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15. Sep 2021

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Wirtschaft

Moderner Pflanzenschutz sichert die Ernährung der Zukunft

Journalist: Jörg Wernien

Extreme heiße und trockene Sommer, zu viel Regen im Winter. Der Klimawandel ist nicht zu leugnen. Um weiter genügend Getreide, Gemüse und Obst ernten zu können, muss der moderne Pflanzenschutz weiterentwickelt werden.

60 Pflanzenzüchter aus Deutschland haben sich zu einer einzigartigen Züchtungsallianz zusammengeschlossen. Mit dem Projekt „PILTON“ soll geprüft werden, ob mit einem pilztoleranten Weizen in Zukunft Pflanzenschutzmittel signifikant eingespart werden können. „Mit dem Projekt wollen wir prüfen, welchen Nutzen neue Züchtungsmethoden für eine ressourcenschonende und produktive Landwirtschaft haben. Konkret geht es darum, das Potenzial zur Einsparung von Pflanzenschutzmitteln zu evaluieren“, beschrieb die Vorsitzende des Bundesverbandes der Pflanzenzüchter (BDP), Stephanie Franck, das Projekt bei seiner Vorstellung im letzten Jahr. Molekulare Züchtungsmethoden sollen zum Einsatz kommen. Damit ist die Genom-schere CRISPR-Cas gemeint, mit deren Hilfe schnelle und präzise Erbgutveränderungen vorgenommen werden können. 

Doch auch wenn das Projekt PILTON sehr vielversprechend ist, die regulatorischen Hürden der EU sind enorm. Nach einem Urteil des EuGHs aus dem Jahr 2018 gilt der Einsatz der Genschere als gentechnisch veränderter Organismus und fällt damit unter die sehr strenge Regulierung der europäischen Freisetzungslinie für gentechnisch veränderte Organismen (GVO-Richtline). PILTON wird also noch eine Weile benötigen, bis damit wirklich eine Menge an Pflanzenschutzmitteln und Insektiziden auf den Feldern eingespart werden kann.

Es müssen mehr klimaresistente Arten gezüchtet, dazu sollten die Landwirte auf Boden schonende Verfahren setzen.  Der landwirtschaftspolitische Sprecher der FDP, Gero Hocker, sagte dazu: „Die Zulassung moderner Pflanzenschutz-mittel muss beschleunigt und moderne Gentechnik-Methoden sollten vorangebracht werden.“

Forderungen, die schon vor längerer Zeit auch von Seiten des Deutschen Bauernverbandes erhoben wurden. Joachim Rukwied, Präsident des Bauerverbandes, forderte im Handelsblatt eine Änderung der Gesetze. „Wir benötigen widerstands-fähigere Pflanzen. So könnten durch spezielle Züchtungen neue Pflanzen entstehen, die sowohl mit Trockenheit als auch mit Nässe fertig werden. Um sie zu erhalten, brauche es nicht Gentechnik, aber neue Züchtungsmethoden wie die Genschere CRISPR/Cas könnten Antworten auf den Klimawandel geben.“

Um in der Zukunft Antworten für einen modernen Pflanzenschutz geben zu können, haben sich jetzt 14 Verbände, da-runter auch der Deutsche Bauernverband DBV) und der Bundesverband Agrarhandel (BVA), zu einer Allianz zusammen-geschlossen. Sie verlangen, das bewährte Pflanzenschutzmittel nicht einfach verboten werden sollen wenn noch kein geeigneter Ersatz zur Verfügung steht. „Damit keine inakzeptablen Wohlstandsverluste entstehen, muss den abzulösenden Techniken ein angemessener Übergangszeitraum eingeräumt werden, bis sie durch Innovationen ersetzt werden können. Ein ‚Kahlschlag‘ bewährter Techniken ist kontraproduktiv“ so die neue Allianz in Ihrem Verbandskommuniqué.

Der Widerspruch zwischen Pflanzenschutz mit bewährten Mittel auf der einen Seite und verminderten Risiken für Gesundheit, Umwelt und die Ökosystem auf der anderen Seite, wird sich so schnell lösen lassen.

23. Dez 2025

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Gesellschaft

Warum es so wichtig ist, konsequent nachhaltig zu bauen – Ein Beitrag von Dr. Christine Lemaitre, Geschäftsführender Vorstand DGNB e.V.

