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30. Apr 2025

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Wirtschaft

Pionier der Mobilität von Morgen – Im Interview mit Mate Rimac , CEO von Bugatti Rimac und CEO der Rimac Group

Journalist: Eltjo Nieuwenhuis, Thomas Soltau

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Foto: Tom Ziora

Die ganz großen Namen der Automobilgeschichte? Die kommen meist aus den Klassikern der Branche – Deutschland, USA, man kennt sie: Henry Ford, Ferdinand Porsche und Co. Aber in der neuen Welt der Elektromobilität sorgt jemand für Furore, der aus einem Land stammt, das bislang nicht gerade als Autohochburg galt: Kroatien.

Mate Rimac heißt der Mann, Unternehmer und Ingenieur, der mit seinem Unternehmen Rimac Group die Spielregeln grundlegend verändert hat. Seine Mission? Den Elektroantrieb auf ein neues Level heben – und das ist ihm fast spielend gelungen. Rimac hat nicht nur das Hypercar neu definiert, sondern auch Bugatti übernommen und treibt mit revolutionären Ideen die Mobilität der Zukunft voran. Was treibt diesen Visionär an? Und was dürfen wir als Nächstes erwarten?

Eines dürfte klar sein: Rimac sprengt Grenzen. Der Rimac Nevera R ist kein Auto – er ist ein Statement. Ein Hypercar mit vier Elektromotoren – einem pro Rad – das mit 2.107 PS und satten 2.340 Nm Drehmoment in gerade einmal 1,74 Sekunden auf 100 km/h katapultiert. Schluss ist erst bei 412 km/h. Damit düpiert er selbst die krassesten Verbrenner. Und das bei einer WLTP-Reichweite von 490 Kilometern, dank eines 108-kWh-Akkus.

Aber Rimac wäre nicht Rimac, wenn er sich damit zufriedengeben würde. In der Gerüchteküche brodelt es: Ein radikaler Einsitzer für die Rennstrecke soll in Arbeit sein – ein Fahrzeug, das die Grenzen von Aerodynamik und Tempo neu definiert. Noch sind die Details geheim. Nur so viel verrät Rimac: „Ich habe vor 16 Jahren mit meinem selbstgebauten Elektro-BMW angefangen, Rekorde zu brechen. Inzwischen waren es etwa 35 Weltrekorde – und da geht noch mehr!“

Ich habe vor 16 Jahren mit meinem selbstgebauten Elektro-BMW angefangen, Rekorde zu brechen.

Bei Bugatti trifft Klassik auf Zukunft. Seit 2021 ist Rimac nicht nur CEO der Rimac Group, sondern auch von Bugatti Rimac. Seine Mission: die legendäre Marke Bugatti in die Zukunft führen – mit Respekt vor der Tradition, aber offen für neue Technologien. Der erste große Meilenstein: der Bugatti Tourbillon, ein Hybrid-Hypercar, das edles Handwerk mit modernstem Antrieb vereint. So soll die ikonische Marke in die nächste Phase ihres Bestehens geführt werden. Rimac beschreibt seine Philosophie so: „Wir wollen die DNA von Bugatti bewahren – Exklusivität, Präzision, Handwerkskunst – und gleichzeitig die Technologie von Morgen integrieren.“ Tradition und Innovation? Geht bei ihm Hand in Hand.

Doch es gibt noch mehr als nur Hypercars. 2026 startet ein ganz anderes Projekt: Verne, ein autonomes, elektrisches Robo-Taxi für urbane Mobilität. Entwickelt von Project 3 Mobility, bei dem Rimac Mitbegründer ist. Es ist Teil seiner größeren Vision: Technologie soll nicht nur extrem leistungsfähig, sondern auch praktisch und umweltfreundlich sein. „Die größte Veränderung ist nicht, was ein Auto antreibt – sondern wer es fährt oder besitzt“, sagt Rimac. „Autofahren und Autobesitz verschwinden nicht, aber es kommt eine neue Option hinzu: Fahren ohne Fahrer.“ Die Zukunft fährt eben elektrisch – aber nicht blind.

Mit Rimac Automobili hat er bereits bewiesen, dass Elektroautos weder langweilig noch limitiert sein müssen. „Ich will Technologien entwickeln, die nicht nur krasser performen, sondern auch der Industrie und der Gesellschaft etwas bringen“, sagt er. Klar ist für ihn aber auch: „Elektroautos sind nicht die perfekte Lösung für jede Situation – es wird Übergangsphasen und Ausnahmen geben. Aber in Sachen Energieeffizienz ist der Elektroantrieb unschlagbar. Und ich glaube an die Menschheit – am Ende setzt sich die logischste Lösung durch.“ Doch Rimac denkt weiter. Viel weiter. Für ihn ist Elektrifizierung nur ein Puzzleteil, ein Teil der Lösung. Der große Hebel liegt in der Energieerzeugung: „Wenn wir es schaffen, die Kernfusion zu meistern und unbegrenzt Energie zu erzeugen, dann spielt es keine große Rolle mehr, wie viel Energie wir für die Kraftstoffherstellung brauchen.“

Mate Rimac ist nicht nur ein Ingenieur, der schnelle Autos baut. Er ist ein Visionär, der die Mobilität neu denkt – vom Hypercar bis zum Robo-Taxi. Was Henry Ford für das Fließband war, könnte Rimac für die elektrische Mobilität werden. Und das ausgerechnet aus Kroatien. Verrückt? Vielleicht. Aber vor allem: ziemlich genial.

