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24. Sep 2025

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Gesundheit

ADHS ist wie Diabetes im Kopf – nur mit ganz viel Facetten – Im Interview mit Leslie Clio, Sängerin

Journalist: Nadine Wagner

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Foto: Presse

ADHS bei Frauen wird oft übersehen – zu lange galt es als reine „Kinderkrankheit“. Sängerin Leslie Clio bekam ihre Diagnose erst mit 35 und spricht heute offen darüber, wie sehr das Verständnis für Neurodivergenz in Deutschland hinterherhinkt. Ein Gespräch über fehlende Nachsorge, innere Zerstreutheit und den Mut, Platz einzunehmen.

Im Mai 2022, im Alter von 35 Jahren, erhieltst du die Diagnose ADHS. Was hat sich seitdem verändert? Ich werde gerade nochmal neu erwachsen. Mit und in dieser Diagnose. Früher war ich 24/7 verfügbar und hab immer funktioniert. Heute sage ich mir: Ich muss nicht alles schaffen. Wenn ich mich nicht konzentrieren kann und meine Gedanken wild springen, dann hat es jetzt hier die Erklärung. Ich gehe jetzt viel bewusster mit mir und meinen Bedürfnissen um, weil ich sie jetzt besser kenne und verstehe und nicht mehr so tun muss, als ob mir z. B. das Zuhören meines Gegenübers in einem lauten Restaurant leichtfallen würde. Ich sehe die Diagnose daher als Schlüssel, mit dem ich ganz neu auf die Welt schauen kann. Und habe viel Mitgefühl für das Kind und die Frau, die ich bis hierhin war; immer gut maskiert – zwar auch oft mit meinem Verhalten irritiert –, aber am Ende des Tages trotzdem immer abgeliefert. Und ich bereue auch nicht, dass die Diagnose so spät kam. Vielmehr freue mich, dass ich mich jetzt einfach besser erklären kann.

Inwiefern beeinflusst dich die Erkrankung generell im Alltag? ADHS wie Krebs als Krankheit zu bezeichnen, finde ich falsch. Ich bin nämlich davon überzeugt bin, dass ADHS evolutionär seinen Sinn hat. Die Welt braucht Menschen wie uns, die in Stresssituationen ruhig und gefasst bleiben können und denen es nichts ausmacht, auf Hochleistung zu arbeiten. Was mich wohl am meisten im Alltag beeinflusst ist, dass ich mir manchmal nichts mehr merken kann. Das fühlt sich an, als hätte ich Alzheimer. Jetzt weiß ich, es ist „nur“ ADHS. Es nervt aber trotzdem, wenn ich feststelle, dass ich leider alles aus dem Telefonat von vor 20 Min. schon wieder vergessen habe.

Wie kamst du überhaupt auf die Idee, dass du an ADHS erkrankt sein könntest? Der erste Impuls kam von einer Freundin, die sagte: „Viele deiner Symptome sprechen für ADHS.“ Unaufmerksam, schnelles Denken & Themenspringen, Impulsivität & Emotionalität, von außen vielleicht ein wenig chaotisch. Sie gab mir dann den Kontakt zu einer Berliner Psychologin, die sich auf Diagnosestellungen zu ADHS bei Kindern spezialisiert hat. Ich fuhr zwei Mal zu ihr in die Praxis und bekam dann letztlich die Gewissheit.

Ich gehe jetzt viel bewusster mit mir und meinen Bedürfnissen um, weil ich sie jetzt besser kenne und verstehe und nicht mehr so tun muss, als ob mir z. B. das Zuhören meines Gegenübers in einem lauten Restaurant leichtfallen würde.

Wie ging es für dich weiter? Erstmal ist lange gar nichts passiert. Anfangs war es tatsächlich erstmal eher nur eine Randnotiz, die ich so hingenommen habe. Ich wusste nicht: Was bedeutet die Diagnose jetzt genau? Bis ich mich dann zwei Jahre später noch einmal genauer mit dem Thema auseinandergesetzt habe und bemerken musste: Wow, das bin gar nicht ich, das ist alles ADHS! Ich dachte immer, so wie ich bin, das ist doch normal. Aber dann zu bemerken, hier fängt die Neurodivergenz an, das war krass. Gerade als Frau maskierst du ja die ganze Zeit. Im Zweifel kommt es gar nicht dazu, dass du als Mädchen als neurodivergent giltst, denn die innere Zerstreutheit zeigt sich komplett anders. Abwesenheit wird als Desinteresse gewertet. Überforderung als schlechte Laune oder zickig. Der unterschiedliche Narrativ der Geschlechter zeigt sich bei ADHS nochmal besonders, finde ich.

