Diesen Artikel teilen:

4. Mär 2019

|

Lifestyle

Reisen bricht alle Rekorde

Journalist: Katja Deutsch

Reinhard Meyer und Norbert Fiebig über eine Branche im Aufwind.


Reinhard Meyer, Präsident Deutschen Tourismusverbandes (DTV), Foto: Benjamin Maltry

Ob ans Meer oder in Metropolen – auch 2018 stieg die Zahl der Gäste innerhalb Deutschlands und erreichte laut dem Statistischen Bundesamt mit 477,6 Millionen Übernachtungen einen neuen Rekord, vier Prozent mehr als im Vorjahr. „Urlaub in der Heimat war nicht zuletzt wegen des Ausnahmesommers sehr beliebt“, sagt Reinhard Meyer, Präsident des Deutschen Tourismusverband e. V. (DTV).

Das eigene Land blieb 2018 laut der Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen für jeden dritten Bewohner Deutschlands der Urlaubsfavorit, wobei Mecklenburg-Vorpommern Bayern als das beliebteste Bundesland überholt hat. Schleswig-Holstein landete im Ranking nach Niedersachsen auf dem vierten Platz.

Angetrieben wird die Lust auf Reisen auch von der Digitalisierung. Das beginnt bereits mit der Sichtbarkeit der Anbieter. „Wer hier nicht als Mindeststandard im Internet auftaucht, der hat schon verloren“, sagt Reinhard Meyer. „Denn die Informationsbeschaffung erfolgt im Internet. Dabei verändert die digitale Kultur auch die Beziehung zwischen Anbieter und Gästen. Wer am nächsten Morgen in puncto Bettenqualität, Sauberkeit, Service und Essen von seinen Gästen bewertet wird, sollte imstande sein, schnell darauf zu antworten.“ Auch gebucht würde immer mehr von unterwegs aus, anhand praktischer Apps mit vielen Funktionen. Doch überhaupt mobil buchen zu können, erfordere als Grundvoraussetzung etwas, das eigentlich selbstverständlich sein sollte: Internet und WLAN an allen verfügbaren Orten.

„Für einen ruhigen Familienurlaub am Strand legen Eltern sehr viel Wert auf WLAN, damit ihre Kinder vor Ort surfen können“, sagt Reinhard Meyer. „Das mag sich witzig anhören, ist aber ein ernsthaftes Thema, dem wir vor allen anderen unsere Aufmerksamkeit widmen sollten.“ Bei vielen Urlaubszielen in strukturschwachen Regionen fehle die Erreichbarkeit, das beginne beim Mobilfunk. Eine entsprechende Breitbandversorgung in sämtliche Ecken unseres Landes erachtet der DTV-Präsident deshalb als allererste Priorität. „Erst dann hat es Sinn, über Influencer-Marketing, digitale Gästezeitung und WhatsApp-Service im Hotel und Alexa-steuerbaren Hotelservice zu sprechen.“

Digitale Angebote können auch abgelegene Standorte stark in den Fokus rücken und die Sicht auf komplexe Themengebiete verändern. Meyer: „Wer heute über moderne Konzepte von Museen und Ausstellungsflächen spricht, nennt digitale Angebote wie Virtual-Reality-Brillen
und Apps. Das ist besonders für Museen und Ausstellungsflächen eine attraktive Ergänzung, die Besucher begeistert annehmen.“

Denn neben Stränden und erholsamer Natur sind auch Jubiläumsjahre ein starker Impulsgeber für die Branche. „Ich freue mich zum Beispiel darüber, dass Sachsen-Anhalt nach der Luther-Dekade nun erneut eine Riesenchance bekommt, durch das hundertjährige Bauhausjubiläum ein interessiertes Publikum anzuziehen. Auch Thüringen hat erheblich von dem Luther-Jubiläum profitiert. Das neue Bauhausmuseum in Weimar wird seine Pforten im April öffnen, das in Dessau wird im September folgen. Genau solche Highlights brauchen wir, um mit besonderen Events zu begeistern und ein internationales Publikum anzuziehen.“

Schlösser, Herrenhäuser und Klöster sind heiß begehrte Orte, an denen Gäste ihr Haupt betten möchten, denn immer mehr Reisende legen Wert auf eine besondere oder einzigartige Unterkunft anstelle gesichtsloser Hotels. „Wenn schon, denn schon“ scheint die Devise zu sein – zumindest für den Urlaub im Urlaub: „Eine Nacht im nur aus Containern bestehenden Hostel Dock Inn in Rostock-Warnemünde (das den Tourismuspreis 2017 erhalten hat), im Baumhaus, im Schlafstrandkorb oder im „Schlafwürfel“, dem „Sleeperoo“ zu verbringen, ist eine Variante, die viele Besucher als besonderes Highlight in ihrem zwei- oder dreiwöchigen Urlaub buchen“, so Meyer.

