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31. Mär 2021

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Gesellschaft

„Da ist noch Luft nach oben.“

Journalist: Chan Sidki-Lundius

Prof. Dr. Friedrich Hubert Esser,  Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), über die Chancen und Risiken der  Digitalisierung in der Ausbildung.

Wie die Gesellschaft selbst unterliegt das Berufsbildungssystem einem steten Veränderungsprozess. Kompetenzprofile müssen folglich angepasst werden, damit Berufsbilder nicht aus der Zeit fallen. Um zu verhindern, dass es soweit kommt, wurde 1970 das BIBB gegründet. Dort ist das Thema Digitalisierung bei der Modernisierung von Ausbildungsberufen bereits seit langem ein Schlüsselbegriff. „Wir beobachten, dass sich die Digitalisierung in sehr unterschiedlichem Maß auf die einzelnen Berufe auswirkt“, sagt Friedrich Hubert Esser. „In Berufen im Bereich der IT und des Handwerks, hier insbesondere in der Elektronik, ist sie immanent. Dann gibt es natürlich Berufe, die im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung fortlaufenden Veränderungen unterworfen sind. Dazu zählen zum Beispiel die Zahntechniker und viele Bauberufe. Und schließlich sind da noch neuere Be-rufe wie etwa der Kaufmann für E-Commerce, die aufgrund der Digitalisierung überhaupt erst entstanden sind.“

Wenn es um das Thema Digitalisierung in der Berufsausbildung geht, sieht Friedrich Hubert Esser Handlungsbedarf. „Da ist teilweise noch einige Luft nach oben“, sagt er. Insbesondere in vielen kleineren Betrieben und im Mittelstand sei der digitale Standard noch nicht besonders hoch. „Dies liegt einerseits daran, dass die technischen Rahmenbedingungen nicht sichergestellt sind. Entweder hapert es an der Verfügbarkeit und/oder an der Finanzierung“, so die Erfahrung des Berufsbildungsexperten. „Andererseits fehlt es in vielen Betrieben auch an Experten mit digitalen Kompetenzen, die die Azubis als Innovationsmanager und Lernprozessbegleiter entsprechend anleiten und die digitale Weiterentwicklung vorantreiben können.“ Aufgrund dieser Tatsache stehe beim BIBB die Schulung des Ausbildungspersonals sowie von Prüferinnen und Prüfern ganz weit oben auf der Agenda. 

Besonders deutlich geworden seien die Defizite in Aus- und Weiterbildung seit dem Ausbruch der Corona-Krise. Um die Berufsausbildung moderner und zukunftsweisender zu gestalten, hat das BIBB in Abstimmung mit dem Bund und den Sozialpartnern neue berufsübergreifende Standards für alle Ausbildungs-berufe definiert. Der qualifikatorische Mindeststandard soll in den Ausbildungsordnungen ab August 2021 aufgenom-men werden. Dadurch soll sichergestellt werden, dass alle Auszubildenden digitale Grundkenntnisse erwerben, auf denen sie im Berufsverlauf aufbauen können. „Systemisches Denken und IT-spezifisches Grundlagenwissen sind ebenso zukunftsrelevante Kompetenzprofile wie die bewusste Auswahl spezifischer Medien für die Bewältigung von Arbeits- und Lernaufgaben“, betont Friedrich Hubert Esser. Die sichere Nutzung von Daten, die Übernahme von Verantwortung und hohe Teamfähigkeit würden die zukunftsweisenden Kompetenzpro-file abrunden. Bei der Bewältigung des Transformationsprozesses habe auch die Weiterbildung eine herausragende Bedeutung, so Esser weiter. Das BIBB wird sich in den nächsten Wochen und Monaten über seine Standard-aufgaben hinaus vor allem dafür engagieren, die Weiterbildung des Ausbildungs-, Lehr- und Prüfungspersonals sowie die Ausstattung der Lernorte mit modernen Medien voranzutreiben. „Damit wollen wir auch einen aktiven Beitrag zur Attraktivitätssteigerung der beruflichen Bildung leisten. Dieser ist zwingend notwendig, um die zukünftige Nach-frage nach Fachkräften in Deutschland zu sichern. Denn schon die Finanzkrise 2008/09 hat gezeigt, dass eine einmal erfolgte Abkehr der jungen Generation vom dualen Ausbildungssystem nur unter größten Anstrengungen wieder umzukehren ist“, bilanziert Esser. 

