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21. Feb 2022

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Gesellschaft

Casualismus: menschlich, sinnlich, biomorph

Journalist: Dejan Kosmatin

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Foto: Nikola Blagojevic/Spektroom

Menschen werden sich weiterhin darauf konzentrieren, die häusliche Umgebung mit weniger, aber besse-ren und funktionelleren, sowie zeit-gemäße Räumen und Objekten zu gestalten und zu verbessern.

Schon vor 20 Jahren wollten Sie die Welt verändern, wie in Ihrem Buch beschrieben. Heute hat allein die Pandemie alles verändert. Welchen Einfluss haben das digitale Zeitalter, der Klimawandel und die Pandemie auf das Design?

Nach COVID wird das Zuhause weiterhin eine Priorität in unserem täglichen Leben sein. Während der Pandemie Zuhause zu bleiben ist für viele ein Moment der Entschleunigung und Besinnung auf die eigene Existenz. Im Idealfall ist diese Pandemie ein Weckruf von Mutter Natur das mehr zu schätzen und zu genießen – über die Bedeutung und den eigenen Beitrag zur Welt nachdenken, weniger konsumieren, langsamer machen, die Welt und unseren Körper reinigen.

Sie sagen, Design war von Anfang an der kulturelle Gestalter. Wie sieht diese zeitgenössische Welt für Sie aus und welche Rolle spielen dabei neue Technologien?

Die moderne, zeitgenössische Welt ist frei von Ablenkungen, fördert die Kreativität und schafft Verbindungen. Sie sollte die Technologie nutzen, um eine Umgebung zu schaffen, die auf Verjüngung, Privatsphäre und Entspannung ausgerichtet ist. Die Welt ist so überladen mit Informationen und wir arbeiten mehr denn je. Unser Zuhause sehen wir als Rückzugsort, mit Gegenständen, mit denen wir uns gerne umgeben, um darin runter zu kommen und um die Sinne zu aktivieren und so wieder in Kontakt mit dem Körper zu kommen, unserem Tempel in diesem Leben.

In Ihrem Manifest fordern Sie auf, im Modus unserer Zeit zu leben und sich von Nostalgie und antiquierten Traditionen zu befreien. Ist Vintage und Design-Mix folglich ein No-Go?

Es gibt einige zeitlose Designs. Ich habe nichts gegen das Alte, ich halte nur nichts von Reproduktionen. Echte, authentische Antiquitäten kann ich respektieren, von ihnen lernen und sie bewundern. Was ich nicht gutheiße, sind Ableitungen der Vergangenheit, die Kopien, die gefälschte „Antiquiertheit“. Wenn neu hergestellte Ob-jekte auf die Vergangenheit andeuten oder auf sie verweisen wollen – und im Allgemeinen eine, die wir nie erlebt haben. Unsere Umgebungen sollten dagegen über die Zeit sprechen, in der wir leben und nicht Stile der Vergangenheit wiederholen. Wir leben in einem datengesteuerten Zeitalter, und wie unsere digitalen Werkzeuge sollte auch unsere physische Welt die gleiche Nahtlosigkeit, Leichtigkeit, Immaterialität, Funktionalität und Smartness aufweisen.

Neue Technologien bestimmen wie wir miteinander umgehen und unsere Verhaltensweisen und Gewohnheiten haben sich stark verändert. Welchen Einfluss hat dies auf das Design unserer Alltagsgegenstände und werden wir in Zukunft intelligente Möbel und Räume brauchen?

Casualism ist die Zukunft. In der ununterbrochenen Konnektivität verschwimmen alle sozialen und menschlichen Verhaltensweisen. Wir leben in einer neuen, ungezwungenen Zeit, wo das Zuhause zugleich Arbeitsplatz, Zufluchtsort, Schule, Restaurant und Kino ist. Dieser Casualismus hat unser Leben und unseren Geist geprägt, so dass das Virtuelle und das Physische zu Räumen verschwimmen, wo Luxus Leichtigkeit ist und neuer Komfort vorherrscht. Daher ist es für uns viel wichtiger geworden, moderne, bequeme, ergonomische und inspirierende Möbel zu haben, die uns Zuhause beleuchten, da wir dort viel mehr Zeit verbringen als in den letzten 50 Jahren.

Als Industriedesigner steht bei Ihnen die Funktionalität im Vordergrund. Sie beschreiben Ihren einzigartigen Stil als sinnlichen Minimalismus, da Sie einfache Dinge für den Alltag funktional gestalten. Wie definieren Sie den Wert von Design?

Gutes Design hat sich auf der Grundlage einer Fülle komplexer Kriterien entwickelt. Neben menschlicher Erfahrung, soziale, globale, wirtschaftliche und politische Fragen, physische und mentale Interaktion, Form, Vision und ein genaues Verständnis der zeitgenössischen Kultur. Die Herstellung dagegen basiert auf rein wertbasierter ökonomischer, neben ökologischer, Kriteri-en wie Nachhaltigkeit. Die Kombination all dessen prägt unsere Innenräume, beeinflusst unsere Ästhetik, die materielle Kultur und menschlichen Erfahrungen. Diese Aspekte prägen das Geschäft und formen ein Produkt – seine Identität, Marke und Wert.

Welche Materialien, Farben und Formen werden das Design im Jahr 2022 bestimmen und wird der Trend zur Doppelnutzung, also Räume, die für mehrere Funktionen genutzt werden, auch nach der Pandemie anhalten?