Der Tourismus bedeutet für Deutschland einen herausragenden Wirtschaftsfaktor: Geschäftsreisende, Urlauber und Tagesausflügler geben jährlich über 287 Milliarden Euro für Unterkunft und Mobilität aus, knapp drei Millionen Menschen sind in der Branche beschäftigt. Doch auch wenn die ermittelten Zahlen Jahr für Jahr nach oben zeigen, fordert der Deutsche Tourismusverband eine nationale Tourismus-Strategie aus einer Hand, denn die Experten sehen hier noch viel Potenzial.

„Wir fordern einen Gesamtrahmen für eine erfolgreiche touristische Entwicklung bis zum Jahre 2025, denn wir können noch mehr erreichen“, sagt Reinhard Meyer. „Ein Fördersystem aus einem Guss, das auch strukturschwache Regionen stärkt.“ Denn besonders in den ländlichen, abgelegenen Gebieten habe Tourismus eine stabilisierende Bedeutung, sichere Wohlstand und erhalte die Lebensgrundlage. Gut geschulte Fachkräfte seien dazu nötig – auch, um den knapp 90 Millionen ausländischen Gästen guten Service zu bieten. Große Bedeutung komme auch der hohen Qualität der Unterkünfte, dem Ausbau der Dienstleistungszertifizierung und dem Ausbau der Infrastruktur zu, die den veränderten Mobilitätsanforderungen gerecht werden müsse.

Gleichzeitig bekennt sich der DTV ausdrücklich zu einer nachhaltigen Entwicklung im Bereich Tourismus und Umwelt in Deutschland. Denn eine intakte Natur ist den Deutschen im Urlaub wichtig.


Norbert Fiebig, Präsident  Deutschen Reiseverbandes (DRV), Foto: NDR / Christian Wyrwa

Wohin zieht es die Deutschen, wenn sie ihren Urlaub woanders verbringen möchten? „Der klassische Badeurlaub ist auch dieses Jahr die gefragteste Urlaubsform“, sagt Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes (DRV). „Am liebsten fliegen die Bundesbürger dazu ans Mittelmeer: Die Küsten von Spanien, Griechenland und der Türkei vereinen rund 70 Prozent der bislang gebuchten Sommerumsätze auf sich. Doch auch die Strände von Nordafrika sind wieder begehrte Ziele.“ Erfreulicherweise sei die starke Delle, die der Arabische Frühling gerade in Ägypten hinterlassen hatte, mittlerweile überwunden und das Land befinde sich auf steilem Weg nach oben. „Neun von zehn Urlaubern zieht es jedoch nicht nach Kairo oder Luxor, sondern ans Rote Meer. Nicht wenige buchen ihren Badeurlaub in Kombination mit einer Nilkreuzfahrt oder unternehmen Tagesausflüge zu den antiken Sehenswürdigkeiten.“ Ähnliche Präferenzen haben die deutschen Urlauber in Tunesien, Marokko und der Türkei: Auch hier wird kaum im Landesinneren gereist, sondern das Meer und die Strände genossen. 

Strände locken jedoch nicht nur in Europa, sondern auch in den USA und Asien. „Die USA sind seit Jahren das beliebteste Fernreiseziel der Deutschen“, so Norbert Fiebig. „Auch wenn wir in den letzten zwei Jahren starke Besucherrückgänge hatten – über deren Gründe man nur spekulieren kann –, registrieren wir in den Reisebüros derzeit eine deutliche Zunahme an Buchungen. Vielleicht zeigen sich hier Nachholeffekte.“ Und neben großen Metropolen wie New York schwärmen die Deutschen vor allem vom Sunshine-State Florida, auch Rundreisen per Mietwagen oder Campmobil entlang der kalifornischen Küste und der Ostküste oder durch die Südstaaten sind sehr beliebt. Zudem haben die Buchungen für Flugrundreisen merklich zugenommen – in kürzerer Zeit mehr sehen und erleben können, ohne dazu tagelang im Auto sitzen zu müssen überzeugt viele USA-Reisende.

