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16. Mär 2021

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Lifestyle

Wir brauchen die Verlagerung im großen Stil

Journalist: Katja Deutsch

ADFC-Verkehrsexpertin Stephanie Krone im Interview über den boomenden Trend Fahrrad.

Während der Pandemie haben viele Menschen in Deutschland das Fahrradfahren wieder entdeckt. Notlösung oder langfristiger Trend? „Der Fahrradboom wird ein neuer Dauerzustand, da sind wir sicher“, sagt ADFC-Verkehrsexpertin Stephanie Krone. „Denn die Deutschen haben schon vor Corona die neue Lust am Radfahren entdeckt, die Pandemie hat das nur verstärkt. Der Trend kommt aus dem wachsenden Bewusstsein, dass zu viel Autofahren schadet – der Figur und der Umwelt.“ 65 Prozent schwingen sich auf ihren Drahtesel, 44 Prozent sogar mehrfach die Woche. 

Interessant dabei ist, dass sich in Städten deutlich mehr Menschen auf dem Fahrrad fortbewegen als auf dem Land: 45 Prozent Stadtbewohner gegenüber 33 Prozent Landbewohner. „Der Grund liegt im relativ schlecht ausgebauten ÖPNV auf dem Land“, sagt Stephanie Krone. „Die Menschen gewöhnen sich einfach daran, dass sie für alle Wege das Auto nutzen, auch bei kurzen Entfernungen.“ In der Stadt dagegen wird ein Alltag ohne Auto immer normaler. 

Dennoch empfinden sieben von zehn Radfahrern ihren Radalltag als eher unangenehm und unsicher. Das liegt an den meist schlechten, bruchstückhaften und völlig unterdimensionierten Radwegen und an dem immer noch viel zu aggressiven Autoverkehr. Corona hat daran kaum etwas geändert. Stephanie Krone: „Wir brauchen wirklich schnellstens gute, flächendeckende Radwegenetze. Dafür stellt das Bundesverkehrsministerium übrigens seit diesem Jahr Rekordmittel zur Verfügung.“

Nimmt die Politik die Bedürfnisse der Radfahrer nach besseren Wegen und mehr Sicherheit ernst genug? Stephanie Krone bejaht das. „Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass wir mal einen Bundesverkehrsminister der CSU haben, der das größte jemals dagewesene Radwege-Investitionsprogramm auflegt und klar sagt, dass der Autoverkehr für breitere Radwege Platz abgeben muss.“ Einfach ist dieses Unterfangen nicht. Denn die über Jahrzehnte hinweg priorisierten Autofahrer halten schon geringe Einschränkungen für eine Zumutung.

„Aber diesen Konflikt müssen zukunftsgewandte Politikerinnen und Politiker eingehen, denn mehr Autoverkehr geht nicht – wir brauchen die Verlagerung im großen Stil.“ In vielen Städten und Regionen nimmt man den Ausbau des Radwegenetzes ernst, fast immer als Reaktion auf den wachsenden Druck der Bevölkerung. Insgesamt hapert es hierzulande jedoch immer noch deutlich an Platz fürs Rad und an durchgängigen, intuitiv erkenn-baren Wegenetzen für den Radverkehr. Kreuzungen und Einmündungen sind für Radfahrer oft lebensgefährlich.

„Doch die touristischen Radwege in Deutschland sind ein Traum, um den uns die ganze Welt beneidet“, schwärmt die Verkehrsexpertin. „An Elbe und Weser, im Allgäu und an der Ostsee – aber auch im Ruhrgebiet zwischen alten Industriedenkmälern kann man ganz wunderbar Rad fahren.“ Vor der Pandemie hat der ADFC als weltweit größter Anbieter von geführten Fahrrad-touren weltweit jedes Jahr über 11.000 ADFC-Radtouren durchgeführt, von der leichten Feierabendrunde bis zu ganz-tätigen Spezialangeboten für Familien, Rennradbegeisterte, Mountainbiker oder Kulturinteressierte. „Wir hoffen, bald wieder ins Tourenprogramm einsteigen zu können. Die Menschen sind völlig verrückt danach, wieder mit Gleichgesinnten raus in die Natur und rauf aufs Rad zu steigen.“

