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7. Jul 2026

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Wirtschaft

Klare Sicht in wilden Zeiten: ein Blick auf das Wesentliche – Ein Beitrag von Maja Göpel, Politikökonomin, Nachhaltigkeitsexpertin und Gesellschaftswissenschaftlerin

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Foto: Linda Schäffler

Krisen sind Momente der Achtsamkeit. Läuft alles wie gewohnt, hinterfragen wir nicht viel. Erst wenn es ruckelt, sind wir aufgefordert hinzuschauen. Das gilt auch, wenn uns jemand auffordert, genauer hinzugucken, bevor es ruckelt.

Für zukunftsorientierte Entscheidungen ist dann eine Frage wegweisend: Worum geht es eigentlich? Erst wenn wir diesen Schritt zurücktreten, können wir gut werten. Geht es wirklich darum, dass ein Politiker mir täglichen Fleischkonsum nicht gönnen will? Oder geht es darum, dass unser aktuelles Ernährungssystem das Grundwasser verseucht, Regenwälder zerstört, Tiere in industriellem Maßstab quält und menschliche Gesundheit angreift? Dass wir also durch ein Update von Mehrwertsteuersätzen, öffentlichem Beschaffungswesen für Kantinen und Subventionen in der Landwirtschaft aufhören könnten, eine pflanzenorientierte Ernährung systematisch zu benachteiligen? Dann werden auch neue Gewohnheiten viel einfacher.

Gerade wenn Krisen nicht verschwinden, ist ein systemischer Innovationsansatz zentral. Es braucht ein Update von Alltagsstrukturen, die unsere Entscheidungen beeinflussen. An welchen Updates also sollten wir dringend dranbleiben, um Wirtschaftsprozesse in Einklang mit Naturgesetzen, menschlicher Gesundheit und langfristiger Ressourcenstabilität zu bringen?

Natur sichtbar machen Die Natur bleibt im Wirtschaftsmodell unsichtbar: in Bilanzen, Produktivitätsberechnungen oder Konjunkturprognosen fehlt diese Information - obwohl mindestens 50 % des globalen BIP direkt von Ökosystemleistungen abhängen. Eine Wirtschaft, die die Natur nicht sieht, kann keine Versorgungssicherheit garantieren. Viele Maßnahmen des EU-Green-Deals wollen diese Blindstellen schließen – und stehen aktuell massiv unter Druck.

BIP um Bestandsgrößen ergänzen Das Bruttoinlandsprodukt misst das Volumen der Wirtschaftstätigkeit und nicht, ob eine Wirtschaft „stark“ ist. Es erfasst die Abholzung eines Waldes als Gewinn, die Kosten für die Beseitigung einer Ölpest als Wachstum und sagt nichts über Lebensqualität, Verteilung des Wohlstands oder unentgeltliche Leistungen wie Pflege und Erziehung aus. Eine Wirtschaft allein am BIP zu steuern bedeutet, reale Voraussetzungen für eine zukünftig starke Wirtschaft aus den Augen zu verlieren.

Gerade wenn Krisen nicht verschwinden, ist ein systemischer Innovationsansatz zentral. Es braucht ein Update von Alltagsstrukturen, die unsere Entscheidungen beeinflussen.

Finanzarchitektur-Dilemma lösen Das derzeitige Wirtschaftssystem ist strukturell zum kurzfristigen Geldvermehren gezwungen – nicht, um Wohlstand zu schaffen, sondern um zu verhindern, dass das Finanzsystem unter seinen eigenen Schuldenverpflichtungen und Renditeerwartungen zusammenbricht. Die Entkopplung von Finanzwerten und realen Werten ist ein zunehmend gefährlicher Designfehler und kann nur politisch korrigiert werden. Das ist nicht wachstumsfeindlich, sondern Voraussetzung dafür, dass Unternehmen mit geduldigem Kapital und ganzheitlich definiertem Return on Invest ihre Geschäftsmodelle nachhaltig erneuern können.