In Asien führt Thailand unangefochten die Liste an. Auch hier steht der Wunsch nach Baden und Entspannen stark im Fokus der Urlauber. Unsere Wintermonate sind Hauptreisezeit für Fernziele und für die gerade laufende Saison zeigt sich, dass auch Australien und Neuseeland wieder stärker gefragt sind. „Ebenso zeigen Traumreiseinseln wie Mauritius, die Malediven und die Seychellen gute Zuwächse.“ Parallel sind bereits in den vergangenen Jahren Vietnam und Malaysia stärker auf die touristische Landkarte gerückt. In Malaysia – diesjähriges Partnerland der internationalen Tourismusmesse ITB Berlin – locken vor allem die Traumstrände auf Langkawi und Naturfreunde begeistern sich für den teilweise gänzlich unberührten Urwald. Veranstalter haben deutlich mehr Hotels unter Vertrag genommen und die allgemeine touristische Infrastruktur ist ausgebaut worden.

„Wir sehen außerdem, dass sich die Hochseekreuzfahrt fortgesetzt auf Wachstumskurs befindet“, so Fiebig. „Wie sehr die gesamte Branche boomt, zeigt sich bei den großen Kreuzfahrtschiffen auf den allgemein bekannten Routen: Mittelmeer, Nordland, Skandinavien, Karibik. Großes Wachstumspotenzial sehen wir auch im Luxussegment und im Bereich der Expeditionsschiffe. Auf kleineren Schiffen mit weniger Passagieren stehen häufig Naturerlebnisse abseits bekannter Wege und der sehr persönliche Service im Vordergrund.“

Doch der Boom des Tourismus – und damit auch der Kreuzfahrten – bereitet nicht allen Freude. „Punktuell zu stark frequentierte Innenstädte oder touristische Highlights sind eine Herausforderung für die Branche“, so Fiebig. „Hier sind in erster Linie die Destinationen gefordert“. Wichtig ist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Reisenden, die auch vor Ort Geld ausgeben und die lokale Wirtschaft ankurbeln und dem Wohlwollen der ansässigen Bevölkerung. Bleiben die Besucher weg, leidet auch die Wirtschaft. Deshalb ist es besser, Besucherströme durch intelligente Steuerung besser zu verteilen und dadurch für Entzerrung zu sorgen. „Bei einer organisierten Reise kann man beispielsweise die Sixtinische Kapelle in Rom in aller Ruhe morgens um 7 Uhr besuchen. Kreuzfahrtschiffe können versuchen, nicht alle gleichzeitig anzulegen und Häfen auch im Herbst und Winter anzusteuern.“

Organisierte Reisen lohnten sich aber noch aus einem ganz anderen Grund. Bucht der Kunde ein Komplettpaket, muss er sich nicht nur um nichts weiter kümmern, im Falle einer Insolvenz wie der von Germania oder Air Berlin hat er kein Problem: Der Veranstalter sorgt hier für eine alternative Beförderung, ohne dass dem Kunden ein finanzieller Schaden entsteht. Fiebig: „Wir sehen, dass die Menschen stark auf die Pauschalreise setzen – weil sie merken, es kann überall auf der Welt etwas passieren. Sei es Einschränkungen durch starke Schneemassen in Österreich, ein Vulkanausbruch, ein tropischer Wirbelsturm oder ein Terroranschlag. Wer eine Komplettreise gebucht hat, ist einfach besser abgesichert.“ Die Hälfte aller Reisen wird mittlerweile als Pauschalreise gebucht, die andere Hälfte selbst auf eigene Faust organisiert, so Fiebig.

„Beim Umsatz der Reiseveranstalter und Reisebüros werden wir 2018 voraussichtlich um zwei Milliarden Euro über dem Wert von 2017 liegen“, freut sich der DRV-Präsident. „Für 2019 erwarten wir weiter eine hohe Urlaubsnachfrage, da die Reiselust der Deutschen nicht nachlässt.

