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15. Sep 2021

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Wirtschaft

Mehr als eine Frage des guten Geschmacks

Journalist: Christiane Meyer-Spittler

Seit Ende 2020 ist Stefanie Hehn ‚Master Sommelier‘, geprüft vom Court of Master Sommeliers, London. Bisher haben nur 267 Personen weltweit diesen Titel erlangt. 

Master Sommelier Stefanie Hehn, Chef-Sommelière im Hotel The Fontenay, Hamburg; Foto: Presse

Liebe Frau Hehn, auch der Restaurantführer Gault-Millau zeichnete Sie 2019 als Sommelier des Jahres aus, wie viel schwerer ist es, diesen Titel als Frau in einer Männerdomäne zu erwerben?

Ich habe nicht den Eindruck, dass ich es als Frau schwerer habe als ein Mann. Vielleicht wurde ich früher eher auf Grund meines jungen Alters manchmal unterschätzt. Unser Beruf verlangt viel Selbstdisziplin, Souveränität und gute Nerven. Ganz gleich ob Mann oder Frau, wer in der Champions League spielen möchte, muss eben auch was dafür tun.

Ist das passende Getränk mehr als nur die Frage des Guten Geschmacks?

Ich denke schon, zum einen müssen wir die Vorlieben unserer Gäste kennen und auch eine persönliche Bindung aufbauen, vielleicht herausfinden welche besonderen Erinnerungen jemand mit Weingenuss verbindet. Außerdem ist mir immer wichtig, dass man ganzheitlich an die Sache heran geht. Der Winzer und sein Team sollten fair bezahlt sein und auch auf die Umwelt muss geachtet werden. Mir geht es nicht um Transportwege, denn internationale Weine reisen meistens in Containern und haben hier einen relativ niedrigen CO2-Fußabdruck. Im Weinberg sollte alles im Einklang mit der Natur passieren und auch im Weinkeller sollte so wenig wie möglich eingegriffen werden. Wein ist ein Lebensmittel (Genussmittel) und kein Industrieprodukt.

Wie wichtig sind Ihnen nachhaltige Weine, sogenannte Naturweine?

Nachhaltigkeit steht für mich an erster Stelle. Ich würde immer einen nachhaltig produzierten Wein einem konventionellen Produkt vorziehen. Selbst unser Hauschampagner kommt von einem biodynamischen Champagnerhaus.

Es ist ein Trend zu beobachten, dass fast jedes Weingut, welches gute Quali-täten produziert, so gut wie möglich im Einklang mit der Natur arbeitet. Außer-dem ist uns wichtig, dass unsere Weine ganzheitlich fair produziert werden und auch die Mitarbeiter in den jeweiligen Ländern gut behandelt werden. Fast 90 % der Weine auf unserer Karte sind Natur-weine. Für mich ist der Trinkfluss mit das wichtigste Auswahlkriterium.

Worin sehen Sie als gebürtige Fränkin Ihre spezielle Aufgabe am Standort Hamburg?  

Ich schätze die Hamburger als sehr weltoffene und begeisterungsfähige Gäste. Da bei uns keine Weinregion vor der Tür liegt, können wir unseren Gästen alles zeigen, was spannend ist, ganz ohne geographische Einschränkungen.

Wie gelingt es, die Freude am Weintrinken zu wecken oder weiterzugeben?

Wein macht die Welt erst rund. Mit keinem anderen Getränk kann man in Gedanken so gut an verschiedene Orte verreisen. Ich liebe es über Wein und die Menschen dahinter zu sprechen und mit unseren Gästen durch die Vielfalt und zu den unterschiedlichsten Regionen der Weinwelt zu reisen. 

Bieten Sie auch Getränke-Kreationen ganz ohne Promille an?

Großer Beliebtheit erfreut sich im Moment unsere Teebegleitung im Lakeside Restaurant. Tees sättigen nicht so sehr wie Säfte, wirken anregend und können so ebenfalls ideale Begleiter zu einem Menü sein. 

23. Dez 2025

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Gesellschaft

Warum es so wichtig ist, konsequent nachhaltig zu bauen – Ein Beitrag von Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand DGNB e.V.