Nachhaltiges Bauen bedeutet weit mehr als energieeffiziente Gebäude oder den Einsatz ökologischer Materialien. Es beschreibt einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Gebäude über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg betrachtet werden: von der Planung über den Bau und die Nutzung bis hin zu Umbaumaßnahmen oder den Rückbau. Ziel ist es, Umweltbelastungen zu minimieren, Ressourcen zu schonen, Menschen gesunde und lebenswerte Räume zu bieten und gleichzeitig wirtschaftlich sinnvolle Lösungen zu schaffen. Stand heute ist der Bausektor nach wie vor für einen erheblichen Teil der globalen CO2-Emissionen, den Verbrauch natürlicher Ressourcen und den zunehmenden Verlust der Biodiversität verantwortlich. Gleichzeitig verbringen wir den Großteil unseres Lebens in geschlossenen Räumen, die unser Wohlbefinden stärken sollen, ohne dabei die Zukunft unseres Planeten zu gefährden. Zudem leben immer mehr Menschen in der Stadt. Der Bedarf an attraktiven und dazu noch klimaresilient gestalteten Freiräumen wächst. Nachhaltige Architektur bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um die Klimakrise zu bekämpfen, soziale Gerechtigkeit zu fördern und langfristige wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Wie ein Perspektivwechsel in diese Richtung gelingen kann, zeigen wir noch bis zum 28. Januar 2026 mit der ersten DGNB Ausstellung „What If: A Change of Perspective“ in der Berliner Architekturgalerie Aedes. Die Ausstellung fordert Besucherinnen und Besucher dazu auf, gewohnte Denkmuster zu hinterfragen und die Themenvielfalt des nachhaltigen Bauens neu und unvoreingenommen auf sich wirken zu lassen. >Nachhaltige Architektur bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um die Klimakrise zu bekämpfen, soziale Gerechtigkeit zu fördern und langfristige wirtschaftliche Stabilität zu gewährleisten. Anhand gebauter Beispiele wird deutlich, dass viele Lösungen bereits existieren. So erfährt der Besuchende anschaulich, wie Gebäude klima- und ressourcenschonend geplant werden können, indem Materialien im Kreislauf geführt, Energie effizient genutzt oder sogar erzeugt wird und der gesamte Lebenszyklus eines Gebäudes berücksichtigt bleibt. Ebenso thematisiert werden Klimaanpassung und Resilienz: durch kluge Gestaltung, Begrünung und Freiräume können Gebäude und Städte besser mit Hitze, Starkregen oder Trockenperioden umgehen. Ein weiterer Fokus liegt auf dem Menschen. Nachhaltiges Bauen stellt das Wohlbefinden, die Gesundheit und das soziale Miteinander in den Mittelpunkt. Architektur kann Begegnung fördern, Identität stiften und bezahlbaren Wohnraum schaffen, ohne dabei die Umwelt aus dem Blick zu verlieren. Auch der verantwortungsvolle Umgang mit bestehenden Gebäuden spielt eine zentrale Rolle. Sanieren, Umnutzen und Weiterbauen im Bestand werden als Strategien gezeigt, um Flächen zu schützen und Ressourcen zu sparen. Nicht zuletzt wird klar, dass Nachhaltigkeit keine Kostenspirale sein muss. Ganzheitlich geplante Gebäude sind oft wirtschaftlicher, weil sie langfristig Betriebskosten senken, Risiken minimieren und ihren Wert erhalten oder steigern. Nachhaltiges Bauen ist kein abstraktes Expertenthema und schon gar keine Zukunftsvision, sondern eine konkrete Chance. Für lebenswerte Städte, für gesunde Räume und für eine gebaute Umwelt, die den Herausforderungen unserer Zeit gewachsen ist. Als inhaltlich getriebener Non-Profit-Verein begreifen wir das nachhaltige Bauen seit unserer Gründung vor 18 Jahren als gesellschaftliche Aufgabe, nach der wir unser Handeln ausrichten. Mit der Ausstellung laden wir jeden einzelnen ein, genauer hinzusehen, weiterzudenken und selbst Teil des Wandels zu werden. Weitere Informationen gibt es unter www.dgnb.de/aedes