Ich will Technologien entwickeln, die nicht nur krasser performen, sondern auch der Industrie und der Gesellschaft etwas bringen.

2. Apr 2026

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Business

Kein Roboter zum Gelddrucken, aber ein starker Wächter: KI bei Banken

Künstliche Intelligenz kann im Bankwesen schon ziemlich viel – aber eigenständig Geld drucken oder wundersam vermehren, das kann sie (noch) nicht. Banken setzen KI heute flächendeckend in mehreren Bereichen ein, allen voran in der Betrugsprävention, wo Fraud Detection mittlerweile Branchenstandard ist. KI-gestützte Systeme analysieren Transaktionen von Kundinnen und Kunden in Echtzeit, erkennen und stoppen auffällige Transaktionen und Zahlungsanweisungen in der Regel sofort, und reagieren innerhalb von Sekunden auf neue Angriffsszenarien. Gerade, weil sich Betrugsmaschen ständig weiterentwickeln, ist die Adaptionsgeschwindigkeit in diesem Bereich besonders hoch. Solche Systeme werden in Zukunft weiter optimiert werden, wodurch Banken Routineaufgaben mehr und mehr automatisieren können. Das eröffnet neue Möglichkeiten für personalisierte Kundenberatung, schnellere Analysen – etwa bei Kreditentscheidungen – und insgesamt bessere Kundenerlebnisse. Banken nutzen KI auch immer öfter, um internes Wissen für ihre Mitarbeitenden zu strukturieren, aufzubereiten und schneller zugänglich zu machen. Ziel ist es, Informationen effizienter zu nutzen und Entscheidungsprozesse zu beschleunigen. Im Vergleich zur Betrugsprävention befindet sich dieser Bereich jedoch noch in einer stärkeren Wachstumsphase, auch wenn die Entwicklung hier aktuell sehr dynamisch verläuft. >Der Mensch muss weiterhin die Kontrolle über kritische Prozesse behalten und klare Grenzen setzen. Es gibt unzählige Anbieter von bankenspezifischer KI. Viele davon decken nur bestimmte Anwendungsfelder ab, weshalb Banken häufig mehrere KI-Systeme parallel einsetzen. Auch, wenn Banken langjährige Erfahrung im Umgang mit sensiblen Daten haben, kann die Auswahl passender KI-Tools herausfordernd sein, denn die Lösungen müssen regelkonform sein, Change Compliance- und Datenschutzrichtlinien beachten, außerdem sollten die Daten innerhalb Europas bleiben und nicht unkontrolliert in andere Rechtsräume fließen. Erhöht KI im Bankwesen nun die Sicherheit – oder eher das Risiko für Betrug und Verlust? Grundsätzlich beides. Denn einerseits verbessert KI die Fähigkeit, Betrug frühzeitig zu erkennen und zu verhindern, andererseits entstehen neue Gefahren, insbesondere durch autonome KI-Agenten. Je mehr Entscheidungsfreiheit diese Systeme erhalten, desto größer ist das Risiko, dass sie Sicherheitsvorgaben umgehen oder manipuliert werden. Deshalb gewinnt das Prinzip „Human in the Loop“ beziehungsweise „Human in the Lead“ an Bedeutung: Der Mensch muss weiterhin die Kontrolle über kritische Prozesse behalten und klare Grenzen setzen. Auch im Finanzmarkt insgesamt sind automatisierte Prozesse kein neues Phänomen. Mechanismen wie algorithmischer Handel oder Stop-Loss-Orders können bereits heute Kettenreaktionen auslösen. KI könnte solche Effekte künftig verstärken, stellt aber nicht die ursprüngliche Ursache dar. Wohin wird sich KI im Bankwesen entwickeln? Eigenständig Geld drucken wird sie hoffentlich niemals – doch sie wird als umfassendes System im Hintergrund immer besser in den Bankenalltag integriert werden. Der Mensch wird im Bankwesen jedoch in zentralen Bereichen immer die Oberhand behalten, besonders bei der letzten Kontrolle und beim direkten Kundenkontakt – denn hier können aufmerksame Bankangestellte besser als jede KI als Sicherheitsschranke wirken, die ihre betagten Kundinnen davor schützen, auffällige Transaktionen hoher Summen vorzunehmen. >Banken nutzen KI auch immer öfter, um internes Wissen für ihre Mitarbeitenden zu strukturieren, aufzubereiten und schneller zugänglich zu machen.