Nachhaltiges Bauen bedeutet weit mehr als energieeffiziente Gebäude oder den Einsatz ökologischer Materialien. Es beschreibt einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Gebäude über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg betrachtet werden: von der Planung über den Bau und die Nutzung bis hin zu Umbaumaßnahmen oder den Rückbau. Ziel ist es, Umweltbelastungen zu minimieren, Ressourcen zu schonen, Menschen gesunde und lebenswerte Räume zu bieten und gleichzeitig wirtschaftlich sinnvolle Lösungen zu schaffen. Stand heute ist der Bausektor nach wie vor für einen erheblichen Teil der globalen CO2-Emissionen, den Verbrauch natürlicher Ressourcen und den zunehmenden Verlust der Biodiversität verantwortlich. Gleichzeitig verbringen wir den Großteil unseres Lebens in geschlossenen Räumen, die unser Wohlbefinden stärken sollen, ohne dabei die Zukunft unseres Planeten zu gefährden. Zudem leben immer mehr Menschen in der Stadt. Der Bedarf an attraktiven und dazu noch klimaresilient gestalteten Freiräumen wächst. Nachhaltige Architektur bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um die Klimakrise zu bekämpfen, soziale Gerechtigkeit zu fördern und langfristige wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Wie ein Perspektivwechsel in diese Richtung gelingen kann, zeigen wir noch bis zum 28. Januar 2026 mit der ersten DGNB Ausstellung „What If: A Change of Perspective“ in der Berliner Architekturgalerie Aedes. Die Ausstellung fordert Besucherinnen und Besucher dazu auf, gewohnte Denkmuster zu hinterfragen und die Themenvielfalt des nachhaltigen Bauens neu und unvoreingenommen auf sich wirken zu lassen. >Nachhaltige Architektur bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um die Klimakrise zu bekämpfen, soziale Gerechtigkeit zu fördern und langfristige wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Anhand gebauter Beispiele wird deutlich, dass viele Lösungen bereits existieren. So erfährt der Besuchende anschaulich, wie Gebäude klima- und ressourcenschonend geplant werden können, indem Materialien im Kreislauf geführt, Energie effizient genutzt oder sogar erzeugt wird und der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes berücksichtigt bleibt. Ebenso thematisiert werden Klimaanpassung und Resilienz: durch kluge Gestaltung, Begrünung und Freiräume können Gebäude und Städte besser mit Hitze, Starkregen oder Trockenperioden umgehen. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Menschen. Nachhaltiges Bauen stellt das Wohlbefinden, die Gesundheit und das soziale Miteinander in den Mittelpunkt. Architektur kann Begegnung fördern, Identität stiften und bezahlbaren Wohnraum schaffen, ohne dabei die Umwelt aus dem Blick zu verlieren. Auch der verantwortungsvolle Umgang mit bestehenden Gebäuden spielt eine zentrale Rolle. Sanieren, Umnutzen und Weiterbauen im Bestand werden als Strategien gezeigt, um Flächen zu schützen und Ressourcen zu sparen. Nicht zuletzt wird klar, dass Nachhaltigkeit keine Kostenspirale sein muss. Ganzheitlich geplante Gebäude sind oft wirtschaftlicher, weil sie langfristig Betriebskosten senken, Risiken minimieren und ihren Wert erhalten oder steigern. Nachhaltiges Bauen ist kein abstraktes Expertenthema und schon gar keine Zukunftsvision, sondern eine konkrete Chance. Für lebenswerte Städte, für gesunde Räume und für eine gebaute Umwelt, die den Herausforderungen unserer Zeit gewachsen ist. Als inhaltlich getriebener Non-Profit-Verein begreifen wir das nachhaltige Bauen seit unserer Gründung vor 18 Jahren als gesellschaftliche Aufgabe, nach der wir unser Handeln ausrichten. Mit der Ausstellung laden wir jeden einzelnen ein, genauer hinzusehen, weiterzudenken und selbst Teil des Wandels zu werden. Weitere Informationen gibt es unter www.dgnb.de/aedes