Diesen Artikel teilen:

16. Sep 2026

|

Wirtschaft

Nur die smarte Fabrik hat eine Zukunft – mit Prof. Dr. Dr. h.c. Detlef Zühlke, Gründer und Ehrenmitglied des Vorstandes der Technologie-Initiative SmartFactory-KL

Journalist: Christian Kolb

|

Foto: Presse, Simon Kadula/unsplash

Im internationalen Wettbewerb kann die deutsche Industrie nur überleben, wenn sie sich auf ihre Stärken besinnt und auf smarte Innovation setzt. Im Interview erklärt Prof. Dr. Dr. h.c. Detlef Zühlke, Gründer und Ehrenmitglied des Vorstandes der Technologie-Initiative SmartFactory-KL, wie die Fabrik der Zukunft aussieht und was Innovation für die Zukunft der deutschen Industrie bedeutet.

IMG_6779 Online.jpeg

Prof. Dr. Dr. h.c. Detlef Zühlke, Gründer und Ehrenmitglied des Vorstandes der Technologie-Initiative SmartFactory-KL

Was muss die deutsche Industrie tun, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein? Eine effiziente Produktion von Gütern braucht in einem Hochlohnland wie Deutschland eine Automatisierungstechnik auf Weltniveau. Bei der IT-getriebenen Automatisierung, die gerne mit dem Wort „smart“ umschrieben wird, haben wir die Nase noch vorn. Industrie 4.0 ist hier entstanden und hat die Welt erobert. Letztlich müssen gute Ideen in erfolgreiche Produkte münden, um damit Geld zu verdienen.

Wo stehen deutsche Unternehmen bei der Digitalisierung der Produktion? In den 70er Jahren gab es eine lokale Digitalisierung in den Maschinen und Anlagen. Das Internet hat die Automatisierungstechnik globalisiert. Deutschland ist hier gut aufgestellt und weiterhin führend. Aber es gibt noch viel zu tun. Während die großen Unternehmen weit voran sind, hinken viele KMU noch deutlich hinterher. Hier bedarf es noch großer Anstrengungen in Ausbildung und Anwendung.

Welche Rolle spielt das Industrial Internet of Things? Das Internet ermöglicht uns den Zugriff auf nahezu unbeschränkte Datenbestände. Daten sind allerdings zunächst wertlos. Erst wenn wir daraus Informationen und daraus Entscheidungen ableiten, bekommen sie einen Wert. Neue datengetriebene Geschäftsmodelle wie Pay-per-Use entstehen. Da die gigantischen Datenmengen von Menschen nicht mehr handhabbar sind, übernimmt jetzt die KI die Aufgabe der Auswertung und Aufbereitung.

Eine effiziente Produktion von Gütern braucht in einem Hochlohnland wie Deutschland eine Automatisierungstechnik auf Weltniveau.

Wie sieht die Smart Factory der Zukunft aus? Als ich 2005 die erste Smart Factory in Kaiserslautern gründete, wollten wir genau das erkunden. Wir haben mit smarten Maschinen angefangen, dann eine smarte vernetzte modulare Fabrik aufgebaut und beschäftigen uns heute mit verteilten autonom agierenden Einheiten. Die Zukunft wird durch globale Netzwerke aus (teil)autonom arbeitenden Produktionsanlagen gekennzeichnet sein.

Welche Hürden bremsen die Einführung von Smart Factory-Konzepten? Smart Factories sind geprägt durch ein Zusammenwirken von Maschinenbau, E-Technik und Informatik. Deswegen brauchen wir auch eine stärker interdisziplinäre Ausbildung der Ingenieure und Facharbeiter. Aber auch die Fabrik- und Produktionsplaner müssen neu denken. Wir sollten uns auch an die Grundprinzipien der Lean Automation erinnern, d. h. all unsere Bemühungen strikt auf Wertschöpfung auszurichten. Wie schon Albert Einstein sagte: Mache es so einfach wie möglich, aber nicht einfacher!

Welche Entwicklungen werden die Produktion in den nächsten zehn Jahren am stärksten verändern? Zum einen ist dies sicher die schnell fortschreitende Entwicklung in Mikroelektronik und Softwareengineering. Aber auch das Kundenverhalten wird uns neue Herausforderungen bringen. Was ich heute per Mausklick bestelle, will ich möglichst schnell bekommen. Das wird die Produktstrukturen, die Lieferketten und auch die Märkte verändern. Zum anderen werden wir uns immer schneller an unvorhersehbare geopolitische Veränderungen in unseren Lieferketten anpassen müssen.