Zwei Drittel aller Reisen der Deutschen gehen übrigens ins Ausland, ein Drittel der Reisen wird im eigenen Land verbracht. Neben Ost- und Nordsee werden dabei am liebsten Metropolen wie Berlin, München, Köln und Hamburg besucht – für ein Konzert oder Musical, eine Ausstellung oder zum Shoppen. Diese Trends bleiben aller Voraussicht nach bestehen.

11. Jun 2026

|

Lifestyle

Neues Leben für Schuhe

Die wichtigste Verbindung zwischen Sportler und Untergrund ist der Schuh. Doch was, wenn das geliebte Paar an Grip verliert oder undicht wird, das Obermaterial aber noch top in Schuss ist? Statt neue und oft erst einmal unbequeme Schuhe zu kaufen, setzen Athleten mit der Neubesohlung auf eine nachhaltige Alternative. Für sie ist die reparierte Ausrüstung keine Notlösung, sondern die bewusste Entscheidung, die Lebensdauer ihrer hochwertigen Sport- und Outdoorschuhe zu verlängern. Wer sich für eine fachmännische Neubesohlung entscheidet, tut nicht nur etwas für die Umwelt, sondern investiert auch in den eigenen Komfort. Oft müssen neue Schuhe erst eingelaufen werden. Blasen und Druckstellen sind der Preis in der Eingewöhnungszeit. Beim Neubesohlen von Schuhen behält man das perfekt an den Fuß angepasste Obermaterial. Der Schuh sitzt sofort und hat dank der neuen Sohle wieder den Grip eines brandneuen. Die Entscheidung, die Lebensdauer der eigenen Schuhe zu verlängern, hat auch eine wirtschaftliche Komponente. Oft kostet eine professionelle Neubesohlung durch den Hersteller oder einen Schuster nur einen Bruchteil des Neupreises. Gerade bei Premium-Schuhen rechnet sich die Investition. Wo es auf die Performance ankommt, kann die Neubesohlung ein Upgrade sein. Je nachdem, für welche Gummimischung man sich bei der Neubesohlung entscheidet, bekommt ein in die Jahre gekommener Schuh mit einer modernen Sohle mehr Grip als er im Originalzustand hatte. Und auch modisch kann man Akzente setzen und sich für eine neue Sohle in Trendfarbe entscheiden. >Oft müssen neue Schuhe erst eingelaufen werden. Blasen und Druckstellen sind der Preis in der Eingewöhnungszeit. Die Herstellung von Schuhen gilt als äußerst energie- und ressourcenintensiv. Kunststoffe, Klebstoffe und viele andere Materialien haben einen großen ökologischen Fußabdruck. Dieser wird kleiner, wenn man bei Verschleiß nur die Sohle austauscht und den Rest des Schuhs weiterverwendet. Das spart wertvolle Ressourcen und vermeidet unnötigen Abfall. Ob ein Schuh sich zur Neubesohlung eignet, sollte man schon vor dem Kauf in Erfahrung bringen. Wenn die Sohle mit dem Rest des Schuhs untrennbar verbunden ist, stößt das Reparatur-Handwerk an seine Grenzen. Andere Schuhe, darunter auch viele Wanderstiefel und Kletterschuhe, ermöglichen den problemlosen Austausch der Sohle. Ein Indikator für Laien ist, ob der Hersteller selbst einen Reparaturservice anbietet. Dort können originale Leisten verwendet werden, sodass die Passform exakt erhalten bleibt. In vielen Fällen ist auch der örtliche Schuster eine gute Wahl, um Schuhen mit abgetragenen Sohlen ein zweites Leben zu bescheren. So bleibt verlässliches Schuhwerk im Einsatz. Nichts ist verlässlicher als ein Schuh, der sich über Jahre hinweg bewährt hat und durch eine frische Sohle die Performance zurückbekommt, die im Alltag oder für das nächste Abenteuer gebraucht wird. >Andere Schuhe, darunter auch viele Wanderstiefel und Kletterschuhe, ermöglichen den problemlosen Austausch der Sohle.

