24. Jun 2026
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Lifestyle
Journalist: Kirsten Schwieger
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Foto: Berglive/Nadine Volz
Schlagerikone Andrea Berg im Interview über Authentizität, mentale Gesundheit, Leidenschaft, ihre soziale Arbeit und wie sie mit 60 Jahren zu einer Harley gekommen ist.
Motorradführerschein mit 16, mit 60 Jahren immer noch auf dem Motorrad unterwegs: Was fasziniert Sie am Motorradfahren? Eine erste Liebe hat die Leidenschaft fürs Motorradfahren in mir entfacht. Dieses Gefühl von Freiheit. Dieser Moment, wenn man in einer Gruppe ganz entspannt über einen Bergpass fährt, ohne sich Gedanken zu machen. Ich war immer Motorradfahrerin und mag diesen Typ Mensch, mit seiner schwarzen Lederkluft – die sind einfach echt und authentisch. Das will ich noch machen, so lange, wie es Spaß macht.
Seit wann fahren Sie Harley-Davidson? Natürlich haben wir immer den Traum gehabt, Harley zu fahren und ich durfte mir diesen in den vergangenen Jahren immer wieder erfüllen. Im Rahmen meiner Unterstützung der Harley-Davidson Charity-Tour für muskelkranke Menschen bin ich nun mit einer exklusiven Maschine unterwegs, die ich den ganzen Sommer über mit großer Leidenschaft fahre. Bei diesem Cruisen geht es ja gar nicht um Geschwindigkeit, sondern um das Erlebnis mit anderen Menschen zusammen, mit dieser Clique von Gleichgesinnten. Dass es zugunsten muskelkranker Menschen ist, macht das Ganze noch mal besonders und wertvoller. Die Sensibilisierung für dieses Thema ist mir ganz wichtig. Bei jedem Event meiner Sommer-Open Airs in Deutschland und Österreich fahren wir dann mit den Harleys auch auf die Bühne. Bei den Konzerten gibt es spezielle Lose zu kaufen und am Ende des Jahres wird meine exklusive Harley für diesen guten Zweck verlost. Ich hoffe, dass eine große Summe für die Harley-Davidson Charity-Tour zusammenkommt.
Was für Leidenschaften leben Sie sonst noch aus? Die Musik und die Natur sind zwei weitere große Leidenschaften. Kleine Dinge wie eine Blume, die ich fotografiere oder einen Sonnenaufgang lassen mein Herz hüpfen. Und diese echten Momente auf der Bühne, wenn ich das Feedback der Menschen spüre. Diese Authentizität und Echtheit sind meine Leidenschaft. Je älter ich werde, desto intensiver versuche ich, den Augenblick zu genießen und ehrfürchtig dankbar zu sein für solche Momente.
Für Ihr soziales Engagement haben Sie das Bundesverdienstkreuz bekommen. Welche Projekte liegen Ihnen besonders am Herzen? Die Kinder. Ich habe das stups-Kinderzentrum in Krefeld mit aufgebaut – eine inklusive Kindertagesstätte mit einem angeschlossenen Kinder- und Jugendhospiz. Und was mir auch ganz, ganz wichtig ist: unsere alten Menschen, unsere Senioren. Die Hospize, die Palliativabteilungen, die Würde des Menschen: Das liegt mir ganz besonders am Herzen.
Zu Ihrem 60. Geburtstag Anfang des Jahres haben Sie sich einen ganz besonderen Wunsch erfüllt – warum? Alle denken ja immer, man müsse zum runden Geburtstag eine riesige Party steigen lassen. Ich habe gesagt: Nee, das zelebrieren wir anders. Wir bündeln jetzt meine ganzen karitativen Aktivitäten im Verein „Andrea Berg hilft e. V.“ mit einem tollen Netzwerk. Ich habe zu meinem Geburtstag statt einer Party ein Startkapital von 60.000 € eingebracht und jeder kann sich dran beteiligen. Ein Kuratorium entscheidet, welche Projekte unterstützt werden – in diesem Jahr wie angesprochen unter anderem die Harley-Davidson Charity-Tour. Und was mir ebenfalls wichtig war: Ich möchte meinen Geburtstag gemeinsam mit meinen Fans bei jedem meiner Sommer Open-Airs feiern.
„Je älter ich werde, desto intensiver versuche ich, den Augenblick zu genießen.“
Woher nehmen Sie die Energie für Ihre aufwändigen Bühnenshows? Diese Energie ist wie ein Perpetuum Mobile. Sie kommt absolut zurück durch die Begeisterung, die ich von meinen Fans bekomme. Diese Auftritte sind für mich wirklich pures Adrenalin. Das kann ich gar nicht in Worte fassen. Es macht dich zur Superwoman. Deshalb freue ich mich jetzt riesig auf unsere Sommer-Open Airs und ganz besonders auf mein Heimspiel am 17. und 18. Juli in Aspach mit einem Gaststar an jedem der beiden Abende. Das ist für mich das absolute Highlight des Jahres. Wir haben wieder eine tolle Show mit allen Superhits vorbereitet, die auch auf meinem Best Of-Rekordalbum enthalten sein werden – ihr dürft gespannt sein …
Wie bleiben Sie fit? In der unmittelbaren Tourvorbereitung treibe ich wieder regelmäßiger Sport, bin eine Stunde am Tag auf dem Crosstrainer. Und dann mit ein bisschen Pause noch Krafttraining und Pilates, Dehnen oder Atemübungen. Auf dem Crosstrainer packe ich mir die neue Show aufs Ohr und lerne die Abläufe. Dann weiß ich auch, wie viel Kraft ich brauche, wenn ich renne und dabei singe. So kann ich das Fitnessprogramm perfekt mit meiner Showvorbereitung kombinieren.
Einen Well Aging-Tipp für die Leserinnen? Hauptsache, du hast gute Laune und dir geht es gut. Hauptsache, du hast Liebe um dich herum und genießt den Augenblick. Und glaub nicht alles, was du denkst. Es ist nicht immer worst case. Ich versuche wirklich, mich nicht in Gedankenkarusselle reinziehen zu lassen. Mit Angst und mit Wut erreicht man nicht viel. Mach es mit Leichtigkeit und steigere dich nicht rein. Das ist für mich mentale Gesundheit.
Was bedeutet Ihnen Familie? Das ist der innere Motor, der Antrieb dieses ganzen Andrea Berg-Kosmos. Ich mache das ja jetzt schon über 30 Jahre und mein Team ist längst Familie geworden. Der Inner Circle ist immer noch meine Tante, mein Onkel, meine Tochter und mein Mann – das ist wirklich großartig.
Die gelernte Arzthelferin berührt die Menschen seit fast 35 Jahren mit ihrer Musik – und weint selbst am liebsten aus Freude. Lieblingssong der Sängerin mit 14 Nummer- Eins-Alben: „When the rain begins to fall“ (man achte auf die vielen Motorräder im offiziellen Video). Dabei ist ihr Vorbild im musikalischen Bereich Cher – auch, weil sie sich einfach einen Schlitz ins Kleid macht und ihr Leben genießt. Im Herbst erscheint die neue Edition von Andrea Bergs Best Of-Rekordalbum, das ab 26. Juni vorbestellt werden kann. Helden der ehemaligen Krankenschwester sind all die stillen Helden wie Feuerwehrmänner, medizinisches Personal und Altenpfleger.