Egoismus-Mythos zurückweisen Die Grundannahme der Mainstream-Ökonomie – dass Menschen eigennützige, rationale Nutzenmaximierer sind – ist empirisch falsch. Wir sind soziale Wesen, die von Werten, Normen, Solidarität und Sorge um das Gemeinwohl geleitet werden. Ein Wirtschaftssystem, das reines Eigeninteresse und kurzfristigen Shareholder Value zum Designprinzip macht, unterdrückt systematisch die moralischen und zwischenmenschlichen Dimensionen, die gerade in Krisenzeiten zum Treibstoff mutiger Kooperation und vertrauensbasiertem Erneuern wird. Die gute Nachricht ist: Diese Updates verschieben die Perspektive und Bewertung dessen, was als sinnvolle Investitionen, Innovationen und Wirtschaftlichkeit gilt. Aus neuen Bewertungen wiederum entstehen Pfade, die aus der Dauerkrise raus, und in ein Wohlstandsmodell für das 21. Jahrhunderts reinführen.

29. Sep 2026

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Wirtschaft

Energiekurs Deutschland – Ein Beitrag von Tim Meyer, Energieexperte, Speaker und Berater

Wer heute erfolgreich durch die Energiewelt navigieren will, kommt mit alten Landkarten nicht weit. Zum einen hat sich die geopolitische Tektonik verschoben: Spätestens seit 2021 wissen wir, dass Versorgungssicherheit über Erdgas nur noch mit hohen Kosten und Preisrisiken zu haben ist – seit dem Konflikt an der Straße von Hormus gilt das auch für Kraftstoffe. Wichtiger noch: Die Welt steckt in einer elektrotechnologischen Revolution, die weit über die Energieversorgung hinausreicht. Mobilität, Wärme, industrielle Prozesse und die Fertigung von morgen werden weitgehend elektrisch. Die Märkte haben sich bereits massiv verschoben – nicht nur die deutsche Autoindustrie leidet unter Absatzverlusten einst erfolgreicher Produkte. Treiber ist der globale Boom bei erneuerbaren Energien: Mit ihnen ist Strom so günstig und verfügbar wie nie, und der Preisverfall bei Batteriespeichern gleicht Schwankungen von Wind, Sonne und Verbrauch immer besser aus. Ergebnis: Allein in diese Technologien und den Ausbau der Stromnetze fließen weltweit Investitionen von über 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr – etwa fünfmal so viel wie in neue Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke. Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. So anstrengend diese Gleichzeitigkeit wirkt: Für Menschen und Unternehmen in Deutschland liegen darin große Chancen. Zwei Dinge sind gewiss: Erstens gibt es kein Zurück – geopolitische Spannungen verschwinden nicht, und der technologische Fortschritt bei Clean Tech lässt sich nicht zurückdrehen. Zweitens sind diese Entwicklungen global: Technologien, die wir ohnehin für den Heimatmarkt entwickeln müssen, sind weltweit gefragt und können zur zentralen Säule des dringend nötigen wirtschaftlichen Aufschwungs werden. >Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. Umgekehrt gilt: Wer an alten Plänen und alter Technologie festhält – und sei es neu verpackt als „hocheffiziente Verbrenner“ oder „Grüngas“ –, landet auf dem wirtschaftlichen Abstellgleis. Industrielle Revolutionen kann man nicht aufhalten. Man kann sich nur entscheiden, auf der Gewinner- oder Verliererseite stehen zu wollen. China macht das seit Jahren zur Industriepolitik: vom Abnehmer deutscher Maschinen zum aggressiven Wettbewerber, inklusive Sicherung von Rohstoffen und Lieferketten. Heute ist China globaler Marktführer bei Wind- und Solarenergie, Batterietechnik und E-Mobilität – weitere Angriffe auf deutsche Märkte sind angekündigt, auch bei Wärmepumpen. Es gilt also, aus der Not eine Tugend zu machen: Absicherung gegen fossile Preisrisiken, Investition in Zukunftsmärkte, europäische Resilienz und Klimaschutz sind dabei ein und dasselbe. Die Politik muss diese neue Realität in eine verständliche Energielandkarte übersetzen: Elektrifizierung unserer Volkswirtschaft als verankertes Ziel, politisch gemanagt und mit Investitionen hinterlegt – vor allem durch schnellere Modernisierung der Energieinfrastruktur, also Digitalisierung, effizientere Organisation und Ausbau der Stromnetze. Doch auch ohne den großen politischen Wurf gibt es Lösungen, die sich schon heute lohnen und in die unternehmerische Zukunft weisen. „Energiekurs Deutschland“ zeigt diese Richtungen auf. Je mehr Unternehmen sie jetzt nutzen, desto mehr profitiert die Allgemeinheit – denn Deutschland hat alle Voraussetzungen, sich neu zu erfinden. Wir müssen es nur wollen und anpacken.