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30. Mär 2026

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Wirtschaft

Bessere, koordinierte Planung mit Lean Construction – mit Prof. Dr. Shervin Haghsheno, Professor für Baubetrieb und Bauprozessmanagement & Leiter des Instituts für Technologie und Management im Baubetrieb (TMB) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Journalist: Katja Deutsch

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Foto: Presse, Curated Lifestyle/unsplash+

Prof. Dr. Shervin Haghsheno ist Professor für Baubetrieb und Bauprozessmanagement und Leiter des Instituts für Technologie und Management im Baubetrieb (TMB) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Warum Lean Construction auch ohne Stoppuhr zu mehr Effizienz führt, verrät er im Interview.

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Prof. Dr. Shervin Haghsheno, Professor für Baubetrieb und Bauprozessmanagement & Leiter des Instituts für Technologie und Management im Baubetrieb (TMB) am Karlsruher Institut für Technologie (KIT)

Prof. Dr. Haghsheno, was in der Automobilbranche nach dem Vorbild Toyotas seit Jahrzehnten bis auf Hundertstelsekunden optimiert wurde, sollte doch auch im Bauprozess machbar sein – oder? Zwischen Automobilproduktion und Bauwesen bestehen wesentliche Unterschiede, da viele Rahmenbedingungen auf der Baustelle nicht in vollem Umfang kontrolliert werden können. Trotzdem schließt das keineswegs aus, Optimierungsansätze aus der Industrie übertragen zu können. Häufig wird die Einzigartigkeit von Bauwerken als Gegenargument genannt, obwohl Planung und Bauausführung viele wiederkehrende Abläufe haben. Entscheidend ist dabei, den Bauprozess als Produktionssystem zu verstehen und prozessorientiert zu optimieren. Auch ohne Optimierung auf Sekundenwerte besteht ein großes Potenzial für mehr Effizienz und weniger Verschwendung, wie der konsequente Einsatz von Lean Construction-Methoden in der Praxis zeigt.

Welche typischen Unterbrechungen im Bauablauf verursachen den größten Zeit- und Produktivitätsverlust, und wie lassen sie sich vermeiden? Zeit- und Produktivitätsverluste im Bauwesen haben ihre Ursachen oftmals schon lange bevor die Probleme auf der Baustelle sichtbar werden. Bereits zu Beginn eines Projekts entscheidet sich nämlich, ob effizient gearbeitet oder verschwendet wird. Ein zentraler Punkt ist dabei die Bedarfsermittlung: Werden die tatsächlichen Bedürfnisse der Nutzenden nicht klar definiert, besteht ein erhebliches Risiko, an diesen vorbeizuplanen, mit entsprechenden Folgen für Qualität, Kosten und Termine.

Neben mangelhafter Qualität der Bauwerksplanung und unzureichender Koordination der Fachplaner ist besonders die Vergabe von Planungs- und Bauleistungen nach dem Billigstprinzip ein Problem. Das führt häufig zu Nachforderungen, Terminverzögerungen und konfliktbehafteten Projektverläufen. Dazu kommen Defizite in der Prozessplanung sowie in der Produktionssteuerung, die zu Störungen im Bauablauf führen. Wir brauchen professionelles Projektmanagement mit klarer Organisation, transparenter Kommunikation und einem konsequenten Fokus auf Produktionsplanung und Produktionssteuerung.

Entscheidend ist dabei, den Bauprozess als Produktionssystem zu verstehen und prozessorientiert zu optimieren.

Was muss im Planungs- und Abstimmungsprozess passieren, damit Zusagen zwischen Gewerken wirklich eingehalten werden (Percent Plan Complete)? Alle Projektbeteiligten müssen möglichst frühzeitig und spürbar in die Projektpläne eingebunden werden und verlässliche Zusagen erhalten, Nichterfüllung muss ehrlich kommuniziert werden. Dadurch kann eine Aufwärtsspirale aus gegenseitigem Vertrauen zwischen den Gewerken und einer größeren Verlässlichkeit in der Zusammenarbeit entstehen.

Wie kann der gesamte Bauprozess zukünftig effizienter, schneller und damit kostengünstiger werden? Die Baubranche muss den gesamten Bau als Produkt mit einem Produktlebenszyklus betrachten, der von seiner Entwicklung bis zum Rückbau oder seiner Revitalisierung reicht. Zukünftig muss die Vorfertigung zunehmen, um mehr Teile unter kontrollierten Bedingungen zu produzieren. Planung, Bau und Rückbau sollten stärker systematisiert und modular gedacht werden, unterstützt durch eine koordinierte Planung mit einem durchgängig genutzten Digitalen Zwilling. Ich plädiere auch für Partnerschaftsmodelle, um Erfahrungen frühzeitig einzubinden und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zu fördern. Die Ansätze sind bekannt – jetzt braucht es mutige Akteure, die sie breit umsetzen.

