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30. Apr 2026

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Gesellschaft

Nachhaltig leben heißt klug gestalten – Im Intervoew mit Van Bo Le-Mentze, Architekt

Journalist: Julia Butz

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Foto: Jan Pries

Architekt Van Bo Le-Mentzel im Interview: Ein Gespräch über smarte Wohnkonzepte, Raumqualität und die Frage, was modernes Wohnen wirklich bedeutet.

Mit seinen Ideen für platzsparendes, bezahlbares Wohnen zählt Van Bo Le-Mentzel zu den prägenden Stimmen der Smart Living‑Bewegung. Der Gründer der Tiny Foundation entwickelt Konzepte, in denen gutes Design, soziale Verantwortung und effiziente Raumnutzung zusammenfinden. Projekte wie der 2025 gestartete Gemeinwohlbau oder die Hartz IV‑Möbel zeigen, wie sich Architektur sinnvoll denken lässt. Als Beitrag zu einer Stadt, die für alle lebenswert bleibt.

Van Bo, was bedeutet für Sie Smart Living? Smart Living heißt für mich nicht, dass alles digital vernetzt ist, sondern dass wir lernen, mit Raum, Energie und Ressourcen bewusster umzugehen. Wahre Lebensqualität entsteht, wenn wir durchdacht gestalten und vorhandenen Raum sinnvoll nutzen, statt immer mehr und größer zu bauen. Tiny Houses beispielsweise zeigen das sehr anschaulich: Weniger kann tatsächlich mehr sein, weil Reduktion Freiraum schafft. Natürlich braucht es trotzdem den Geschossbau, um für alle bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Aber am Ende geht es um Balance: nicht mehr besitzen, sondern besser leben.

Bedeutet denn nicht mehr Raum = mehr Lebensqualität? Ich bin überzeugt, dass das Glück des Wohnens weniger aus maximaler Freiheit entsteht, als aus einer strukturierten Form von Dichte. Historische Modelle wie die Blockrandbebauung zeigen, wie erfolgreich räumliche Verdichtung sein kann. Man kennt sich, man sieht sich, man interagiert. Die nachbarschaftliche Nähe erzeugt Lebendigkeit – genau das, was weltweit die beliebtesten Stadtviertel ausmacht. Schauen Sie nach New York oder Paris: überall verdichtete Strukturen, gemischte Nutzung, kurze Wege. Dort pulsiert das Leben, weil sie Dichte nicht als Mangel, sondern als Qualität verstehen.

Wahre Lebensqualität entsteht, wenn wir durchdacht gestalten und vorhandenen Raum sinnvoll nutzen, statt immer mehr und größer zu bauen.

Die (Blockrandbebauung) ist eine städtebauliche Form aus der Gründerzeit. Liegt die Antwort auf Smart Living-Modelle nicht eher in neuen Technologien? Architektur ist stark von Innovation geprägt, was grundsätzlich richtig und wichtig ist. Doch in der Geschichte liegen oft Antworten, die wir übersehen. Um 1900 wurde Raum, Struktur und Nutzung intelligent zusammengedacht: Wohnungen hatten über drei Meter hohe Decken. Heute gelten 2,50 Meter als Standard, obwohl mehr Höhe ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Wie Tiny Houses zeigen, lässt sich Raum in der Vertikalen vielfältig nutzen, durch doppelte Schlafebenen über dem Bad oder flexible Hänge- und Stapelmodule. Auch die sogenannte Lochfassade dieser Zeit war klug konzipiert: mit mehreren schmalen, hochformatigen Fenstern, die es zulassen, den Grundriss im Inneren bei Bedarf zu verändern. Im heutigen Wohnungsbau werden dagegen meist große, mittig gesetzte Fenster eingesetzt. Sie blockieren potenzielle Wandflächen und schränken die Umgestaltungsmöglichkeiten an unterschiedliche Lebenssituationen stark ein. Das „Mädchenzimmer“, heute würde man Ein-Zimmer-Einliegerwohnung sagen, erlaubte es, sich innerhalb desselben Hauses räumlich zu verkleinern. Wenn aber eine Witwe allein in ihrer Fünf-Zimmer-Wohnung bleibt, weil ein Umzug in eine kleinere aufgrund der heutigen Mietpreise nicht leistbar ist, wird wertvoller Wohnraum blockiert. Mit vorab flexibel durchdachten Strukturen ließe sich dies viel besser nutzen.

Smartes oder grünes Wachstum wird heute meist mit der Nutzung umweltfreundlicher und recycelbarer Materialien gleichgesetzt. Das hat seine Berechtigung, mein Verständnis von Nachhaltigkeit setzt eher bei der Frage an, wie wir so gestalten können, dass Gebäude wirklich lange und über Generationen Bestand haben. In der Architektur gilt das allerdings als unmodern. Weil man noch immer davon ausgeht, dass jede Generation ihre eigene Architektursprache braucht. Es ist doch so: In vielen Städten in Deutschland sehen wir leerstehende Büroflächen und gleichzeitig einen Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Neubauten schaffen meist Luxuswohnungen, die am Bedarf vorbeigehen. Ich glaube, wir müssen das Prinzip des gemeinschaftlichen Wirkens sehr viel mehr stärken. Mit Baugruppen, Genossenschaften, gemeinnützigen Initiativen. Wenn sich Menschen zusammentun, eigene Ideen einbringen und Verantwortung übernehmen, entstehen Projekte, die sozial, nachhaltig und wirklich leistbar sind. So kann die Zivilgesellschaft selbst Teil der Lösung werden, statt auf große Investoren zu warten.

