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19. Sep 2025

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Wirtschaft

Jeder ist ein Investor

Journalist: Thomas Soltau

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Foto: Sajad Nori/unsplash

In Goldbarren unterm Bett, in ETFs auf dem Smartphone oder in riskanten Kryptowährungen steckt am Ende immer ein Anleger. Wir zeigen Chancen und Risiken, erklären Sicherheit und Rendite, liefern klare Bilder und einfache Regeln für kluge Entscheidungen heute und morgen. Verständlich für Einsteiger und nützlich für Profis.

ETFs – Das Buffet der Börse

Ein ETF ist wie ein gut sortierter Einkaufskorb: Ein Griff, viele Zutaten. Statt einzelne Titel zu wählen, kauft man einen Index und damit ein ganzes Marktsegment. Das reduziert Klumpenrisiken, senkt Kosten und macht Anlegen planbar. In Europa unterliegen ETFs einem einheitlichen Regelwerk namens UCITS, das sicherstellt, dass sie breit gestreut sind, regelmässig gehandelt werden können und bestimmte Schutzstandards für Anleger erfüllen. Es gibt Varianten auf Weltaktien, Regionen, Anleihen, Rohstoffe oder Faktorstrategien; dazu ausschüttende und thesaurierende Fonds. Risiken bleiben: Märkte schwanken, Themen-ETFs sind oft eng fokussiert, und Tracking-Unterschiede sind möglich. Chancen: Regelmässige Sparpläne nutzen den Zinseszinseffekt, breite Indizes fangen Ausreisser ab, die Gebühren bleiben oft niedrig. Eine einfache Strategie wirkt häufig am besten: Basis mit globalen Standardindizes, feste Gewichtungen, gelegentliches Rebalancing. Hypes meidet man, Kosten behält man im Blick, und man denkt in Jahren, nicht in Tagen. So werden Börsenwellen zu gut aushaltbaren Bewegungen. ETFs sind nicht spektakulär, aber sie schaffen Struktur, Disziplin und Alltagstauglichkeit – Eigenschaften, die Vermögen leise wachsen lassen. Tipp: Ein solides Notfallpolster auf dem Konto hilft, ETF-Investments in Schwächephasen nicht voreilig zu verkaufen. Geduld ist eine Renditequelle.

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Gold – Krisenwährung mit Glanzfaktor

Gold ist die stille Reserve des Depots: greifbar, bewährt, unkaputtbar. In Zeiten politischer Spannungen, hoher Schulden oder hartnäckiger Inflation suchen Anleger Halt – und genau hier glänzt das Metall. Es zahlt keine Zinsen und keine Dividenden, doch es hat keine Gegenpartei, keinen Tilgungstermin und kein Emittentenrisiko. Gold dient als finanzieller Stossdämpfer: nicht der Motor der Rendite, eher die Airbag-Technologie für schlechte Tage. Risiken bleiben: Der Preis kann deutlich schwanken; in langen Boomphasen wirkt Gold träge, zudem entstehen Kosten für Lagerung und Versicherung. Aber es glänzt auch durch Chancen: Gold diversifiziert Portfolios, ist weltweit handelbar und seit Jahrhunderten akzeptiertes Wertaufbewahrungsmittel. Sinnvoll ist ein klarer Plan: fester Anteil, schrittweiser Kauf, seltene Anpassung statt hektischer Reaktion. Physisches Gold verlangt sichere Verwahrung; börsengehandelte Varianten erleichtern Zugang und Handel, ersetzen aber nicht die eigene Sorgfalt. Wer Gelassenheit schätzt, nutzt Gold als Ruhepol, nicht als Rakete. Ein Notgroschen in Metallform kann psychologisch stärker wirken als Zahlen im Depot – gerade, wenn die Schlagzeilen lauter werden. Und doch gilt: Gold schützt nicht automatisch vor jeder Krise; es ist ein Baustein, kein Allheilmittel. Wer Regeln definiert, bleibt handlungsfähig.

Foto: Zlataky/unsplash

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Krypto – Digitales Gold oder riskante Spielwiese?

Kryptowerte sind die Achterbahn der Geldanlage: dezentral, schnell, global – und oft nervenaufreibend. Sie versprechen Unabhängigkeit vom klassischen Finanzsystem und eröffnen Anwendungen über Blockchains: Zahlungen ohne Mittler, Smart Contracts, Tokenisierung von Vermögenswerten und neue Formen digitaler Eigentumsrechte. Chancen: technische Innovation, wachsende Infrastruktur, zunehmend professionelles Umfeld und neue Märkte. Risiken sind selbstverständlich ebenfalls vorhanden: hohe Volatilität, Regulierungsfragen, Betrugs- und Gegenparteirisiken sowie Bedienfehler bei Wallets. Und Kursabstürze sind quasi täglich möglich. Depotrolle? Eher Satellit als Kern, mit kleinem Anteil und klaren Verlustgrenzen. Wer investiert, benötigt Disziplin: Keine Hebel, striktes Risikomanagement, sichere Verwahrung, Back-ups der Schlüssel, Zwei-Faktor-Authentifizierung. Diversifikation gilt auch hier – Qualität, Liquidität und realer Nutzen zählen mehr als Schlagworte. Wer in Krypto investiert, sollte die Steuerregeln verstehen und emotionale Käufe oder Verkäufe aus Angst vermeiden. Krypto kann Innovationstreiber sein, bleibt aber spekulativ. Wer Regeln respektiert und Geduld mitbringt, verwandelt die Achterbahn in eine kalkulierbare Erfahrung – mit Aussicht auf Neues, doch ohne Garantien. Ein klarer Ausstiegsplan hilft hier, Emotionen in Stressphasen zu zähmen.