Medikamentierst du? Nach der Diagnose war ich neugierig, was z. B. Medikinet oder Elvanse für mich verändern würde. Deshalb wollte ich es ausprobieren und habe Elvanse verschrieben bekommen. Allerdings wurde ich bei der Dosierung dann komplett allein gelassen. Gleichzeitig ist die Anleitung der Dosierung so kompliziert, dass ich es bis heute nicht hinbekommen habe. Und ehrlich gesagt habe ich auch keine Lust, allein mit Amphetaminen in meiner Küche zu experimentieren und dann zu schauen, was passiert. Gerade AD(H)S-ler sollten bei der Medikation und deren Einstellung begleitet werden. Ich selbst habe dafür bisher mehr als 30 Ärzte angerufen, bisher ohne Erfolg. Hier braucht es unbedingt eine bessere Betreuung durch spezialisierte Psychiater!

Was wünscht du dir von der Gesellschaft im Umgang mit ADHS – gerade auch für Betroffene? Redet darüber! Teilt euch mit! Vor allem wir Frauen sollten mehr Gehör finden; nur so wird es gesellschaftskonform und Diagnosen können früher gestellt werden. Zwar betreffen Symptome wie Reizüberflutung, Vergesslichkeit oder Zerstreutheit oft auch neurotypische Menschen, generell stehen wir aber beim Umgang mit von ADHS-betroffenen Frauen noch ganz am Anfang der Forschung. Also: Seid laut, seid sichtbar und nehmt Raum ein. Neurodivergent zu sein, heißt, dass das Hirn nun mal etwas anders funktioniert und arbeitet; das ist kein Charakterzug und auch keine Stimmungsschwankung. Es kann aber eben auch eine Superpower sein, wenn man weiß, wie man mit ihr umgeht.

Neurodivergent zu sein, heißt, dass das Hirn nun mal etwas anders funktioniert und arbeitet; das ist kein Charakterzug und auch keine Stimmungsschwankung.

25. Jun 2026

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Gesundheit

Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung –Ein Beitrag von Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie

Denn moderne Medizintechnik liefert genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. Unser Problem in Deutschland ist: sektorale Strukturen, tradierte Vergütungssysteme und uneinheitliche Vorgaben bremsen die digitale Transformation bislang aus. Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate und -sicherheit verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Die Nutzung von Daten ist das Kernelement, das digitale Versorgung in allen Sektoren und Situationen kennzeichnet. Dabei kann die Nutzung der Daten sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind: - die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten und Informationen aus der Patientenhistorie, - das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes anhand von kontinuierlich erhobenen Daten aus Sensoren oder anderen Messgeräten, - das situationsbezogene Management anhand von Alarmen bzw. Meldungen, - die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services sowie für Training, Validierung und Einsatz von KI, - die Nutzung von Daten für Digital Twin-Ansätze oder - die Nutzung von Daten für Training, Schulung, Weiterbildung. Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind. **Aus Sicht der MedTech-Branche fordern wir:** - In einem neuen Primärversorgungssystem sollte die digitale Ersteinschätzung so entwickelt werden, dass künftig auch Echtzeitdaten für eine valide Ersteinschätzung genutzt werden können. - Für „Digital Twin-Technologien“ sollten pseudonymisierte Behandlungsdaten nutzbar gemacht werden. Denn Simulationen anhand von vorhandenem Bildmaterial können invasive Diagnostik verhindern oder Therapieschritte vorbereiten. - Das Einwilligungsmanagement zur Datennutzung im Behandlungsablauf sollte bundesweit vereinheitlicht werden und auf einer einheitlichen Interpretation der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) basieren. - Für die Verbesserung von Produkten und Services braucht die Industrie Zugang zu Gesundheitsdaten und teilt selbst auch ihre Daten. Dabei sind allerdings IP-Rechte zu beachten, gerade bei Medizinprodukten. - Unser Appell: Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen. ## Zum Autor: Dr. Marc-Pierre Möll ist seit April 2019 Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie e. V. in Berlin sowie Geschäftsführer der BVMed-Akademie. Er ist zudem Mitglied des BVMed-Vorstands.