  • Bei der geschlossenen Blockrandbebauung umschließen mehrgeschossige Gebäude als Ränder eines Baublocks entlang der Straße einen gemeinsamen Innenhof. Sie trennt öffentliche Straßenräume von privaten Rückzugsräumen und fördert dichte, gemischte Quartiere aus Wohnen und Gewerbe.

Architektur ist stark von Innovation geprägt, was grundsätzlich richtig und wichtig ist.

Factbox :

Van Bo Le-Mentzel lebt mit seiner Familie in einer 50 qm-Wohnung in Berlin. Wenn er nicht gerade Projekte für bezahlbaren Wohnungsbau vorantreibt, spielt der zweifache Vater gern Schlagzeug. Momentan sucht er Investoren, um bezahlbaren Wohnraum in Berliner Baulücken zu setzen: www.gemeinwohlbau.de

Frage/Wunsch von Le-Mentzel, ob wir die URL setzen würden.

24. Sep 2026

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Gesellschaft

Gemeinsam statt allein: Warum Vereinssport Ihr Leben verlängert – Ein Beitrag von Michaela Röhrbein, Vorständin Sportentwicklung des Deutschen Olympischen Sportbundes

Ich verrate Ihnen einen Geheimtipp, wie Sie Ihr Leben, wissenschaftlich belegt, um fast zehn Jahre verlängern können. Sie benötigen dazu keine teuren Medikamente, müssen sich keiner Operation unterziehen, nichts einfrieren lassen. Trotzdem gibt es erstaunlich wenig Menschen, die davon wissen – und noch weniger, die es tatsächlich umsetzen. Dabei ist der Tipp ganz einfach: Spielen Sie Tennis. Das zumindest sagt die dänische Copenhagen City Heart Study, eine Langzeituntersuchung über einen Zeitraum von fast 25 Jahren mit mehr als 8.000 Teilnehmenden. Die Forscher:innen untersuchten, ob Menschen, die regelmäßig Sport treiben, länger leben als solche, die das nicht tun. Die Antwort dürfte auf der Hand liegen. Spannender war deshalb die zweite Frage: Welche Sportarten sind besonders gesundheitsfördernd? Verglichen wurden unter anderem Tennis, Fußball, Joggen, Radfahren und Schwimmen. Die Ergebnisse sind erstaunlich. Menschen, die Tennis spielten, lebten im Durchschnitt fast zehn Jahre länger. Selbst wenn man andere, gewichtige Faktoren wie den sozioökonomischen Status einbezog, blieben die Ergebnisse eindeutig. Tennis verlängert das Leben. Die gute Nachricht: Alle untersuchten Sportarten haben laut Studie einen lebensverlängernden Effekt, manche mehr, manche weniger. Aus anderen Untersuchungen wissen wir außerdem etwas mindestens genauso Wichtiges. Nämlich, dass Sport und Bewegung die Lebensqualität verbessern. Das heißt, Sie leben nicht nur länger, wenn Sie regelmäßig Sport treiben, sondern auch länger gesund. Das ist ja großartig, sagen jetzt die einen. Warum handeln wir nicht danach, fragen die anderen. Die Frage ist berechtigt. Denn eigentlich hätten diese Ergebnisse, als sie vor acht Jahren erschienen sind, ein Weckruf für Politik und Gesellschaft sein müssen: Sport ist kein netter Zusatz, Sport ist lebensentscheidend, lebensverlängernd, er hält Menschen gesund und beugt Krankheit vor. Eine angemessenere Förderung von Bewegung und Sport könnte unser angeschlagenes Gesundheitssystem entlasten. Der Bewegungsmangel in Deutschland verursacht jedes Jahr fast drei Milliarden Euro an Gesundheitskosten. >Wer mit anderen zusammen Sport treibt, trifft Menschen, kommt ins Gespräch, knüpft soziale Kontakte, spürt Zusammenhalt. Schauen wir uns die Forschungsergebnisse noch einmal im Detail an, sticht eine Erkenntnis heraus, die erklärt, warum die aufgeführten Sportarten das Leben so beträchtlich verlängern können. Dass Sport und Bewegung gut für den Körper sind, ist durchaus bekannt und eher kein Geheimnis. Aber warum verlängern manche Sportarten das Leben so maßgeblich? Eine wichtige Antwort der Studie: Der Gemeinschafts-Faktor. Wer mit anderen zusammen Sport treibt, trifft Menschen, kommt ins Gespräch, knüpft soziale Kontakte, spürt Zusammenhalt. Die Forschung zeigt immer deutlicher, dass Gemeinschaft und soziale Kontakte bis ins hohe Alter ein entscheidender Faktor für ein längeres, glücklicheres Leben sind. Diese soziale Komponente entsteht aber nicht einfach so, sie braucht einen Rahmen: feste Trainingszeiten, ein Vereinsheim, ein Team, das einen erwartet, Verlässlichkeit und Zusammenhalt. Genau das bietet der organisierte Vereinssport wie kaum eine andere Struktur in Deutschland – und genau deshalb ist es unsere Aufgabe als Dachverband des Sports, dafür zu arbeiten, dass diese Erkenntnisse Einzug in politische Entscheidungen finden und der Sport, insbesondere der Vereinssport, angemessen gefördert wird. Wir wollen mehr Menschen in Bewegung bringen und ihnen ein gesünderes und glücklicheres Leben ermöglichen. Welche Sportart am besten zu Ihnen passt, das bleibt Ihre Entscheidung. Jede Bewegung ist besser als keine Bewegung. Wovon wir überzeugt sind, ist, dass Sport im Verein mit anderen Menschen am meisten Spaß macht – und er hält, wie die Wissenschaft zeigt, obendrein am längsten jung.