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17. Mär 2023

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Gesellschaft

„Das Leben in den Städten ist attraktiv“

Journalist: Jakob Bratsch

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Foto: Chuttersnap/unsplash, Frank Nürnberger

Im Gespräch mit Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, über die Transformation der Städte bei Energie, Verkehr und Co.

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Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages

Energiekrise, Verkehrswende, Klimaschutz: Wohin geht die Reise der Städte?
Es gibt viel zu tun. Sie haben drei große Themen genannt. Wir sind mitten in der Transformation, denn wir leben auf Kosten unserer Kinder. Zusätzlich sind die Städte seit Jahren als Krisenmanager gefordert: Corona oder die Unterbringung von Geflüchteten sind große Themen für sich. Bei allen Herausforderungen sehen wir aber auch: Das Leben in den Städten ist attraktiv. Unsere Aufgabe ist es, dass es so bleibt.

Bleiben wir bei der Energie. Stehen wir im Herbst 2023 besser da als ein Jahr zuvor?
Auch wenn es im Moment anders aussieht – hohe Preise für Strom, Gas und Wärme werden uns weiter beschäftigen. Die Energiewende geht nicht von heute auf morgen. Sie braucht Planung. Wir müssen unabhängiger werden von Gas, Kohle und Öl durch den Ausbau der Erneuerbaren. Für den urbanen Raum ist besonders Photovoltaik wichtig. Der Ausbau muss schneller gehen, das gilt auch für die Windkraft und den Netzausbau, damit der Strom auch da ankommt, wo er gebraucht wird. Das sind große Veränderungen, bei denen wir die Menschen mitnehmen müssen. Wir halten zum Beispiel eine finanzielle Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an den Stromverkäufen aus nachhaltigen Quellen für einen guten Anreiz. Außerdem beschäftigten sich viele Städte mit kommunaler Wärmeplanung, um nachhaltig und intelligent Quartiere mit Energie zu versorgen. Aber nach der Planung kommt die Umsetzung. Auch hier werden wir für jeden Euro streiten müssen.

Und beim Verkehr - ist das 49-Euro-Ticket der Durchbruch bei der Verkehrswende?
Ein günstiges Ticket macht noch keinen guten ÖPNV. Ja, das 9-Euro-Ticket im vergangenen Sommer war ein Erfolg. Es ist gut, dass bald das Deutschlandticket nachfolgen wird, weil es das einfache Prinzip „immer und überall nutzbar“ fortsetzt. Aber wenn wir dauerhaft mehr Menschen in Busse und Bahnen holen wollen, muss auch die Qualität stimmen. Guter ÖPNV kostet richtig viel Geld. Der Ausbau des Nahverkehrs muss das eigentliche Ziel sein. Der Ausbau der Netze muss schnellstmöglich in Gang kommen. Busse und Bahnen sind Rückgrat der Mobilität in den Städten. Es wäre fatal, wenn wir Linien ausdünnen müssten, weil die Finanzierung nicht passt.

Was brauchen die Städte, um für die Zukunft gewappnet zu sein?
Klingt banal, aber: Städte brauchen mehr Geld. Alle reden vom Wandel, die Städte wollen ihn. Die dafür nötigen Mittel - also kommunale Steuereinnahmen und Förderprogramme -halten aber nicht Schritt mit den wachsenden Aufgaben. Auch wenn die Steuereinnahmen bislang stabil sind, können die Städte immer weniger für ihr Geld kaufen. Deshalb brauchen wir eine grundlegende Verbesserung der kommunalen Finanzausstattung. 

Reicht es also, wenn den Städten in Zukunft mehr Geld aufs Konto überwiesen wird?
Frisches Geld, das auch schneller in den Städten ankommt, ist dringend nötig. Zum Beispiel für den Klimaschutz: Die EU-Kommission schätzt, es braucht 10.000 Euro pro Einwohner, damit eine Stadt klimaneutral werden kann. Rund 20 Prozent davon müssen die Städte selbst tragen. Da kommen bei Großstädten Milliardenbeträge für die nächsten zehn Jahre zusammen. Ich glaube nicht, dass wir dort den üblichen Förderprogrammen weiterkommen. Geld allein reicht nicht, wir müssen auch den Dschungel an rechtlichen Vorgaben und Zuständigkeiten lichten. Förderprogramme, die gut gedacht, aber bürokratisch und nicht praktisch gemacht sind, schrecken ab. Dabei müssen wir jetzt Tempo machen - bei Energie, Verkehr, Digitalisierung, aber auch bei anderen Zukunftsthemen wie dem Ausbau der Kinderbetreuung oder der Bildung.

22. Apr 2026

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Gesellschaft

Green Fishing – mit Josef Bernard, YouTuber des Kanals BROSEF

![Josef_Bild_2 Online.jpg](https://cwbucket.fra1.digitaloceanspaces.com/Josef_Bild_2_Online_bfe4ca7f26.jpg) ``` Josef Bernard, YouTuber des Kanals BROSEF ``` **Was kann die Angel-Community dazu beitragen, unsere Gewässer langfristig schützen?** „Jeder Angler sollte seinen Platz besser hinterlassen, als er ihn vorgefunden hat, also auch Müll anderer mitnehmen und Auffälligkeiten melden. Die Sensibilität dafür ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen: Viele Angler engagieren sich aktiv für saubere Gewässer. Mein Freund Jan Ebel organisiert z. B. mit seinem Verein „Spreepublik“ regelmäßig Clean-ups in Berlin, bei denen Elektroscooter und anderer Schrott aus der Spree gefischt werden. Solche Aktionen zeigen, wie wichtig das Engagement der Angler für den Gewässerschutz ist. Mit der wachsenden Zahl an Hobbyfischern steigt das Bewusstsein für Nachhaltigkeit noch mehr, und viele Marken reagieren darauf, z. B. mit umweltfreundlicheren Angelködern. Beim Raubfischangeln mit Kunstködern nimmt die Nachfrage nach phthalatfreien Gummimischungen zu. Catch & Release (C&R), also das Fangen und Freilassen hingegen ist in ein kontroverses Thema. Mir ist wichtig, den gefangenen Fisch zu verwerten und der Angelei damit einen Sinn zu geben – das ist auch das Konzept unseres YouTube-Kanals BROSEF: Wir fangen Fisch zum Verzehr und zeigen, wie einfach und lecker man ihn zubereiten kann. C&R hat jedoch seine Berechtigung, um Fische, die dem regionalen Schonmaß unterliegen, wieder in das Gewässer zu geben. Wie es beispielsweise die „Müritzfischer“ nicht nur bei kleinen, auch bei großen Fischen mit starken Genen praktizieren und somit die Produktivität des Gewässers aufrechterhalten. Wichtig beim Release ist natürlich der schonende Umgang: kurze Luftzeiten und befeuchtete Hände, um die Schleimhaut der Fische nicht zu beschädigen. Solche Grundlagen lernt jeder Angler bereits in der Prüfung.“