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8. Mai 2019

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Gesundheit

Das digitale Labor – Vision und Realität

Journalist: Helge Stroemer

Im Labor der Zukunft müssen die Prozesse reibungslos funktionieren. In vielen Bereichen wird beim digitalen Wandel aber noch nach Lösungen geforscht.

In Laboren verändert die Digitalisierung das Arbeitsumfeld. Es klafft jedoch eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Manche Labore sind schon komplett auf digitale Technik umgestellt, in anderen werden die Daten mit Stift und Notizbuch aufgeschrieben. Die Abläufe werden hier noch manuell geplant und dokumentiert.

Gegenüber schriftlichen Notizen bieten digitale Protokolle jedoch einen deutlichen Zeitgewinn und die Möglichkeit, sich auf die eigentliche Arbeit zu konzentrieren. Laborautomation hilft zudem, menschliche Fehlerquellen auszuschließen.

Die Ziele der Digitalisierung und Automatisierung sind klar umrissen: Es geht darum, den Ablauf im Labor zu optimieren und den Laboralltag effizienter zu planen. Wie kann die Gerätekapazität besser genutzt werden? Digitale Anwendungen ermöglichen die Vernetzung von Laborgeräten und der Status angeschlossener Geräte lässt sich zentral einsehen. Freie Geräte können so schnell und einfach gefunden werden.

Matthias Freundel, Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA, Informatiker und Gruppenleiter, Foto: Fraunhofer Institut

Der digitale Wandel schreitet in rasendem Tempo voran. Manche Menschen kommen da nicht mit – oder wollen es nicht. Wie überall in der Arbeitswelt gibt es Mitarbeiter, die technischen Neuerungen zunächst skeptisch gegenüberstehen. Sie folgen dem Motto: Das haben wir immer so gemacht, warum soll das geändert werden? 

Dabei wird seit Jahren an Dingen wie Spracherkennung und Datenbrillen geforscht. Begriffe wie Cloud und das elektronische Laborbuch (Electronic Laboratory Notebook) haben in modernen Laboren längst Einzug gehalten.

Doch die Probleme liegen in den vielen kleinen Details. So wurde vor einigen Jahren die Datenbrille auf Messen vorgestellt. Sie ist mit einer integrierten Kamera und Hightech-Sensorik ausgestattet. Zu den Funktionen gehören die Überwachung von Abläufen, das Teilen von Informationen, aber auch die Dokumentation mittels Videoaufzeichnung.

Doch es stellte sich heraus, dass die Datenbrille für den Arbeitsalltag zu schwer ist. Außerdem ist das Sichtfeld relativ klein. Objekte werden erst ab einem Meter Entfernung erfasst. Laboranten arbeitet jedoch oft mit den Händen nahe am Körper.

„Viele Technologien brauchen eine bestimmte Adaption, um zu funktionieren“, sagt Matthias Freundel vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA. Der Informatiker meint damit die Anpassung von Hardware, Software oder Daten, damit das Produkt in das Arbeitsumfeld integriert werden kann.

Seit rund einem Jahr steht Freundel als Gruppenleiter einem Team vor, das digitale Laborsysteme entwickelt. Die neue Arbeitsgruppe mit dem Namen „Digital Lab Services“ unterstützt Industriepartner bei der Planung und dem Management von Laborprozessen. Davon profitieren Unternehmen bei der Qualitätssicherung und Wirtschaftlichkeit. Zudem verbessern sich durch ergonomische Veränderungen die Arbeitsplätze von Mitarbeitern.

Im Fokus ihrer Arbeit stehen die Entwicklungen von reibungslos funktionierenden Systemen und individuell angepassten digitalen Lösungen. Die Digitalisierung schreitet jedoch nur in kleinen Schritten voran. „Der Biologe denkt anders als der Informatiker. Die Aufgabe besteht darin, die beiden Welten sinnvoll zusammenbringen“, sagt Freunden.

Das Fraunhofer Team sucht nach softwarebasierten Lösungen und überprüft zum Beispiel Pipettiervorgänge. Wenn eine Pipettierarbeit tausendmal wiederholt werden muss, ist eine Automatisierung sinnvoll. Eine Maschine kann das besser als ein Mensch. Es gibt jedoch auch Vorgänge mit der Pipette, die nur manuell ausgeführt werden können. Durch eine digitale Erfassung und Auswertung der Arbeitsschritte können diese jedoch deutlich optimiert werden.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Bereich der digitalen Spracherkennung. Wir kennen es von Amazons Alexa oder Google. Die Spracherkennung hat den Vorteil, Fragen und Befehle von Nutzern zu verstehen, ohne dass diese eine Eingabe auf einem mobilen Gerät oder PC vornehmen müssen. Die Wissenschaftler wollen sich diesen Vorteil einer hohen Zeitersparnis auch für Labore zu Nutze machen.

