16. Sep 2026
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Wirtschaft
Journalist: Thomas Soltau
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Foto: Presse, Getty Images/unsplash
Dr. Hubertus Porschen ist Unternehmer, promovierter Volkswirt und elffacher Unternehmensgründer. Er führt die Dr. Hubertus Porschen GmbH sowie die KI-Beratung AI Transformation Partners (AITP) und begleitet mittelständische Unternehmen bei der Einführung von Künstlicher Intelligenz. Warum Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit weniger von der Technologie selbst als von klaren Prozessen, konsequenter Umsetzung und unternehmerischem Mut abhängt, erklärt er im Interview.

Dr. Hubertus Porschen, Unternehmer, promovierter Volkswirt, Unternehmensgründer
Der Mittelstand fordert seit Jahren weniger Bürokratie. KI kann heute viele Verwaltungsaufgaben automatisieren. Warum klagen viele Unternehmen trotzdem noch über dieselben Prozesse wie vor fünf Jahren? Weil viele ihre eigenen Prozesse nicht genau genug kennen. Wer einen schlechten Prozess mit KI unterstützt, beschleunigt nur das Chaos. Die Technologie ist da. Neue Prozesse entstehen erst aus Prozesskenntnis, Technologieverständnis, geschulten Mitarbeitenden und klarer Strategie.
Deutschland blickt häufig ins Silicon Valley oder nach China. Von welchem Land könnten sich familiengeführte Unternehmen hierzulande derzeit am meisten abschauen – und weshalb gerade dort? Singapur. Dort ist KI kein Showthema, sondern wird systematisch in Prozesse übersetzt – mit klaren Verantwortlichkeiten, Qualifizierung und messbaren Ergebnissen. Das passt zu Familienunternehmen: langfristig denken, pragmatisch testen, konsequent skalieren. Nicht das zentralistische Modell kopieren, sondern die Umsetzungshaltung: weniger Piloten, mehr produktiver Einsatz. Auch Estland, Südkorea und die VAE lohnen den Blick.
Von welcher derzeit gefeierten KI-Entscheidung würden Sie einem mittelständischen Unternehmer heute ausdrücklich abraten? Vom flächendeckenden Ausrollen von KI-Agenten, bevor die Basis steht. Die Reihenfolge: Prozesse analysieren, Use Cases identifizieren, Mitarbeitende schulen, KI-Strategie entwickeln – dann mit hoher Geschwindigkeit umsetzen. Wer sie umdreht, kauft teures Spielzeug.
Wer einen schlechten Prozess mit KI unterstützt, beschleunigt nur das Chaos.
Viele Geschäftsführer sagen, ihre Mitarbeitenden hätten Angst vor KI. Liegt das eigentliche Problem nicht häufig in der Chefetage? Ja. Mitarbeitende haben keine Angst vor KI, sondern vor Unsicherheit und Unwissenheit. Dagegen helfen Plan, Strategie, verständliche Compliance-Regeln und breite Befähigung – und eine Geschäftsführung, die selbst Ahnung hat: Work like you talk, vorleben statt verordnen. Auffällig: Wer gute Kultur und gute Prozesse hat, kommt auch bei KI am schnellsten voran.
Ein internationaler Investor analysiert tausend mittelständische Unternehmen. Woran würde er sofort erkennen, dass sie aus Deutschland stammen? Daran, dass die erste Frage den Risiken gilt und die zweite dem Datenschutz – bevor jemand über Chancen spricht.
Sie sprechen jedes Jahr mit Hunderten Unternehmerinnen und Unternehmern. Bei welcher Aussage denken Sie inzwischen innerlich: Genau deshalb kommen wir beim Thema KI nicht voran? „Wir warten, bis die Technologie ausgereift ist.“ Oder: „KI ist wie ein Messer – hat Vor- und Nachteile.“ Bei elf Gründungen, einige davon gescheitert, habe ich am schnellsten aus Fehlern und dem Machen gelernt, nie aus dem Warten. Weg von der Perfektion, rein ins Doing, mit Strategie: KI ist vor allem ein Transformationsprojekt.
Angenommen, morgen wären alle Beschäftigten souverän im Umgang mit KI: Welche Fähigkeit würde am Ende den Unterschied zwischen erfolgreichen und erfolglosen Mittelständlern ausmachen? Urteilskraft. Wenn alle die Werkzeuge beherrschen, gewinnt, wer die richtigen Fragen stellt, schnell entscheidet und Verantwortung übernimmt. Das, was gute Unternehmer schon immer ausgezeichnet hat – nur ohne Ausreden.