27. Mär 2026

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Lifestyle

Zwischen Feinschliff und Neuanfang

![Helen Briem_(c)_Frank Föhlinger (2) Online.JPG](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/Helen_Briem_c_Frank_Foehlinger_2_Online_23388c2dce.JPG) Helen Briem (20) ist eine der größten Hoffnungsträgerinnen im deutschen Golfsport. Nach ihrer Zeit als Weltranglistenerste bei den Amateuren und beeindruckenden Auftritten auf der Ladies European Tour schlägt sie nun bereits in ihrer zweiten Profi-Saison auf der prestigeträchtigen LPGA-Tour ab. **Welche Schwerpunkte setzen Sie in Ihrer Vorbereitung?** Ich möchte wieder mehr Konstanz in mein langes Spiel bringen, vor allem aus der Tee Box. Daher arbeite ich intensiv an meinem Schwung. Aber auch das Putten steht im Fokus. Zudem werde ich ein paar Tage früher zum ersten Turnier anreisen, um dort auf Rasen und unter Turnierbedingungen den letzten Feinschliff zu bekommen. **Worauf sind Sie mit Blick auf die kommenden Monate gespannt?** Ich freue mich auf meine erste Saison auf der LPGA, werde aber auch das ein oder andere LET-Turnier spielen. Das ist jedoch recht schwer zu planen. Daher bin ich gespannt, welche Turniere ich schlussendlich spielen werde und, ob es vielleicht sogar für das ein oder andere Major reicht. **Was gibt Ihnen auf dem Platz Vertrauen?** Ich versuche, mich auf meinen Rhythmus zu fokussieren. Ich weiß auch, dass es meist einen nächsten Tag gibt, an dem es wieder besser laufen kann. Außerdem stehen auf der Scorekarte keine Bilder – der Ball muss ins Loch, nicht jeder Schlag muss perfekt aussehen. Genau das rate ich auch Amateurgolfern: den Fokus auf den Rhythmus legen und sich nicht auf perfekte, sondern auf effektive Schläge konzentrieren. ![Nicolai von Dellingshausen_(c)_Frank Föhlinger Online .jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/Nicolai_von_Dellingshausen_c_Frank_Foehlinger_Online_c8e56cb3d7.jpg) Nicolai von Dellingshausen (33) absolviert dieses Jahr seine vierte volle Saison auf der DP World Tour. Im vergangenen Jahr feierte er in Österreich seinen Premierensieg in der europäischen Eliteklasse und krönte die Spielzeit als bester Deutscher im Gesamtranking. **An welchen Details arbeiten Sie jetzt besonders, um sich optimal auf die Turniere einzustellen?** Ich arbeite vor allem daran, eine bessere Balance zwischen Belastung und Regeneration zu finden. Ich versuche, dieses Jahr bewusster zu planen und gleichzeitig die spielerischen und mentalen Fortschritte aus 2025 weiterauszubauen. **Welche Erwartungen haben Sie für diese Saison?** In der Vergangenheit haben meine Erwartungen selten zu etwas Positivem geführt. Daher versuche ich mich davon zu lösen. Wichtiger sind für mich die Standards, die ich mir über die Zeit erarbeitet habe – sowohl im spielerischen als auch im mentalen Bereich. Diese möchte ich nicht nur halten, sondern weiterentwickeln. **Wie gelingt es Ihnen, in entscheidenden Momenten fokussiert zu bleiben?** Es hilft mir, meine Gefühle in dem Moment bewusst wahrzunehmen und ehrlich zu mir zu sein. Dieses Annehmen von Druck oder Nervosität sorgt für Klarheit und gibt mir das Vertrauen, auch in schwierigen Momenten die richtigen Entscheidungen zu treffen. ![Max Kieffer_(c)_Frank Föhlinger_U (1) Kopie Online.JPG](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/Max_Kieffer_c_Frank_Foehlinger_U_1_Kopie_Online_8aacbd4d7b.JPG) Max Kieffer (35) zählt seit über einem Jahrzehnt zu den prägenden Persönlichkeiten des deutschen Golfsports. Nachdem der Düsseldorfer beeindruckende 13 Jahre ununterbrochen auf der DP World Tour aktiv war, nutzt er die Erfahrungen einer herausfordernden vergangenen Saison nun als Ansporn für einen fokussierten Neustart im kommenden Jahr. **Welche Themen stehen im Vordergrund?** Aktuell liegt mein Fokus vor allem darauf, mein Eisenspiel und mein Putten wieder auf ein höheres Level zu bringen. Im Eisenspiel ist es eine Mischung aus gezieltem Techniktraining und dem Übertragen der technischen Anpassungen auf den Platz. **Was nehmen Sie sich für diese Saison vor?** Ergebnistechnisch ist mein klares Ziel, mir die Tour-Karte der DP World Tour zurückzuholen. Gleichzeitig möchte ich mein Spiel weiterentwickeln und wieder auf ein hohes Level bringen. **Was hilft Ihnen, nach Rückschlägen den Kopf wieder freizubekommen?** Golf darf man nicht zu ernst nehmen. Rückschläge gehören dazu. Und mir hilft es, bewusst aus der Turnier-Bubble herauszukommen und Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. Das rate ich auch Hobbygolfern: sich von schlechten Runden nicht zu sehr mitnehmen zu lassen und den Spaß am Spiel zu bewahren. ![Alexandra Försterling_(c)_Frank Föhlinger_2 Online.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/Alexandra_Foersterling_c_Frank_Foehlinger_2_Online_d89ae6c7c0.jpg) Alexandra Försterling (26) zählt zu den erfolgreichsten deutschen Golferinnen der vergangenen Jahre. Die Berlinerin startete 2023 als Profi durch, konnte seitdem bereits viermal auf der Ladies European Tour gewinnen und durfte bei den olympischen Spielen für das Team Deutschland antreten. **Woran arbeiten Sie in Ihrer Vorbereitung auf die neue Saison besonders?** Aktuell arbeite ich intensiv an meinem Schwung, da sich dafür die Saisonpause am besten eignet. Gleichzeitig lege ich großen Wert auf körperliche Regeneration, um nach meiner Verletzung 2025 wieder mein volles Potenzial zu erreichen. **Mit welchen Zielen gehen Sie in diese Saison?** Mein Ziel ist es, wieder im Siegerkreis zu stehen. Gleichzeitig möchte ich in jedem Turnier mein Bestes geben, geduldig bleiben, meinem Spiel vertrauen und die Freude am Golf bewahren. **Was hilft Ihnen, in Drucksituationen ruhig zu bleiben?** In Drucksituationen hilft mir die Konzentration auf meine Bauchatmung. Das beruhigt mich und senkt den Puls. Zudem lenke ich mich kurz ab, etwa durch ein lockeres Gespräch mit meinem Caddie. Das können auch Freizeitgolfer übernehmen: Ruhig atmen, im Moment bleiben und sich nicht von der Situation überwältigen lassen.