Foto: DS Stories/pexels

2. Apr 2026

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Business

Kein Roboter zum Gelddrucken, aber ein starker Wächter: KI bei Banken

Künstliche Intelligenz kann im Bankwesen schon ziemlich viel – aber eigenständig Geld drucken oder wundersam vermehren, das kann sie (noch) nicht. Banken setzen KI heute flächendeckend in mehreren Bereichen ein, allen voran in der Betrugsprävention, wo Fraud Detection mittlerweile Branchenstandard ist. KI-gestützte Systeme analysieren Transaktionen von Kundinnen und Kunden in Echtzeit, erkennen und stoppen auffällige Transaktionen und Zahlungsanweisungen in der Regel sofort, und reagieren innerhalb von Sekunden auf neue Angriffsszenarien. Gerade, weil sich Betrugsmaschen ständig weiterentwickeln, ist die Adaptionsgeschwindigkeit in diesem Bereich besonders hoch. Solche Systeme werden in Zukunft weiter optimiert werden, wodurch Banken Routineaufgaben mehr und mehr automatisieren können. Das eröffnet neue Möglichkeiten für personalisierte Kundenberatung, schnellere Analysen – etwa bei Kreditentscheidungen – und insgesamt bessere Kundenerlebnisse. Banken nutzen KI auch immer öfter, um internes Wissen für ihre Mitarbeitenden zu strukturieren, aufzubereiten und schneller zugänglich zu machen. Ziel ist es, Informationen effizienter zu nutzen und Entscheidungsprozesse zu beschleunigen. Im Vergleich zur Betrugsprävention befindet sich dieser Bereich jedoch noch in einer stärkeren Wachstumsphase, auch wenn die Entwicklung hier aktuell sehr dynamisch verläuft. >Der Mensch muss weiterhin die Kontrolle über kritische Prozesse behalten und klare Grenzen setzen. Es gibt unzählige Anbieter von bankenspezifischer KI. Viele davon decken nur bestimmte Anwendungsfelder ab, weshalb Banken häufig mehrere KI-Systeme parallel einsetzen. Auch, wenn Banken langjährige Erfahrung im Umgang mit sensiblen Daten haben, kann die Auswahl passender KI-Tools herausfordernd sein, denn die Lösungen müssen regelkonform sein, Change Compliance- und Datenschutzrichtlinien beachten, außerdem sollten die Daten innerhalb Europas bleiben und nicht unkontrolliert in andere Rechtsräume fließen. Erhöht KI im Bankwesen nun die Sicherheit – oder eher das Risiko für Betrug und Verlust? Grundsätzlich beides. Denn einerseits verbessert KI die Fähigkeit, Betrug frühzeitig zu erkennen und zu verhindern, andererseits entstehen neue Gefahren, insbesondere durch autonome KI-Agenten. Je mehr Entscheidungsfreiheit diese Systeme erhalten, desto größer ist das Risiko, dass sie Sicherheitsvorgaben umgehen oder manipuliert werden. Deshalb gewinnt das Prinzip „Human in the Loop“ beziehungsweise „Human in the Lead“ an Bedeutung: Der Mensch muss weiterhin die Kontrolle über kritische Prozesse behalten und klare Grenzen setzen. Auch im Finanzmarkt insgesamt sind automatisierte Prozesse kein neues Phänomen. Mechanismen wie algorithmischer Handel oder Stop-Loss-Orders können bereits heute Kettenreaktionen auslösen. KI könnte solche Effekte künftig verstärken, stellt aber nicht die ursprüngliche Ursache dar. Wohin wird sich KI im Bankwesen entwickeln? Eigenständig Geld drucken wird sie hoffentlich niemals – doch sie wird als umfassendes System im Hintergrund immer besser in den Bankenalltag integriert werden. Der Mensch wird im Bankwesen jedoch in zentralen Bereichen immer die Oberhand behalten, besonders bei der letzten Kontrolle und beim direkten Kundenkontakt – denn hier können aufmerksame Bankangestellte besser als jede KI als Sicherheitsschranke wirken, die ihre betagten Kundinnen davor schützen, auffällige Transaktionen hoher Summen vorzunehmen. >Banken nutzen KI auch immer öfter, um internes Wissen für ihre Mitarbeitenden zu strukturieren, aufzubereiten und schneller zugänglich zu machen.