Ich glaube nicht an Trends, und das digitale Zeitalter macht mich sogar stutzig. Es ermöglicht uns, mit allem in Berührung zu kommen und Kreativität und Indivi-dualität zu fördern – und doch beobachte ich einzelne globale Trends. Es fehlt an Vielfalt und Unterschieden, die wir in der Vergangenheit durch unsere verschiedenen Kulturen gewonnen hatten. Diese Gleich-förmigkeit ist leider der traurige Trend. Wir sehen Erd- und Grautöne, Weiß, neben Holz und so genannte natürliche Materialien, die nur optisch so aussehen, aber oft giftig sind. Ich hoffe, dass 2022 und danach Farbe, Komfort, Weichheit und organische, menschenfreundlichere Räume im Vorder-grund stehen und kein antiquiertes Styling, das vorherrschend zu sein scheint. Auch die Entwicklung zu flexiblen Räumen, multifunktionalen Möbeln und Minimalismus wird sich fortsetzen, da auch nach COVID weiterhin von Zuhause aus gearbeitet wird.

Fakten

Karim Rashid, einer der produktivsten Designer mit über 4.000 Entwürfen und fast 1.300 Projekte in 49 Ländern, erhielt über 300 Auszeichnungen, den Titel „Prince of Plastic“ und vier Ehrendok-torwürden. Ihn beschäftigt Kunst in jeder Form und er ist entschlossen, jeden Aspekt der physischen und virtuellen Landschaft kreativ zu beeinflussen.

23. Jun 2026

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Gesellschaft

Tiergesundheit: Ein wichtiger Schritt für mehr Tierschutz – Ein Beitrag von Judith Schönenstein, Vizepräsidentin Deutscher Tierschutzbund e. V.

Ein Haustier aufzunehmen ist eine wunderbare Entscheidung: Tiere schenken uns Gesellschaft, Freude und oft auch Trost. Sie bereichern unser Leben auf vielfältige Weise und werden für viele Menschen zu echten Familienmitgliedern. Als treue Begleiter verdienen Tiere nicht nur Liebe, Fürsorge, Pflege und eine artgerechte Haltung, sondern auch unseren Schutz. Denn Tiere haben keine Stimme und können sich nicht selbst gegen Vernachlässigung oder nicht tiergerechte Haltungsbedingungen wehren. Trotz der Verankerung des Tierschutzes als Staatsziel im Grundgesetz leiden tagtäglich zahlreiche Tiere. Der illegale Tierhandel mit zu jungen und oft kranken Hundewelpen floriert, Straßenkatzen kämpfen ohne menschliche Hilfe ums Überleben und Millionen Tiere – darunter auch Katzen und Hunde und vor allem Nager – werden jährlich in Versuchslaboren „verbraucht“. Auch bestimmte Zuchtpraktiken verursachen unnötiges Tierleid: Um bei der Zucht optische Merkmale wie Kulleraugen, kurze Schnauzen, Faltohren oder Farbvariationen im Fell zu erreichen, werden Auswirkungen auf die Tiergesundheit in Kauf genommen. Dabei ist ein Verbot solcher Qualzuchten längst im Tierschutzgesetz verankert – doch die Umsetzung bleibt unzureichend. Um den Tierschutz wirksam zu stärken, braucht es klare gesetzliche Rahmenbedingungen. Dazu zählt ein Verbot des Onlinehandels mit Tieren – denn viele Haustiere werden unüberlegt über das Internet gekauft, wo Welpen aus unseriösen Zuchten zigfach zum Kauf angeboten werden. Eine bundesweite Kastrationspflicht für Freigängerkatzen könnte die Anzahl der Straßenkatzen und damit ihr Leid verringern und – in Kombination mit einer Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzen und Hunde – auch überfüllte Tierheime entlasten. Das Qualzuchtverbot muss konkretisiert und erweitert werden. Und es braucht eine Strategie zum Ausstieg aus Tierversuchen. Nur, wenn wir Tiere als fühlende Lebewesen anerkennen und ihren Schutz konsequent verfolgen, können wir dem Staatsziel Tierschutz gerecht werden. Am Ende liegt es an uns allen, für das Wohl der Tiere einzutreten. >Nur, wenn wir Tiere als fühlende Lebewesen anerkennen und ihren Schutz konsequent verfolgen, können wir dem Staatsziel Tierschutz gerecht werden. Am Ende liegt es an uns allen, für das Wohl der Tiere einzutreten. Dazu gehört auch, sich umfassend zu informieren, wenn man ein Haustier aufnehmen möchte. Wer versteht, wie Tiere fühlen, was sie brauchen und wie sich Krankheiten frühzeitig erkennen lassen, leistet einen wertvollen Beitrag – für das einzelne Tier ebenso wie für das große Ziel: mehr Tierschutz, mehr Tiergesundheit, mehr Mitgefühl. Ein verpflichtender Sachkundenachweis vor der Tieranschaffung könnte helfen, Fehler aus Unwissenheit zu vermeiden. Auch die Kosten, die für Haustiere anfallen – etwa für tiermedizinische Behandlungen – sollten nicht unterschätzt werden. Routinemäßige als auch unvorhergesehene Tierarztbesuche können bisweilen tausende Euro für eine OP oder Behandlung verursachen. Es ist daher ratsam, sich rechtzeitig über eine Tierkrankenversicherung zu informieren. Wer nicht nur einem Tier in Not helfen möchte, sondern auch einen wichtigen Beitrag für den Tierschutz leisten will, sucht im Tierheim nach dem passenden tierischen Mitbewohner. Tausende Tiere warten hier auf ein neues Für-immer-Zuhause und eine zweite Chance. „Adoptieren statt kaufen“ lautet das Motto!