrankungen führen kann.
Gleichzeitig gilt es, eine weitere Hürde zu nehmen: die einzelnen Komponenten möglichst hochwertig, hochverdaulich und hygienisch bereitzustellen. Kein Thema wird so kontrovers diskutiert, wie die Fütterungsform. Hier gibt es diverse Möglichkeiten mit jeweils Vor- als auch Nachteilen. Allen extremen Fütterungstrends ist gemein, dass sie ohne eine exakte, mathematische Rationsberechnung fast unweigerlich zu Fehl- und Mangelernährungen führen. Aus medizinischer Sicht ist die Art und Weise der Fütterung allerdings zweitrangig. Dennoch bergen manche ein höheres Risiko für Nährstoffmängel, Anwendungsfehler oder Gesundheitsrisiken.
Bei der Rohfütterung (BARFen) besteht beispielsweise das Risiko der Keimbelastung von rohem Fleisch durch Salmonellen, Campylobacter oder ESBL-produzierenden, antibiotikaresistenten Bakterien. Der Kochprozess eliminiert dieses Risiko und macht Nährstoffe besser verdaulich. Für magen-darm-empfindliche Vierbeiner, Welpen oder Senioren ist gegartes Protein deutlich leichter verdaulich, wobei die Verwertbarkeit mit rund 93,5 % kaum unter der von rohem Fleisch (95 %) liegt. Auch die harten Zellwände von Gemüse werden durch den Kochprozess aufgebrochen, was diese besser verdaulich macht. Der teilweise Verlust hitzeempfindlicher Nährstoffe im Kochprozess kann durch die Verwendung des Kochwassers und gezielte Supplementierung gut ausgeglichen werden. Gekochte Hundenahrung stellt somit eine risikoarme Fütterungsmethode dar, welche hygienische Sicherheit mit hoher Verträglichkeit kombiniert. Entscheidend ist jedoch, was für Zutaten verwendet, wie schonend sie verarbeitet wurden und ob die Mahlzeit alle erforderlichen Nährstoffe einer bedarfsgerechten Fütterung enthält.
Im Gegensatz zum Menschen können Hunde Vitamin D kaum über die Haut durch Sonne selbst herstellen – sie müssen es fressen. Fettlösliche Vitamine wie D, A, E & K kann der Hund im Körper, insbesondere in der Leber, speichern. Eine Überdosierung, besonders von Vitamin A und D, kann schädlich sein.