Die Baubranche muss den gesamten Bau als Produkt mit einem Produktlebenszyklus betrachten, der von seiner Entwicklung bis zum Rückbau oder seiner Revitalisierung reicht.

29. Sep 2026

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Wirtschaft

Energiekurs Deutschland – Ein Beitrag von Tim Meyer, Energieexperte, Speaker und Berater

Wer heute erfolgreich durch die Energiewelt navigieren will, kommt mit alten Landkarten nicht weit. Zum einen hat sich die geopolitische Tektonik verschoben: Spätestens seit 2021 wissen wir, dass Versorgungssicherheit über Erdgas nur noch mit hohen Kosten und Preisrisiken zu haben ist – seit dem Konflikt an der Straße von Hormus gilt das auch für Kraftstoffe. Wichtiger noch: Die Welt steckt in einer elektrotechnologischen Revolution, die weit über die Energieversorgung hinausreicht. Mobilität, Wärme, industrielle Prozesse und die Fertigung von morgen werden weitgehend elektrisch. Die Märkte haben sich bereits massiv verschoben – nicht nur die deutsche Autoindustrie leidet unter Absatzverlusten einst erfolgreicher Produkte. Treiber ist der globale Boom bei erneuerbaren Energien: Mit ihnen ist Strom so günstig und verfügbar wie nie, und der Preisverfall bei Batteriespeichern gleicht Schwankungen von Wind, Sonne und Verbrauch immer besser aus. Ergebnis: Allein in diese Technologien und den Ausbau der Stromnetze fließen weltweit Investitionen von über 1,3 Billionen US-Dollar pro Jahr – etwa fünfmal so viel wie in neue Gas-, Kohle- und Atomkraftwerke. Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. So anstrengend diese Gleichzeitigkeit wirkt: Für Menschen und Unternehmen in Deutschland liegen darin große Chancen. Zwei Dinge sind gewiss: Erstens gibt es kein Zurück – geopolitische Spannungen verschwinden nicht, und der technologische Fortschritt bei Clean Tech lässt sich nicht zurückdrehen. Zweitens sind diese Entwicklungen global: Technologien, die wir ohnehin für den Heimatmarkt entwickeln müssen, sind weltweit gefragt und können zur zentralen Säule des dringend nötigen wirtschaftlichen Aufschwungs werden. >Ein neues Energiezeitalter hat längst begonnen. Umgekehrt gilt: Wer an alten Plänen und alter Technologie festhält – und sei es neu verpackt als „hocheffiziente Verbrenner“ oder „Grüngas“ –, landet auf dem wirtschaftlichen Abstellgleis. Industrielle Revolutionen kann man nicht aufhalten. Man kann sich nur entscheiden, auf der Gewinner- oder Verliererseite stehen zu wollen. China macht das seit Jahren zur Industriepolitik: vom Abnehmer deutscher Maschinen zum aggressiven Wettbewerber, inklusive Sicherung von Rohstoffen und Lieferketten. Heute ist China globaler Marktführer bei Wind- und Solarenergie, Batterietechnik und E-Mobilität – weitere Angriffe auf deutsche Märkte sind angekündigt, auch bei Wärmepumpen. Es gilt also, aus der Not eine Tugend zu machen: Absicherung gegen fossile Preisrisiken, Investition in Zukunftsmärkte, europäische Resilienz und Klimaschutz sind dabei ein und dasselbe. Die Politik muss diese neue Realität in eine verständliche Energielandkarte übersetzen: Elektrifizierung unserer Volkswirtschaft als verankertes Ziel, politisch gemanagt und mit Investitionen hinterlegt – vor allem durch schnellere Modernisierung der Energieinfrastruktur, also Digitalisierung, effizientere Organisation und Ausbau der Stromnetze. Doch auch ohne den großen politischen Wurf gibt es Lösungen, die sich schon heute lohnen und in die unternehmerische Zukunft weisen. „Energiekurs Deutschland“ zeigt diese Richtungen auf. Je mehr Unternehmen sie jetzt nutzen, desto mehr profitiert die Allgemeinheit – denn Deutschland hat alle Voraussetzungen, sich neu zu erfinden. Wir müssen es nur wollen und anpacken.