Die Zukunft wird durch globale Netzwerke aus (teil)autonom arbeitenden Produktionsanlagen gekennzeichnet sein.

Factbox:

Prof. Dr. Detlef Zühlke (76) stammt aus Bad Pyrmont. Als er an der RWTH Aachen über Roboterprogrammierung promovierte, wusste er noch nicht, dass er mal von einem Roboter operiert werden würde. In seiner Freizeit schraubt er gerne an alten Autos oder Kameras herum. Seine liebste Innovation ist das Internet.

16. Sep 2026

|

Wirtschaft

Viel Innovationskraft

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten stehen viele mittelständische Unternehmen vor der Herausforderung, Innovationen zu entwickeln, um konkurrenzfähig zu bleiben – oder sogar einen Vorsprung vor den Wettbewerbern zu erlangen. Große Unternehmen haben einen scheinbaren Vorteil, denn oft verfügen sie über eigene Forschungsabteilungen, die die Produktpalette erweitern oder neu aufstellen. Deutschlands Wirtschaft aber basiert in erster Linie auf einem breiten Mittelstand, der solche Abteilungen nicht hat. Das muss kein Nachteil sein. Denn während große Unternehmen oft wie schwere Tanker auf hoher See agieren, also schwerfällig und langsam, sind mittelständische Unternehmen wie Schnellboote: flexibel und rasch in der Lage, sich auf eine neue Situation einzustellen und neue Ideen zügig umzusetzen. Allerdings müssen auch sie wissen, wie. Wichtig ist stets, die Mitarbeiter einzubinden, denn gute Ideen kommen oft direkt aus der Belegschaft. Kurze Wege zum Chef erleichtern den Austausch. Ebenso sollten Firmen ihre Kunden fragen, was sie sich wünschen. Eine weitere Möglichkeit ist die Zusammenarbeit mit einer Hochschule oder jungen Start-ups mit frischen Ideen. Auf diese Weise können neue Ideen und neues Wissen eingekauft werden. >Nach potenziellen Innovationsmöglichkeiten sollte man schon dann Ausschau halten, wenn sich die wirtschaftliche Lage gerade gut darstellt, denn dann kann frei von Zeitdruck gehandelt werden. Mittelständische Firmen sind viel besser als große Unternehmen in der Lage, solche neuen Ideen in kleinen Schritten zu testen, statt jahrelang im Stillen zu planen. Wenn etwas nicht klappt, können sie den Plan relativ unkompliziert ändern. Bei all diesen Schritten konzentrieren sie sich voll auf ihre Kernkompetenzen und verbessern diese ständig. Nach potenziellen Innovationsmöglichkeiten sollte man schon dann Ausschau halten, wenn sich die wirtschaftliche Lage gerade gut darstellt, denn dann kann frei von Zeitdruck gehandelt werden. Allerdings kann es auch sein, dass ein Mittelständler zu dem Schluss kommt, dass es besser ist, einen radikalen Schnitt zu machen statt kleiner Schritte. In diesem Fall können radikale Innovationen infrage kommen, die das Unternehmen gänzlich neu aufstellen. Statt bestehende Produkte nur schrittweise zu verbessern, lösen Unternehmen sich von der Gegenwart und entwickeln disruptive Geschäftsmodelle für die Zukunft. Die Bedeutung des innovationsfreudigen Mittelstands für die deutsche Wirtschaft insgesamt ist von großer Bedeutung. Denn er ist ein Katalysator für den technologischen Fortschritt und sichert als Treiber der Transformation die globale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Viele deutsche Mittelständler sind Hidden Champions, die durch ständige Innovationen ihre weltweite Marktführerschaft in Nischen behaupten und so den Exporterfolg sichern. Nicht zuletzt bringen sie Hightech-Arbeitsplätze und modernes Know-how in ländliche Räume, was die regionale Wirtschaft stärkt und Disbalancen ausgleicht. Somit stabilisieren sie die Wirtschaft hierzulande – gerade auch in herausfordernden Zeiten. >Denn während große Unternehmen oft wie schwere Tanker auf hoher See agieren, also schwerfällig und langsam, sind mittelständische Unternehmen wie Schnellboote: flexibel und rasch in der Lage, sich auf eine neue Situation einzustellen und neue Ideen zügig umzusetzen.