Auch wenn Einigkeit darüber besteht, dass die Digitalisierung nicht mehr aufzuhalten, wichtig und nötig ist, findet Friedrich Hubert Esser auch kritische Worte. „Über allem sollte die Frage stehen: Wo bleibt der Mensch?“, formuliert er. „Unter dem Strich sollte die Maschine dem Menschen dienen, und nicht um-gekehrt. Dies gilt es angesichts aktueller Entwicklungen stets zu reflektieren. Da ist nicht alles Gold, was glänzt.“ Insofern macht er sich für eine vorausschauende Bildung stark, die den Strukturwandel antizipiert und flexibel auf Veränderungen zu reagieren in der Lage ist. Dabei komme der Risikoüberwachung eine besonders große Bedeutung zu. „Denn was nützt uns eine zunehmende Digitalisierung, wenn es keine Leute mehr gibt, die zum Beispiel bei Störfällen Lösungen mithilfe ihrer handwerklichen Kompetenz herbeiführen können?“ 

2. Jul 2026

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Gesellschaft

Deutschland in einer neuen sicherheitspolitischen Realität – Ein Beitrag von Dr. Hans Christoph Atzpodien, Hauptgeschäftsführer, BDSV

Liebe Leserinnen und Leser, „Wir sind nicht im Krieg, aber wir sind auch nicht mehr im Frieden“. Diesen Satz des Generalinspekteurs Carsten Breuer haben sich inzwischen auch Bundeskanzler Friedrich Merz und Verteidigungsminister Boris Pistorius zu eigen gemacht. Er beschreibt eine neue sicherheitspolitische Realität, mit der wir uns auch im fünften Kriegsjahr der russischen Vollinvasion auf die Ukraine konfrontiert sehen und die Grundlage für unser sicherheitspolitisches Handeln sein muss. Der Zwischenzustand, der unserem Land damit attestiert wird, ist in dieser Form im Grundgesetz jedenfalls nicht vorgesehen. Unsere Verfassung unterscheidet zwischen Friedenszustand, dem Spannungsfall als Vorstufe des Verteidigungsfalls, die bereits die Anwendung bestimmter Notstandsrechtsvorschriften ermöglicht und dem eigentlichen Verteidigungsfall. Letzterer tritt nach Artikel 115a Grundgesetz dann ein, wenn das Staatsgebiet mit Waffengewalt angegriffen wird oder ein solcher Angriff unmittelbar droht. Nach Analysen der NATO besteht das Ziel, unsere Streitkräfte spätestens bis zum Jahr 2029 rundherum abschreckungs- und verteidigungsfähig auszustatten. Dieses Ziel muss darüber hinaus mit einer umfassenden Befähigung zur Gesamtverteidigung im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen Resilienz einhergehen. Schon heute erleben wir ständige hybride Angriffe in der Form von Drohnenüberflügen, Cyber-Attacken oder Desinformationskampagnen, die bestimmten staatlichen Akteuren zugeordnet werden. >Nach Analysen der NATO besteht das Ziel, unsere Streitkräfte spätestens bis zum Jahr 2029 rundherum abschreckungs- und verteidigungsfähig auszustatten. Hieraus ergeben sich zweierlei Schlussfolgerungen: Erstens: Um unserem Beitrag in diesem Prozess – wie der NATO versprochen – zu erfüllen, wollen wir schon im Jahr 2029 ca. 3,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für Verteidigung sowie perspektivisch weitere 1,5 % des BIP für militärisch-relevante Infrastrukturmaßnahmen ausgeben. Rechnet man diese Ausgaben zusammen, so machen diese im Jahr 2029 40 % unseres Bundeshaushaltes aus. Allein in den Verteidigungsbudgets der Jahre 2025 bis 2029 sind kumuliert ca. 200 Milliarden Euro nur für Rüstungsausgaben geplant. Kurz: Es geht also um gewaltige Summen, die unsere Volkswirtschaft als Ganzes fordern. Zweitens benötigen wir ein umfassendes Verständnis der Sicherheits- und Resilienz-Notwendigkeiten in unserer Gesellschaft. Die Gewährleistung von Sicherheit ist die zentrale Querschnittsaufgabe unserer Zeit, die jeden und jede von uns betrifft: im Bevölkerungsschutz, beim Schutz kritischer Infrastrukturen, über Bedrohungen zu Lande, zu Wasser, in der Luft sowie im Cyberraum. Jeder Sektor ist gefragt, hier einen Beitrag leisten. In der Politik schließlich müssen diese Anstrengungen koordiniert und verzahnt werden. Dokumente wie die Nationale Sicherheitsstrategie oder die unlängst vorgestellte Militärstrategie sind der notwendige Ausfluss dieser Anstrengungen. Im BDSV wird dieser umfassende Sicherheitsbegriff seit unserer Gründung im Jahr 2009 konsequent gelebt. In unserem Verband sind alle Ausrüster staatlicher Sicherheitsbehörden willkommen und vereint. Über die Plattform SVI-Connect, die wir gemeinsam mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik ins Leben gerufen haben, leisten wir seit Jahresbeginn zudem einen Beitrag zur Verzahnung klassischer Rüstungsunternehmen mit neuen, bislang überwiegend zivilen Zulieferern – zum Vorteil beider Seiten. Nicht zuletzt deshalb ist Deutschland auf gutem Weg, seine selbstgesteckten Ziele in der Zeitenwende zu erreichen. Die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie tut alles in ihrer Macht Stehende, um hier ihren Beitrag zu leisten.