29. Dez 2025
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Gesundheit
Journalist: Kirsten Schwieger
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Foto: Leire Cavia/unsplash+
Warum Betroffene von Stuhlinkontinenz die Beschwerden nicht allein aussitzen, sondern Behandlungs- und Bewältigungsstrategien einleiten sollten.
Den eigenen Stuhlgang nicht mehr kontrollieren zu können, ist wahrscheinlich eines der schamvollsten Dinge, die einem passieren können. Tatsächlich betrifft dies mehr Menschen als gedacht: Laut der Deutschen Kontinenz Gesellschaft leiden allein in Deutschland geschätzte fünf Millionen Menschen unter einer Stuhlinkontinenz – das sind rund fünf Prozent aller Deutschen. Beim versehentlichen Stuhlabgang – auch als Darminkontinenz bezeichnet – verlieren Betroffene unbewusst Darmgase, Darmschleim oder Stuhl. Betroffen sind beide Geschlechter, wobei die Stuhlinkontinenz bei Frauen häufiger auftritt als bei Männern. Begründet ist dies durch ihre Anatomie sowie mögliche Vorbelastungen durch Schwangerschaften.
Vielen Betroffenen fällt es schwer, über ihre Beschwerden zu sprechen. Sie meiden das Arztgespräch und leiden im Stillen – ohne sich möglicher Bewältigungs- und Behandlungsoptionen bewusst zu sein. Dabei ist eine Stuhlinkontinenz oft gut therapierbar. Vorausgesetzt, die Ursachen sind bekannt und die richtigen Maßnahmen eingeleitet. Deswegen ist es so wichtig, dass sich Betroffene ihrem Arzt oder einem Spezialisten anvertrauen – beispielsweise in speziellen Inkontinenz-Zentren.
Dort wird untersucht, ob die Beschwerden durch muskuläre Störungen verursacht werden. So kann beispielsweise der Schließmuskel geschädigt sein – durch altersbedingte nachlassende Gewebeelastizität, eine Beckenbodenschwäche, Dammriss oder durch eine Verstopfung. Sie kann aber auch auf neurologischen oder sensorischen Störungen beruhen oder auf einer Störung der rektalen Speicherfunktion. Auch Operationen im Enddarm können eine vorübergehende oder dauerhafte Stuhlinkontinenz auslösen. Die Inkontinenz wird in drei verschiedene Schweregrade eingestuft, abhängig von der Art und Häufigkeit der Vorfälle.
Die Inkontinenz wird in drei verschiedene Schweregrade eingestuft, abhängig von der Art und Häufigkeit der Vorfälle.
Die Therapie beginnt in der Regel konservativ mit Ernährungsumstellung und Stuhlregulierung, um eine optimale Konsistenz zu erlangen. Erzielt dies nicht den gewünschten Erfolg, können auch Medikamente zum Einsatz kommen. Ergänzt wird die Stuhlregulierung meist durch gezieltes – von spezialisierten Physiotherapeuten angeleitetem – Beckenbodentraining zur Stärkung der Muskulatur und Verbesserung der Kontrolle. Kombiniert werden kann dies mit Biofeedback, wodurch Patienten lernen, den Schließmuskel bewusst zu steuern. In Verbindung mit Elektrostimulation, werden auch Muskeln gestärkt, die nicht willkürlich trainiert werden können. Mit derlei konservativen Methoden lässt sich meist gute Linderung erreichen und die Lebensqualität verbessern.
Während der Therapie können Hilfsmittel wie Analtampons den Alltag der Betroffenen erleichtern, indem sie Stuhlschmieren und -abgang verhindern. Sie können selbstständig ins Rektum eingeführt werden, für maximal 12 Stunden. Analtampons sind frei verkäuflich erhältlich. Es gibt aber auch verordnungs- und erstattungsfähige Medizinprodukte, deren Kosten bei medizinischer Indikation von den Krankenkassen übernommen werden.
Erzielt die konservative Therapie nicht die gewünschten Effekte, kann in einem minimal-invasiven Verfahren ein Darmschrittmacher (sakrale Neuromodulation) eingesetzt werden, um die Kontrolle über den Stuhlgang wiederherzustellen. In schweren Fällen kann eine Operation am Schließmuskel Beschwerdefreiheit bringen.
Während der Therapie können Hilfsmittel wie Analtampons den Alltag der Betroffenen erleichtern, indem sie Stuhlschmieren und -abgang verhindern.
Schweregrade Darminkontinenz Grad 1: unkontrollierter Abgang von Darmgasen und Schleim, ab und zu leichte Wäscheverschmutzung. Grad 2: flüssiger Stuhl kann nicht gehalten werden, häufige Verschmutzung. Grad 3: vollständiger Kontrollverlust, auch von festem Stuhl.