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29. Jun 2020

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Wirtschaft

Mittelständler und Freiberufler im Visier – Cyberkriminelle können schnell nachhaltig schädigen.

Zu der häufigsten kriminellen Aktivität weltweit hat sich Cyberkriminalität entwickelt. Grund genug für Unternehmen, sich vor dieser Bedrohung so gut wie irgend möglich zu schützen.

Viele kleine und mittelständische Unternehmen, aber auch Freiberufler, haben große Lücken bei ihrer IT-Sicherheit. Die Folge: Immer mehr Firmen werden Ziel von Cyberkriminellen. In einer aktuellen repräsentativen Forsa-Umfrage unter 100 Maschinenbauern gab jedes dritte Unternehmen an, bereits Opfer erfolgreicher Cyberattacken gewesen zu sein, jedes zehnte Unternehmen war sogar mehrfach betroffen. Eine weitere Gefahrenquelle: Mitarbeiter nutzen zunehmend ihr eigenes Tablet oder Smartphone im Homeoffice. Das gilt umso mehr in Corona-Zeiten. Damit öffnet sich ein potenzielles, nicht zu unterschätzendes Einfallstor für Viren und Trojaner. Denn es kann leicht passieren, dass ein Mitarbeiter eine so genannte Phishingmail mit einem Verschlüsselungstrojaner öffnet und dadurch das gesamte Unternehmensnetzwerk lahmlegt. Zum Portfolio an Schadsoftware zählen unter anderem Dateianhänge mit Malware, Links zu mit Schadsoftware infizierten Webseiten, das Kompromittieren von geschäftlichen E-Mails, gefälschte Landingpages, Downloader und natürlich einfache Spammails. 


Markus Rehle, 

Vorstand und Leiter Produktmanagement Firmen/Freie Berufe, Produkttechnik Sach bei der HDI Versicherung AG, Foto: HDI Versicherungen/John M. John

Aus den Machenschaften der immer professioneller agierenden Hacker können teure Rechtsstreitigkeiten, Lösegelder, Umsatzeinbußen und Imageschäden, dazu Patentrechtsverletzungen und Produktionsausfälle resultieren. „Gerade in spezialisierten Unternehmen sind häufig fachliches Know-how und sensible Kundendaten konzentriert. Das wissen auch Hacker. Solche Unternehmen sind daher lohnende Ziele für Cyberattacken“, sagt Markus Rehle, Vorstand Produkte bei der HDI Versicherung. Lohnende Ziele für Cyberkriminelle seien aber auch Unternehmen, die sich keine eigenen IT-Abteilungen und Experten für IT-Sicherheit leisten, sondern oftmals mit externen Dienstleistern arbeiten. „Aus Kosten- und Kapazitätsgründen kann eine lückenlose Überwachung der IT deshalb oft nicht gewährleistet werden“, so Rehle. Seine Erfahrung zeigt, dass Unternehmen vielfach nicht gezielt angegriffen werden. Vielmehr würden Kriminelle ihre Schadsoftware gleich auf mehrere Unternehmen ansetzen. Außerdem sei zu beobachten, dass Cybererpressung und Cyberspionage Unternehmen oder Freiberufler hart treffen können. Viele zahlen dann die von den Erpressern geforderten Beträge, um schnell wieder an ihre Daten zu kommen. Der HDI Vorstand warnt jedoch: „Selbst, wenn die Daten nach dem Entsperren wieder zugänglich sind, ist die Schadsoftware immer noch im System und kann, sofern nicht professionell entfernt, durch die Erpresser unter Umständen reaktiviert werden.“


Eine wirksame Cyberversicherung muss umfassend schützen.

Sobald technische oder organisatorische Schutzmaßnahmen versagen oder durchbrochen werden, schließt eine Cyberdeckung die entstandene Lücke im Schutzkonzept. Zum Beispiel gilt das bei Informationssicherheitsverletzungen, bei Diebstahl personenbezogener Daten, bei der Verletzung von Geschäftsgeheimnissen Dritter oder Internet-Attacken aufs berufliche Netzwerk. Die HDI Cyberversicherung bietet außerdem Zusatzleistungen, die über den normalen Versicherungsschutz hinausgehen. Dazu gehören Schulungs- und Präventionsmaßnahmen, eine 24/7-Hotline und ein IT-Sicherheitsdienstleister mit spezieller Expertise in Sachen Cybersicherheit. Darüber hinaus übernimmt die HDI Cyberversicherung die Prüfung möglicher Schadensersatzansprüche Dritter. Der HDI Cyberschutz umfasst dazu auch die Absicherung von Bring-Your-Own-Device-Risiken und greift schon vor dem Schadensfall: zum Beispiel durch gezielte Mitarbeitertrainings. Dazu kommen laufende Informationen zur Cybersicherheit, Angriff-Alarme bei aktuellen Bedrohungen oder Tests der Cybersicherheitsmaßnahmen durch fingierte Hackerangriffe. 