11. Jun 2026

|

Gesundheit

Mehr als Sport: Warum Vereine unverzichtbar sind – Ein Beitrag von Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes

Es gibt Orte, an denen Gesellschaft im Kleinen sichtbar wird. Orte, an denen Menschen zusammenkommen, die sich sonst vielleicht nie begegnet wären – weil sie unterschiedliche Lebenswege haben, verschiedenen Altersgruppen angehören, unterschiedlichen Jobs nachgehen oder aus diversen sozialen Kontexten kommen. Diese Orte gibt es in Deutschland zum Glück fast überall, rund 86.000-mal: Es sind unsere Sportvereine. Denn in Deutschland engagieren sich Millionen von Menschen genau hier. Sie trainieren gemeinsam, halten sich fit, knüpfen Freundschaften, organisieren Wettkämpfe, begleiten Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung und schaffen Strukturen, die weit über das eigentliche Sporttreiben hinausreichen. Sportvereine sind mehr als Orte der Bewegung, sie sind soziale Räume. Sie fördern Zusammenhalt, vermitteln Werte wie Fairness, Respekt und Verlässlichkeit und stärken damit unsere Gesellschaft. Der Vereinssport ist die größte Bürgerbewegung unseres Landes. Mit mehr als 29 Millionen Mitgliedschaften vereint er mehr Mitglieder als der ADAC, als sämtliche politische Parteien, als die Kirchen und – man mag es kaum glauben – mehr, als es Netflix-Abos in Deutschland gibt. Zum zweiten Mal hintereinander haben die Sportvereine unter dem Dach des Deutschen Olympischen Sportbundes 2025 Rekordwerte gefeiert. >Sport verbindet, er hält gesund und bringt uns zusammen. Aber um das tun zu können, braucht er passende Orte, an denen er sein Potenzial entfalten kann. Diese Orte gibt es 86.000-mal in Deutschland, und wir alle sollten sie stärken, indem wir uns einbringen, wo wir können. Gleichzeitig stehen viele dieser Strukturen unter Druck. Ehrenamtliches Engagement wird immer knapper, Sportvereine werden heute mehr als Dienstleister denn als Gemeinschaftsprojekt gesehen. Hallenzeiten fehlen, Bürokratie führt zu Belastungen und finanzielle Ressourcen sind begrenzt. Sportvereine haben es trotz – oder gerade wegen – ihrer vielen Mitglieder nicht leicht. Wir sehen, dass der Wunsch bei sehr vielen Menschen so groß ist wie nie zuvor, etwas Gutes für ihre Gesundheit zu tun; und dass sie das nicht allein tun wollen im Fitnessstudio, beim Joggen im Park oder auf der Yogamatte bei sich zu Hause, sondern dass sie Gemeinschaft suchen im Sportverein um die Ecke. Für wenig Geld im Monat gibt es hier Sport, der Spaß macht, von Trainer:innen geleitet wird, der die Gesundheit fördert und der Menschen zusammenbringt. Auch in diesem Jahr steuern wir wieder auf einen Mitgliederrekord zu. Das sind gute Nachrichten, aber sie führen dazu, dass die bestehenden Probleme – eine stagnierende Zahl an Ehrenamtlichen muss mehr Menschen betreuen, und das in zunehmend maroden Sportstätten – sich noch stärker zeigen. Der gesellschaftliche Wert von Sport entfaltet sich nicht automatisch. Er entsteht dort, wo Menschen sich einbringen. Ein Sportverein ohne Menschen aus seiner Stadt, seinem Dorf, seiner Nachbarschaft, die sich heute engagieren, macht morgen seine Türen zu. Wer im Verein aktiv ist, trägt dazu bei, dass gemeinschaftliches Sporttreiben überhaupt möglich bleibt. Die Frage ist nicht, ob wir Sport brauchen – diese Frage lässt sich leicht mit „Ja“ beantworten. Die Frage ist, wie viele von uns bereit sind, ihn mitzugestalten und mit Leben zu füllen. Ob als Mitglied, als Ehrenamtlicher oder als jemand, der andere mitzieht: Jeder Beitrag zählt. Sportvereine funktionieren nicht von selbst. Sie funktionieren besonders dort gut, wo sie von vielen unterschiedlichen Menschen getragen werden. Sport verbindet, er hält gesund und bringt uns zusammen. Aber um das tun zu können, braucht er passende Orte, an denen er sein Potenzial entfalten kann. Diese Orte gibt es 86.000-mal in Deutschland, und wir alle sollten sie stärken, indem wir uns einbringen, wo wir können.