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20. Apr 2026

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Business

Shit in, Shit out – oder warum kompetente KI-Nutzung der Schlüssel zum Erfolg ist – Im Interview mit Miriam Wohlfarth, Co-Founder und Co-CEO von Banxware, einem FinTech-Unternehmen für Embedded Finance und Kreditlösungen

Journalist: Katja Deutsch

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Foto: Presse

Miriam Wohlfarth ist Co-Founder und Co-CEO von Banxware, einem FinTech-Unternehmen für Embedded Finance und Kreditlösungen. Sie gilt als eine der profiliertesten Stimmen der deutschen FinTech-Szene und spricht regelmäßig über Themen wie Finanzinnovation, Unternehmertum und die Zukunft des Bankwesens. Warum Führungskräfte das Thema KI jetzt nach ganz oben stellen sollten, erklärt sie im Interview.

Frau Wohlfarth, warum befinden wir uns gerade mitten in einem Wendepunkt für eine neue Finanzordnung? Das Finanzsystem durchläuft gerade einen tiefgreifenden Wandel: Viele alte Annahmen gelten nicht mehr. Jüngere erwarten digitale, schnelle und reibungslose Prozesse, während Ältere sich durch Filialschließungen abgehängt fühlen. Plattformen wie Amazon haben unsere Erwartungen an Geschwindigkeit, Einfachheit und personalisierte Angebote hochgeschraubt. Für Banken sind deshalb leistungsfähige Technologie und datengetriebene Ansätze wirklich entscheidend – doch viele stoßen hier an ihre Grenzen. Veraltete Legacy-Systeme großer Unternehmen erschweren die Einführung von Cloud, APIs und KI. Besonders bei KI gilt: „Shit in, shit out“. Ohne hochwertige, strukturierte Daten liefert selbst das beste Modell keinen Mehrwert. Oft wäre also ein kompletter Neuanfang effizienter als die ständige Reparatur bestehender, veralteter Systeme.

Wo und für wen sehen Sie hierbei die größten Chancen? Und wo lauern Risiken? Als Gründerin sehe ich natürlich vorrangig Chancen! (lacht). KI eröffnet insbesondere für agile, modulare Unternehmen tolle Möglichkeiten, denn sie kann Prozesse verschlanken und Produkte schnell anpassen. Auch Embedded Finance gewinnt an Bedeutung, die Distribution von Finanzprodukten in der Bankfiliale ändert sich gerade drastisch, Kredite lassen sich viel einfacher direkt über Marktplätze oder Softwarelösungen anbieten und anfragen – das ist sehr cool für Unternehmen, die bei klassischen Banken schlecht Zugang haben.

Risiken sehe ich vor allem in der Abhängigkeit vernetzter Systeme und der Notwendigkeit, KI transparent, verantwortungsvoll und nachvollziehbar einzusetzen. Entscheidend bleibt dabei die menschliche Expertise. Bei Banxware treffen wir datenbasierte Entscheidungen und teilen das Risiko mit Partnerbanken, sodass Kredite schneller bereitgestellt werden können, ohne die regulatorischen Rollen der Banken zu ersetzen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt also nicht allein in der Technologie, sondern in deren kompetenter, reflektierter und verantwortungsvoller Nutzung.

Ohne hochwertige, strukturierte Daten liefert selbst das beste Modell keinen Mehrwert.

Was verstehen Sie unter einem kooperativen Finanzsystem, und wo fehlt heute noch etwas? Kooperative Modelle sind aus meiner Sicht zentral für die Zukunft des Finanzsystems. Früher gab es Generalisten, die alle Finanzbedürfnisse abdeckten, doch mit neuen Distributionskanälen und wachsender technologischer Komplexität funktioniert dieses Modell immer schlechter. Spezialisierte Anbieter können einzelne Wertschöpfungsstufen effizienter übernehmen, und Partnerschaften ermöglichen es Banken, Kreditprodukte deutlich schneller anzubieten. Kooperationen mit spezialisierten Partnern sind daher kein Zeichen von Schwäche, sondern Voraussetzung für Geschwindigkeit, Qualität und nachhaltige Innovation.

Wo könnten klassische Banken besser mit Fintechs zusammenarbeiten und dabei Blockchain-basierte Systeme nutzen? Klarer Fokus macht erfolgreich, auch in der Zusammenarbeit! Banken sollten zunächst analysieren, welche Probleme sie lösen möchten oder müssen, und wo ihre Schwächen liegen. Erst dann macht die gezielte Auswahl von Partnern wie Fintechs oder Technologieanbietern oder von Blockchain-Lösungen Sinn. Entscheidungen aus Druck oder „Wir müssen mitmachen“-Mentalität sind oft schlechte Entscheidungen. Leider treffen viele Führungskräfte auch schlechte Entscheidungen, weil ihnen technisches Wissen fehlt. Umso wichtiger ist es, sich seinen Laden ehrlich anzuschauen, eigenen Grenzen zu akzeptieren, klare Rollen zu definieren und vielleicht externe Expert:innen einzubinden, anstatt alles selbst steuern zu wollen.

Risiken sehe ich vor allem in der Abhängigkeit vernetzter Systeme und der Notwendigkeit, KI transparent, verantwortungsvoll und nachvollziehbar einzusetzen. Entscheidend bleibt dabei die menschliche Expertise.