Bei einer Cyberattacke gilt es, schnell zu reagieren, um Schaden so weit wie möglich abzuwenden. Kunden sollten sich bereits bei einem Verdacht auf einen Cyberangriff bei der Versicherung melden. Die Kosten für Forensik und Schadensfeststellung werden von der HDI Cyberversicherung innerhalb der ersten 48 Stunden ohne Anrechnung auf einen Selbstbehalt übernommen, egal ob tatsächlich ein Cyberangriff vorliegt oder nicht. 


2. Apr 2026

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Business

Kein Roboter zum Gelddrucken, aber ein starker Wächter: KI bei Banken

Künstliche Intelligenz kann im Bankwesen schon ziemlich viel – aber eigenständig Geld drucken oder wundersam vermehren, das kann sie (noch) nicht. Banken setzen KI heute flächendeckend in mehreren Bereichen ein, allen voran in der Betrugsprävention, wo Fraud Detection mittlerweile Branchenstandard ist. KI-gestützte Systeme analysieren Transaktionen von Kundinnen und Kunden in Echtzeit, erkennen und stoppen auffällige Transaktionen und Zahlungsanweisungen in der Regel sofort, und reagieren innerhalb von Sekunden auf neue Angriffsszenarien. Gerade, weil sich Betrugsmaschen ständig weiterentwickeln, ist die Adaptionsgeschwindigkeit in diesem Bereich besonders hoch. Solche Systeme werden in Zukunft weiter optimiert werden, wodurch Banken Routineaufgaben mehr und mehr automatisieren können. Das eröffnet neue Möglichkeiten für personalisierte Kundenberatung, schnellere Analysen – etwa bei Kreditentscheidungen – und insgesamt bessere Kundenerlebnisse. Banken nutzen KI auch immer öfter, um internes Wissen für ihre Mitarbeitenden zu strukturieren, aufzubereiten und schneller zugänglich zu machen. Ziel ist es, Informationen effizienter zu nutzen und Entscheidungsprozesse zu beschleunigen. Im Vergleich zur Betrugsprävention befindet sich dieser Bereich jedoch noch in einer stärkeren Wachstumsphase, auch wenn die Entwicklung hier aktuell sehr dynamisch verläuft. >Der Mensch muss weiterhin die Kontrolle über kritische Prozesse behalten und klare Grenzen setzen. Es gibt unzählige Anbieter von bankenspezifischer KI. Viele davon decken nur bestimmte Anwendungsfelder ab, weshalb Banken häufig mehrere KI-Systeme parallel einsetzen. Auch, wenn Banken langjährige Erfahrung im Umgang mit sensiblen Daten haben, kann die Auswahl passender KI-Tools herausfordernd sein, denn die Lösungen müssen regelkonform sein, Change Compliance- und Datenschutzrichtlinien beachten, außerdem sollten die Daten innerhalb Europas bleiben und nicht unkontrolliert in andere Rechtsräume fließen. Erhöht KI im Bankwesen nun die Sicherheit – oder eher das Risiko für Betrug und Verlust? Grundsätzlich beides. Denn einerseits verbessert KI die Fähigkeit, Betrug frühzeitig zu erkennen und zu verhindern, andererseits entstehen neue Gefahren, insbesondere durch autonome KI-Agenten. Je mehr Entscheidungsfreiheit diese Systeme erhalten, desto größer ist das Risiko, dass sie Sicherheitsvorgaben umgehen oder manipuliert werden. Deshalb gewinnt das Prinzip „Human in the Loop“ beziehungsweise „Human in the Lead“ an Bedeutung: Der Mensch muss weiterhin die Kontrolle über kritische Prozesse behalten und klare Grenzen setzen. Auch im Finanzmarkt insgesamt sind automatisierte Prozesse kein neues Phänomen. Mechanismen wie algorithmischer Handel oder Stop-Loss-Orders können bereits heute Kettenreaktionen auslösen. KI könnte solche Effekte künftig verstärken, stellt aber nicht die ursprüngliche Ursache dar. Wohin wird sich KI im Bankwesen entwickeln? Eigenständig Geld drucken wird sie hoffentlich niemals – doch sie wird als umfassendes System im Hintergrund immer besser in den Bankenalltag integriert werden. Der Mensch wird im Bankwesen jedoch in zentralen Bereichen immer die Oberhand behalten, besonders bei der letzten Kontrolle und beim direkten Kundenkontakt – denn hier können aufmerksame Bankangestellte besser als jede KI als Sicherheitsschranke wirken, die ihre betagten Kundinnen davor schützen, auffällige Transaktionen hoher Summen vorzunehmen. >Banken nutzen KI auch immer öfter, um internes Wissen für ihre Mitarbeitenden zu strukturieren, aufzubereiten und schneller zugänglich zu machen.