Die Probleme, die hier gelöste werden müssen, liegen ebenfalls im Detail. So muss der Voice Service nicht nur die Fachsprache erkennen, sondern auch die vielfältigen Nebengeräusche herausfiltern. Ansonsten können sich schnell Übertragungsfehler einschleichen. Und wo sind die Mikrofone am besten platziert – am Headset des Mitarbeiters oder im Raum? Doch bei der Spracherkennung ist das Fraunhofer-Team zuversichtlich. „Bei der Sprache sind wir auf einem guten Weg, die Probleme zu lösen“, sagt Freundel.

Bei der Nutzung einer Cloud hingegen fehlt es insbesondere an der Akzeptanz dieser Technik, obwohl die Vorteile auf der Hand liegen. Versuchsprotokolle lassen sich über Cloud-Anwendungen mit mehreren Anwendern weltweit gemeinsam optimieren und teilen. In Deutschland sind jedoch die Vorbehalte vor Clouds noch sehr groß. Datenschutz, sichere Verschlüsselung von Daten und Überzeugungsarbeit stehen bei diesem Projekt im Vordergrund.

Trotz vieler offener Fragen und technischer Feinabstimmungen schreiten die Veränderungen auch in Laboren unaufhaltsam voran. „Es ist schwierig eine Vorhersage zu treffen, aber ich würde sagen, dass die Digitalisierung in fünf Jahren in nahezu allen Laboren ihren Einzug gehalten hat“, sagt Freundel. 

Wobei die Informatiker stets betonen, dass die digitale Technik den Labormitarbeiter in seiner Arbeit unterstützen und nicht wegrationalisieren soll. Zudem eignet sich der Mensch für experimentelle, kreative Arbeiten besser als eine Software oder eine Maschine.

25. Jun 2026

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Gesundheit

Mit Datennutzung und Innovationen zur Smarten Gesundheitsversorgung –Ein Beitrag von Dr. Marc-Pierre Möll, Geschäftsführer und Vorstandsmitglied BVMed – Bundesverband Medizintechnologie

Denn moderne Medizintechnik liefert genau das, was eine smarte Gesundheitsversorgung braucht: Kontinuierlich verfügbare Daten, intelligente Vernetzung und KI-gestützte Lösungen, die neue Versorgungswege ermöglichen. Unser Problem in Deutschland ist: sektorale Strukturen, tradierte Vergütungssysteme und uneinheitliche Vorgaben bremsen die digitale Transformation bislang aus. Was muss getan werden? Wir müssen Daten besser verfügbar machen. Wir müssen internationale Standards für Datenformate und -sicherheit verwenden. Wir müssen digitale Versorgung besser etablieren. Wir müssen digitale Versorgungspfade umsetzen. Die Nutzung von Daten ist das Kernelement, das digitale Versorgung in allen Sektoren und Situationen kennzeichnet. Dabei kann die Nutzung der Daten sehr verschieden gestaltet sein. Beispiele sind: - die Steuerung von Patientenpfaden anhand von aktuellen Daten und Informationen aus der Patientenhistorie, - das permanente Monitoring des Gesundheitszustandes anhand von kontinuierlich erhobenen Daten aus Sensoren oder anderen Messgeräten, - das situationsbezogene Management anhand von Alarmen bzw. Meldungen, - die Nutzung von Daten für die Weiterentwicklung von Produkten und Services sowie für Training, Validierung und Einsatz von KI, - die Nutzung von Daten für Digital Twin-Ansätze oder - die Nutzung von Daten für Training, Schulung, Weiterbildung. Wichtig ist, dass die erforderlichen Daten in der Versorgung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort verfügbar sind, ein nutzbares Format haben oder über eine Schnittstelle genutzt werden können und die Rahmenbedingungen für die Datennutzung klar sind. **Aus Sicht der MedTech-Branche fordern wir:** - In einem neuen Primärversorgungssystem sollte die digitale Ersteinschätzung so entwickelt werden, dass künftig auch Echtzeitdaten für eine valide Ersteinschätzung genutzt werden können. - Für „Digital Twin-Technologien“ sollten pseudonymisierte Behandlungsdaten nutzbar gemacht werden. Denn Simulationen anhand von vorhandenem Bildmaterial können invasive Diagnostik verhindern oder Therapieschritte vorbereiten. - Das Einwilligungsmanagement zur Datennutzung im Behandlungsablauf sollte bundesweit vereinheitlicht werden und auf einer einheitlichen Interpretation der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) basieren. - Für die Verbesserung von Produkten und Services braucht die Industrie Zugang zu Gesundheitsdaten und teilt selbst auch ihre Daten. Dabei sind allerdings IP-Rechte zu beachten, gerade bei Medizinprodukten. - Unser Appell: Smarte Gesundheitsversorgung entsteht nicht durch einzelne Innovationen, sondern durch das Zusammenspiel von Daten, Vernetzung und KI. Die Zukunft der Versorgung ist möglich – jetzt muss das System folgen. ## Zum Autor: Dr. Marc-Pierre Möll ist seit April 2019 Geschäftsführer des Bundesverbandes Medizintechnologie e. V. in Berlin sowie Geschäftsführer der BVMed-Akademie. Er ist zudem Mitglied des BVMed-Vorstands.