Ist KI im Finanzsektor eher Effizienztreiber oder fördert sie auch Intransparenz? KI macht unseren Job so viel effizienter! Vorausgesetzt, sie wird richtig eingesetzt und vernetzt Daten und Prozesse über verschiedene Unternehmensbereiche. Zentrale Wissenssysteme wie unternehmensinterne KI-Modelle bündeln Informationen in Sekundenschnelle, vereinfachen die Kommunikation und erleichtern die Einarbeitung neuer Mitarbeitender. Ein solches Fundament steigert Transparenz und Produktivität erheblich, sofern die Mitarbeitenden wissen, wie sie KI effizient nutzen können. Denn sonst entstehen schnell neue Probleme.

Wer kontrolliert und haftet bei Entscheidungen, die KI-Agenten selbständig ausführen? Und wie sollten diese Vorgänge reglementiert werden? Ganz gleich, ob Geschäft, klassische Verkaufsplattform oder KI-Agent – grundsätzlich haftet bei Produkten und Dienstleistungen immer der Anbieter. Entscheidend ist, KI nachvollziehbar und regulatorisch abgesichert zu nutzen. Der Mensch bleibt „Dirigent“, überwacht die Modelle und sorgt für Transparenz. Zusätzlich brauchen wir Prüfprozesse, Stopptasten und Kontrollinstanzen, um KI verantwortungsvoll einzusetzen und Haftungsrisiken zu minimieren.

Factbox:

Miriam Wohlfarth…

• fühlt sich am wohlsten mit gutem Essen, Blick aufs Wasser und Sand unter den Füßen • würde sofort an Bord gehen, wenn Boris Herrmann ruft • träumt davon, sich einfach mal 12 Monate Zeit zu nehmen, um die Welt (und ihre Küchen) zu entdecken

2. Apr 2026

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Business

Daten als Fundament moderner Wertschöpfung – mit Andreas J. Wagner, Geschäftsführer von SAP Österreich

![Andreas Wagner Atelier Schulte 4 Kopie Onlinejpg.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/Andreas_Wagner_Atelier_Schulte_4_Kopie_Onlinejpg_ba179e5e36.jpg) ``` Andreas J. Wagner, Geschäftsführer von SAP Österreich ``` Moderne Wertschöpfungsnetzwerke bestehen aus eng verknüpften Prozessen in Planung, Beschaffung, Produktion und Logistik. Um diese komplexen Systeme besser steuern zu können, setzen Unternehmen zunehmend auf Plattformen, die Anwendungen, Daten und Prozesse über Organisationsgrenzen hinweg miteinander verbinden. So entstehen gemeinsame Datenräume, in denen Informationen aus unterschiedlichen Bereichen zusammengeführt und analysiert werden können. Zunehmend werden dafür standardisierte Datenprodukte aufgebaut, die Informationen strukturiert bereitstellen und für Analysen nutzbar machen. „Erst, wenn Daten aus verschiedenen Teilen der Wertschöpfung miteinander verknüpft sind, entsteht ein belastbares Gesamtbild“, sagt Andreas J. Wagner, Geschäftsführer von SAP Österreich. Datenmodelle und analytische Systeme helfen dabei, Zusammenhänge sichtbar zu machen und mögliche Handlungsoptionen abzuleiten. „Die Herausforderung liegt heute weniger im Sammeln von Daten als darin, aus ihnen fundierte Entscheidungen zu entwickeln“, so Wagner. >Erst, wenn Daten aus verschiedenen Teilen der Wertschöpfung miteinander verknüpft sind, entsteht ein belastbares Gesamtbild.

2. Apr 2026

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„Nachhaltigkeit wird zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor“ – mit Michael Rauhofer, Managing Director European Logistics bei DACHSER Austria

![Michael Rauhofer_Büro Online.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/Michael_Rauhofer_Buero_Online_6096b75223.jpg) ``` Michael Rauhofer, Managing Director European Logistics bei DACHSER Austria ``` In der Logistik zahlt sich Nachhaltigkeit für die Unternehmen immer dann aus, wenn sie Kosten stabilisiert, Risiken reduziert und die Effizienz erhöht. Wer Emissionen senkt, reduziert oft auch Energie und Mautkosten und macht seine Lieferketten robuster. Entscheidend ist, Nachhaltigkeit als Business Case zu denken: etwa durch intermodale Konzepte und kombinierte Verkehre, die wirtschaftlich sind und gleichzeitig CO₂ sparen. Nachhaltigkeit ist also kein Klotz am Bein, sondern im Gegenteil: Sie wird zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor. >Nachhaltigkeit ist also kein Klotz am Bein, sondern im Gegenteil: Sie wird zunehmend zu einem Wettbewerbsfaktor. Für Unternehmen sind auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit drei Schritte entscheidend. Erstens Transparenz bei den Daten – etwa über Sendungen, Laufzeiten oder Emissionen. Zweitens eine klare Dekarbonisierungs Roadmap. Das umfasst Flotte, Modal Shift, aber auch die Einbindung von Partnern. Und drittens der verantwortungsvolle Einsatz von Digitalisierung und KI. Das heißt: saubere Daten, klar definierte Anwendungsfälle, geschulte Mitarbeitende und von Anfang an mitgedachte Compliance.